Obdach für eiskalte Nächte

von Redaktion

Gemeinden müssen Quartier bieten, aber nicht alle haben eigene Unterkünfte

Großkarolinenfeld/Stephanskirchen/Schechen/Vogtareuth/Riedering/Rohrdorf/Söchtenau – Es ist Winter, die Temperaturen liegen derzeit meist unter dem Gefrierpunkt. Es ist die Zeit des Jahres, zu der in den Kommunen am häufigsten Obdachlose bei der Gemeinde anklopfen, ein Dach über dem Kopf suchen. Die Obdachlosen, die sonst – meist freiwillig – auf der Straße leben. Die Sandler, Tippelbrüder, Landstreicher, Penner, Herumtreiber.

Kommunen
sind in der Pflicht

Sie wissen genau, warum sie bei den Gemeinden anklopfen: Diese müssen ihnen ein Dach über dem kopf verschaffen. Bernd Fessler, Bürgermeister von Großkarolinenfeld und Sprecher der Landkreisbürgermeister erklärt: „Die Gemeinden sind in diesen Fällen als Sicherheitsbehörde zuständig. Und zwar die Gemeinde, wo er gerade anklopft“, denn eine Heimatgemeinde lässt sich nach Jahren auf Achse meist nicht mehr feststellen. „Er“, denn es sind nahezu ausschließlich Männer.

Bei denen, so Fessler, die Unterbringung auch deswegen schwierig ist, weil sie ein Zusammenleben unter einem Dach gar nicht mehr gewöhnt sind. Die wenigsten Gemeinden hätten die Möglichkeit, für die Obdachlosen Wohnungen vorzuhalten. Und weil man sie aus dieser Unterkunft womöglich nicht heraus bekommt, wenn man die Wohnung anderweitig – zum Beispiel für eine Familie nach einem Wohnungsbrand oder in einer anderen Notlage – bräuchte.

In Großkarolinenfeld sieht Fessler, gemeinsam mit seinem Geschäftsleiter, zu, dass immer irgendwo ein Notquartier zur Verfügung steht, der Wohnstandard müsse ja nicht der beste sein. „Aber wir hangeln uns da auch von Einzelfall zu Einzelfall durch.“

Durchhangeln konnte sich die Gemeinde Riedering jetzt nicht mehr. Wolfgang Eberle, Kämmerer und amtierender Geschäftsleiter, hatte zwei Männer vor der Tür stehen, die sich 2020 mit unbekanntem Ziel aus Riedering abgemeldet hatten – und die nun wieder vor der Tür standen. „Wir haben für solche Fälle keine Unterkunft, haben die bisher auch nie gebraucht.“ Also hat die Gemeinde einen Wohncontainer angemietet, für zunächst zwei Monate, und versucht, die Männer anderweitig unterzubringen.

Auf einer Containerlösung müsste auch Martin Stuffer von der Rohrdorfer Verwaltung herumdenken, denn auch dort gibt es keine Notunterkunft. „Allerdings hatten wir in den letzten 13 Jahren auch keinen einzigen Fall.“ Den gab es auch in Söchtenau in den letzten Jahren nicht, so Geschäftsleiter Sebastian Schreider. „Wir hätten im Notfall einen Raum, haben den aber noch nie gebraucht.“

Von „noch nie“ kann in Schechen und Vogtareuth keine Rede sein. „Aber im Moment haben wir keinen da“, so Jeannette Sonntag von der Vogtareuther Gemeindeverwaltung und Karl-Heinz Salzborn, Geschäftsleiter in Schechen, übereinstimmend. Beide Gemeinden halten Notunterkünfte vor, jeweils in älteren, ziemlich spartanisch ausgestatteten Gebäuden im Besitz der Gemeinde. Vier bis fünf Personen könnte er unterbringen, so Salzborn, habe das aber nie ausschöpfen müssen, „aber ab und an taucht mal einer auf.“

Mehr als „ab und an mal einer“ ist es in Stephanskirchen. Deswegen hält die Gemeinde auch gleich zwei Unterkünfte vor. Einmal die alte Ziegelei mit zwei Mini-Appartements mit Gemeinschaftsbad und einmal vier Zimmer in Hofleiten. „Alles einfachster Standard, für kurzfristige Unterbringung ausgelegt und für Familien definitiv nicht geeignet“, sagt Geschäftsleiter Georg Plankl. Bisher hätten diese Quartiere immer ausgereicht.

Eigene Gebäude sind
die billigste Lösung

Natürlich verursachten die Obdachlosenzimmer Kosten, so Plankl. Denn Strom, Wasser und Abwasser blieben an der Gemeinde hängen. Dennoch sei es für seine Begriffe die mit Abstand günstigste Variante für die Gemeinde. „Eine Wohnung anzumieten oder die Männer gar in Pensionszimmern unterzubringen, das wäre wesentlich teurer.“

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