„Für die Kinder geht was verloren“

von Redaktion

Nachwuchstrainer des Wintersportvereins Oberaudorf klagen über eingestellten Skibetrieb

Oberaudorf – Die Weihnachtsferien stehen vor der Tür. Im alpinen Wintersport heißt das in der Regel: Training, Training, Training. Stefan Hirnböck, Sportwart alpin im Wintersportverein Oberaudorf, betreut seit etwa sechs Jahren die Schülermannschaft. Die Kinder seien äußerst diszipliniert, sagt er. Sie wüssten, was Eigenverantwortung auf der Piste bedeute. Auch mit Hygienevorschriften und Abstandsregelungen hätten die jungen Sportler umgehen können, ist er überzeugt.

Aber jetzt blicke man einem tristen Winter entgegen: Kein Skibetrieb mindestens bis zum 10. Januar, lautete die Ansage von Ministerpräsident Markus Söder und Kanzlerin Angela Merkel.

Sorge um
Nachwuchssportler

Für Stefan Hirnböck ist das ein Grund zur Sorge: „Ganze Generationen an Sportlern brechen uns vielleicht weg.“ Außerdem hätte die Bewegung an der frischen Luft den Kindern gutgetan.

Anfang Oktober habe die Trainingssaison für die jungen Wintersportler begonnen. Um diese Zeit fahre die Skigruppe stets auf die Stubaier Gletscher. Für einige Tage sei das noch möglich gewesen, sagt Hirnböck. Aber lange habe es nicht gedauert, bis dem wieder ein Riegel vorgeschoben wurde. Im Prinzip seien dadurch schon drei Monate „verschenkt“ worden, so der 51-Jährige.

Trocken- und Konditionsübungen, die die Kinder im Sommer machen, heben die drei entscheidenden Monate (Oktober, November und Dezember) nicht auf.

„Normalerweise hätten die Kinder jetzt in den Winterferien am Vormittag zwei bis drei Stunden trainiert und sich auf ihr neues Ski-Material eingestellt“, so der Sportwart. Anfang März sei die Rennsaison dann wieder vorbei. „Dann war’s das.“ Je länger das Training brachliege, umso größer sei die Gefahr, dass die Kinder den Wintersport an den Nagel hängen.

„Wenn wir Glück haben, verlieren wir sie an die Fußballer, wenn wir Pech haben, landen sie vor dem Handy“, sagt Hans Rumpfinger, Kindertrainer für Rennlauf beim WSV Oberaudorf, und Kindersportwart beim Skiverband Inngau.

Grundsätzlich haben die Trainer ohnehin schon immer „zu kämpfen“, Kinder für Rennlauf oder Skifahren zu gewinnen. „Da habe ich jetzt schon Angst, dass uns die paar Wenigen auch noch wegbrechen“, sagt Rumpfinger.

Er bedauert es, dass das Thema Skifahren schnell mit Ischgl in Verbindung gebracht werde: „Ich betrachte diesen Sport für gesund. Das hat mit Après-Ski gar nichts zu tun.“

Vor allem kleinere Skilift-Betriebe, die häufig auch von den Gemeinden gesponsert werden, müssten jetzt ums Überleben kämpfen. Aber gerade für Trainingsmöglichkeiten seien diese kleineren Skilifte, abseits von der großen Masse, „optimal“, findet Rumpfinger.

Hygienekonzepte
wurden schon erstellt

In Abstimmung mit dem Bayerischen Skiverband seien außerdem Hygienekonzepte erstellt worden, welche den Vereinen an die Hand gegeben werden sollten. „Der Skiverband Inngau hat sich da schon Gedanken gemacht, aber im Endeffekt bringt das jetzt nichts mehr“, sagt Rumpfinger.

Schade findet er den eingestellten Skibetrieb auch für die Jüngsten der Gruppe: „Für die Kinder geht da was verloren.“ Das merke er auch an seinen eigenen. Die würden sich schon nach der Piste sehnen und hätten sich aufs Skifahren gefreut. Seine große Hoffnung: dass wenigstens nach dem 10. Januar die Skisaison für die Nachwuchskinder wieder weitergehen könne.

Das wünscht sich auch Stefan Hirnböck. Zwar halte er alle Hygienemaßnahmen und Corona-Regelungen für sinnvoll. „Aber auch der Sport im Freien ist für die Kinder gesund und wichtig.“

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