Ein Dorf mit Ausdauer

von Redaktion

Schwaberinger kämpfen 60 Jahre für eigene Pfarrei – Vor 100 Jahren erfolgreich

Söchtenau – Eine eigene Kirche hatten sie schon, die Schwaberinger. Sie wollten aber auch einen eigenen Seelsorger. Und sie blieben hartnäckig dran. Am 10.Dezember 1920 war es dann so weit: Alois Herzinger wurde erster Pfarrer der neuen Pfarrei St.Peter.

Bereits um 924 wurde Schwabering – „Suabrichingon“ – in einem Dokument des Erzbischofs von Salzburg als Filiale der Pfarrei Prutting erwähnt – neben Straßkirchen und Söchtenau.

Gut 900 Jahre später entschieden sich die Schwaberinger, unabhängig von ihrer „pfarrlichen Unselbstständigkeit“ und Zugehörigkeit zur Pfarrei Prutting, für den Neubau einer Pfarrkirche, da das bisherige Gotteshaus wohl mehr eine Kapelle denn eine Kirche und auch schon baufällig war.

Die alte Kirche wurde im Mai 1858 abgebrochen und gleichzeitig mit dem Bau der neuen Kirche im neugotischen Stil begonnen. Nur zwei Jahre später erfolgte bereits die feierliche Konsekration des neuen Gotteshauses durch Erzbischof Gregor von Scherr am 24. September 1860.

Nach der Kirche
auch einen Pfarrer

Nachdem nun ein schönes neues Gotteshaus entstanden war, erwachte in der Filialkirchengemeinde Schwabering allmählich der Wunsch nach einer selbstständigen Seelsorgestelle. Im Jahr 1876 bildete sich ein eigener Verein, der in unverdrossener Sammeltätigkeit innerhalb von 30 Jahren die Geldmittel aufbrachte zum Kauf des Schulhauses als Wohnung für den künftigen Seelsorger in Schwabering.

1913 beschloss dann die Kirchengemeinde Schwabering, die Errichtung einer eigenen Pfarrei anzustreben und wandte sich mit einem diesbezüglichen Schreiben an die königliche Regierung.

Die Verhandlungen zogen sich – nicht zuletzt wegen des Ersten Weltkrieges – in die Länge und führten auch zu keinem positiven Ergebnis. Im Januar 1919 wurde das Gesuch abgelehnt, aber die Errichtung einer Expositur in Aussicht gestellt.

Am 1. Oktober 1919 erhielt die Kirchengemeinde einen eigenen Seelsorgepriester als Kooperator der Pfarrei Prutting in der Person von Alois Herzinger, „exponiert“ in Schwabering. Unterstützt durch das Ordinariat erneuerte Schwabering nach nur einem Jahr im Januar 1920 das Gesuch um eine eigene Pfarrei.

Die Schwaberinger mussten fast ein Jahr warten, bis das bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultur am 10. Dezember 1920 die Errichtung der Pfarrei Schwabering unter der Aktenzahl 49860 endgültig genehmigte, damit wurde Alois Herzinger erster Pfarrer von Schwabering. 1975 wurde der Pfarrverband Prutting-Schwabering gegründet und so wird Schwabering – nicht zuletzt aufgrund von Priestermangel – seit dieser Zeit von einem Pfarrvikar aus Prutting beziehungsweise Vogtareuth priesterlich betreut.

In der Pfarrgemeinde haben sich seither Laien verstärkt in das kirchliche Leben eingebracht, um religiöses Leben in der Pfarrei Schwabering mitzugestalten.

Festgottesdienst fällt Corona zum Opfer

„Schade, dass Corona keinen großen Festgottesdienst dazu erlaubt“, bedauert Pfarrer Guido Seidenberger, „in coronazulässigem Rahmen werde ich mit der Pfarrgemeinde aber diese historischen Ereignisse im Gottesdienst am 20. Dezember aufgreifen.“

Warum erst am 20.Dezember? Weil der Verwaltungsakt wohl mit dem 10.Dezember datiert war, aber auch der 19.Dezember als Gründungstag zu finden ist. Am Sonntag, 19. Dezember 1920, wurde vermutlich der Festgottesdienst in Schwabering dazu gefeiert.

Aber das ist anhand der Dokumente nicht mehr eindeutig zu klären.

Als offizielles Gründungsdatum der Pfarrei Schwabering gilt daher der 10. Dezember 1920.

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