Höslwang – Kaum ein Heiliger ist bekannter als er: der Nikolaus. Vor allem den Kindern zaubert er meist ein Lächeln ins Gesicht, wenn er sie mit seinen Gaben beschenkt. Doch der Nikolaus ist weit mehr als nur eine Kultfigur und Freund der Kinder. Er ist Patron der Gefangenen, Schutzheiliger von Seefahrern und Kaufleuten und Nothelfer.
Am 6. Dezember gedenken Christen dem „echten“ Nikolaus, dem Bischof von Myra. Er ist gleichzeitig auch Namensgeber zahlreicher Kirchen – wie auch in Höslwang. Dort wird am Sonntag, 6. Dezember, das Patrozinium zu Ehren des Heiligen mit einem Pfarrgottesdienst gefeiert.
Not erkennen
und handeln
„Wenn Nikolaus Menschen in Not gesehen hat, dann hat er gehandelt“, sagt Pater Paul, Pfarrer des Pfarrverbandes Halfing. Auch in seiner Predigt will er auf das Wirken und die Botschaft des Heiligen erinnern. Denn eigentlich hätte Pater Paul dieses besondere Patrozinium, das in diesem Jahr auf einen Sonntag fällt, gerne größer gefeiert. Wegen der Corona-Pandemie seien jedoch Zurückhaltung und Rücksichtnahme geboten.
Ganz im Sinne des Heiligen: „Nikolaus‘ Botschaft ist auch, ein bisschen weniger an sich zu denken und mehr auf die anderen zu schauen“, so Pater Paul. Heute sei die Gesellschaft stark geprägt vom Egoismus, findet der Pfarrer. Dabei sei Selbstlosigkeit eine Chance, die man nutzen könnte, um anderen zu helfen oder sie zu unterstützen.
Während des ersten Lockdowns hätte man diese Bereitschaft laut Pater Paul gespürt, beispielsweise durch Einkaufsdienste für Senioren. Um die Selbstlosigkeit und die Wohltaten des heiligen Nikolaus spinnen sich viele Legenden. Aufgrund kritischer Textanalysen gingen Theologen davon aus, dass der heute verehrte Nikolaus eine Verschmelzung zweier historischer Personen ist: Nämlich des Bischofs Nikolaus von Myra, der im vierten Jahrhundert gelebt hat, und des gleichnamigen Abts Nikolaus des Mönchsklosters Sion, der später Bischof war und am 10. Dezember 564 starb. Beide historische Personen und deren Wirken bilden den Stoff der Mythen.
Legende der Mitgiftspende
Die wohl bekannteste Legende ist laut Pater Paul die Geschichte des verarmten Mannes, der seine Töchter zu Prostituierten machen wollte, weil er keine angemessene Mitgift erbringen konnte, um die Töchter standesgemäß zu verheiraten. Nikolaus, der zu diesem Zeitpunkt noch kein Bischof gewesen sein soll, hätte daraufhin an drei aufeinanderfolgenden Abenden je einen Goldklumpen durch das Fenster jeder Tochter geworfen. Am dritten Tag entdeckte der Mann Nikolaus und dankte ihm für die Gabe.
Auch heute sei gegenseitige Rücksichtnahme wichtiger denn je. Es ginge nicht darum, etwas zu leisten, wozu man nicht im Stande sei, so Pater Paul, sondern im Rahmen seiner Möglichkeiten, anderen zu helfen. „Die Freude der Menschen ist die Belohnung.“