Die Hexe kann den Takt nicht vorgeben

von Redaktion

Auftritte des Kiefersfeldener Perchtenvereins derzeit coronabedingt abgesagt

Kiefersfelden – Coronabedingt dürfen die Perchten weder auftreten noch sich in ihrer sagenumwobenen Weise bemerkbar machen. So auch der Kieferer Perchtenverein „Droadn-Pass“, dessen Zweiter Vorsitzender Enrico Dalla-Torre bedauert, die große Jubiläumsfeier zum zehnjährigen Bestehen der Kieferer Perchten absagen zu müssen.

Konsequenzen
gezogen

„Die Corona-Regelungen belasten unser Vereinsleben schon sehr stark“, berichtet der Zweite Vorsitzende, „aber wir haben uns zeitig damit auseinandergesetzt, die notwendigen Konsequenzen daraus gezogen und für dieses Saison alles gestrichen. Vor allem unsere Auftritte in den gemeindlichen Kindergärten waren stets Höhepunkte, darauf haben nicht nur die Kinder jedes Jahr hingefiebert“. Ein Auftritt verlangt den Akteuren im Vorfeld einiges ab. Es beginnt mit dem Anlegen der Kleidung, was sich schon mal über eine Stunde hinziehen kann und dann geht es mit dem Bus zu den Auftrittsorten.

Von Mittag bis in den Abend hinein dauern die spektakulären Shows, die mit Einbruch der Dunkelheit von beeindruckender Beleuchtung noch weiter aufgewertet werden. „Wenn die drei bis vier Tage dann vorbei sind, sind wir eigentlich immer ziemlich am Ende und relaxen ist angesagt, oftmals einhergehend mit den Erinnerungen an die Auftritte, die immer wieder besonders sind“, so der Herr der Perchten, Enrico Dalla-Torre.

Er war auch dabei, als in einer Gruppe gleichgesinnter vor zehn Jahren die Idee aufkam, die bis dato eher unregelmäßigen Auftritte der Kieferer Kramperl in eine vereinsähnliche Struktur zu führen. „Das war dann die Geburtsstunde des „Droadn- Pass“, unseres Kieferer Perchtenvereins“, erinnert sich der Vize gerne daran. „Was die können, können wir auch“ war das Motto und dann wurden aus Worten Taten. Am Beispiel anderer Perchtengruppen aus der grenzübergreifenden Region wurde nach und nach die Gruppe mit den notwendigen Utensilien ausgestattet.

Angefangen von den handgeschnitzten, gruseligen Masken, den weiten Umhängen, für die bis zu zehn Schaffelle verarbeitet werden, bis hin zu Trommeln, Glocken und Schuhwerk.

„Da kommen schon mal schnell 1500 Euro an Ausgaben zusammen, aber das ist es uns wert und der Applaus bei unseren Auftritten belohnt uns auch für das finanzielle Engagement“, betont Dalla-Torre. Hinzu kommt noch der logistische Aufwand wie Busmiete, Materialwagen sowie Helfer aus dem Freundes- oder Verwandtenkreis.

Aktuell hat der Verein 18 Mitglieder, die gemäß den Vereinsstrukturen nur männlich sein dürfen. „Doch selbstverständlich sind Freundinnen, Ehefrauen oder sonstige weibliche Personen nicht ausgegrenzt, wir brauchen sie immer als Unterstützer, Helfer oder einfach nur als Partner.“ Die Auftritte der Hexe, der Glockinger, der Tamperer und auch der Läufer sind mehr oder weniger vom Brauchtum vorgegeben.

Die Hexe sitzt zumeist auf dem Wagen, gibt den Takt vor und heizt die Stimmung an, während die Läufer das Publikum mit ihren Fratzen, Fellen und Masken inspirieren, erschrecken, aber auch zurückhalten, denn die Glockinger mit ihren mächtigen lauten Glocken und die Tamperer, die dazu den Trommelwirbel veranstalten, umkreisen den Hexenwagen und brauchen dafür ausreichend Platz. Rund 20 Minuten dauert so ein Auftritt „und das geht uns schon an die Substanz, dafür brauchen wir ordentlich Kondition“, weiß Dalla-Torre aus eigener Erfahrung. Natürlich ist der Zweite Vorsitzende dankbar für neue Vereinsmitglieder, die sich über das Tun seiner Perchten auf der Facebook-Seite „Droadn-Pass“ inspirieren lassen können.

Der Vereinsname selbst „kommt vom 1852 Meter hohen Berg „Großer Traithen“ im Brünnsteingebiet.

Brauchtum in_Bayern und Tirol

Die Perchten und der damit verbundene Perchtenlauf ist bayerisch-österreichisches Brauchtum. In der Zeit der sogenannten Rauhnächte sollen diese sagenumwobenen, teils schrecklichen Gestalten mit ihren Auftritten den Winter und die bösen Geister der kalten Zeit vertreiben.

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