Aschau – Kinder, die die Piste im Pflug herunterrutschen, Skifahrer, die elegant durch den Schnee wedeln – ein Bild, von dem noch unklar ist, ob man es heuer überhaupt sehen wird. Wann und ob die Skisaison beginnen kann, steht derzeit noch in den Sternen. In Aschau und im Bergsteigerdorf Sachrang stehen die Lifte zwar still, die Skischule Sachrang hält sich aber in den Startlöchern bereit für eine Eröffnung. Auch die Verwaltung bereitet sich auf einen Ansturm an Individualwintersportlern vor.
Piste ist heuer bereits
beschneit worden
„Wir haben in Zusammenarbeit mit dem Skilehrerverband ein Hygienekonzept erarbeitet, eine Wartezone für die Skilifte mit Markierungen eingerichtet und bereiten gerade die Innenbereiche vor“, berichtet Christian Deißenböck, Inhaber der Skischule Sachrang. Seit 2002 betreibt er diese im kleinen Sachranger Skigebiet „Kaiserblick“, das vor allem bei Anfängern und Familien beliebt ist. Was fehlt, so Deißenböck, ist die Planungssicherheit. Denn auch die Piste sei bereits beschneit worden, um gegebenenfalls schnell öffnen zu können.
Allerdings sei dies auch mit hohen Kosten verbunden. „Sollten wir im Januar nicht starten können, werden wir damit aufhören“, sagt der ehemalige Weltcupfahrer und staatlich geprüfte Skilehrer. Dann hänge alles davon ab, ob genügend natürlicher Schnee kommt, „wenn nicht, lassen wir zu“.
Deißenböck sagt, er selbst sei gut aufgestellt und könne eine Saison verschmerzen – sofern eine finanzielle Unterstützung vom Staat kommt. Schwieriger sei die Situation für die Skilehrer und Angestellten in der Gastronomie. Größtenteils handle es sich dabei um geringfügig Beschäftigte oder kurzfristig angestellte Studenten, die sich in der Saison etwas dazuverdienen. „Die trifft es sehr hart“, bedauert Deißenböck. Das festangestellte Personal sei derzeit in Kurzarbeit.
Aschaus Bürgermeister Simon Frank rechnet mit einem Ansturm von Individualsportlern. „Da vorerst kein Alpin-Ski-Betrieb erlaubt ist, bereiten wir uns darauf vor, dass viele auf Skitouren, Langlaufen, Schneeschuhwandern und Rodeln umsteigen.“ Von lokalen Sportgeschäften hätte er bereits gemeldet bekommen, dass die Nachfrage nach Tourenskiern extrem gestiegen sei.
Das bestätigt Georg Steigenberger, Inhaber des Sportgeschäfts „Condition Steigenberger“. „In der Branche wurde schon im Herbst vermutet, dass es so kommen wird. Das bestätigt sich jetzt“, erläutert er. Die Nachfrage nach Tourenskiern sei hoch. An den Tagen vor dem Lockdown, bevor auch er sein Geschäft schließen musste, sei „irrsinnig“ viel los gewesen. „Wir bieten aber auch maßangefertigte Alpin-Ski-Schuhe. Da ist die Nachfrage bislang gleich null“, erklärt er.
Dann ist da auch noch das Thema Parkplätze. Die Gemeinde befürchtet im Winter beengte Verhältnisse, erklärt Bürgermeister Frank. Bereits im Sommer waren deutlich mehr Besucher, Wanderer und Radsportler als in einem „Normaljahr“ nach Aschau und Sachrang gekommen. Wildparker versperrten nicht nur private Hofeinfahrten und Grundstücke, sondern auch Zufahrten für Rettungskräfte. „Wir wollen deswegen auch einen Notparkplatz im Gemeindegebiet schaffen“, erklärt Bürgermeister Frank.
Loipen sollen
präpariert werden
Weil gemäß der aktuellen Infektionsschutzverordnung zwar Sportstätten geschlossen bleiben müssen, Bewegung und Sport an der frischen Luft aber weiterhin erlaubt sind, „werden wir die Loipen bei Schnee spuren“, sagt Florian Solfrank vom Tiefbauamt. In enger Absprache mit dem Bürgermeister sei die Verwaltung zu diesem Entschluss gekommen. Die Verantwortlichen gehen davon aus, dass das sonst einige selbst in die Hand nähmen.
Diese Entscheidung begrüßt auch die Tourist-Info: „Zur Sensibilisierung werden wir auf den Parkplätzen und abschnittsweise an den Loipen Schilder aufstellen, die an genügend Abstand erinnern sollen“, erklärt Tourist-Chef Herbert Reiter. Es sei auch wichtig für die Menschen aus der Region, dieses Angebot zu schaffen, so Reiter. „Gemeinsam müssen wir eine Spur finden, eine Spur der Vernunft.“