Rohrdorf – Oft wird erst nach dem Tod deutlich, was im Leben eines Menschen wichtig war. Dort, wo man sich außerhalb der eigenen Familie am meisten an ihn erinnert, war sein Lebensschwerpunkt.
Obstverwertung
aufgebaut
Für Jakob Wagner, der im Alter von 78 Jahren starb, gab es offenbar viele solche Schwerpunkte. Natürlich war er in ganz Rohrdorf als der „Kellermeister von der ORO“ bekannt, aber auch die Feuerwehrkameraden erinnern sich an Wagner: 30 Jahre war er Zweiter Kommandant und damit auch dort eine Institution.
Nicht anders beim Trachtenverein – die Umsetzung und der Wiederaufbau des historischen Achentaler Heimathauses, heute ein Schmuckstück Rohrdorfs und nicht nur für den Trachtenverein ein zentraler Ort, fiel in die zwölf Jahre, als er dort Zweiter Vorsitzender war. Dazu war er nicht nur in Rohrdorf, sondern im ganzen Landkreis begehrt als ein erfahrener Obstbaumschneider. Wie all das zeitlich in einem Leben so zusammenzubringen war, dass es nicht bloß „Beschäftigungen“ waren, sondern auf jedem Feld „was Gscheits“ erreicht wurde, ist in der Rückschau selbst seinen Kindern, Christine und Jakob, ein Rätsel. Vielleicht liegt die Lösung aber genau in dem Ausdruck „was Gscheits zusammenbringen“. Denn Jakob Wagner war offenbar jemand, der den Anspruch, aber auch die Gabe hatte, sich in jede Aufgabe, die gerade vor ihm lag, voll und ganz einzubringen. So beschreibt ihn die Geschäftsleitung der Rohrdorfer Obstverwertungsgenossenschaft. Wagner war dort zusammen mit Konrad Paul der Mann der ersten Stunde. Vom August 1958 bis zum Dezember 2006 hat er dort die gesamte Technik nicht nur betreut, sondern auch aufgebaut. Joachim Wiesböck, der heutige Geschäftsführer, sagt über ihn: „Arbeit war für ihn Arbeit. Da wusste er, was er wollte, nicht nur von seinen Mitarbeitern, sondern vor allem auch von sich selbst.
Möglich, dass man den ganzen Menschen Jakob Wagner aber am besten beschreibt, wenn man an ihn als Bergsteiger erinnert, für den das Klettern einige Jahrzehnte lang ein ganz großes Hobby war.
Ein Liebhaber
der Berge
Denn für das Bergsteigen wie es Wagner betrieb, auch mit dem Begehen neuer Touren vor allem im Kaiser, gehört nicht nur Selbstdisziplin und ein starker Wille, sondern auch etwas, was man kaum trainieren kann: Das Gefühl für den Berg, das Gespür dafür, wo eine begehbare Route sein könnte. Dieses Gefühl für die Wege, die zur Lösung eines Problems führen, habe Jakob Wagner, so meint Wiesböck, auch in seiner Arbeit bei der ORO gehabt, aber auch überall sonst, wo er sich engagiert einbrachte. Und selbst beim Bergsteigen, diesem großen Hobby, habe sich dieser Grundzug seines Wesens gezeigt, dass Arbeit Arbeit und Spaß Spaß ist, alles zu seiner Zeit. Jakob Wagner war ein geselliger Mensch, mit seiner Frau Monika auf jedem Fest im Dorf gern gesehen. Sein Haus stand jederzeit jedem offen.jt