Die Gretl geht auf Wanderschaft

von Redaktion

Einfach mal die Welt erkunden, das fand Gretl spannend. Gretl ist drei Monate alt und in Marienberg daheim. Am Dienstag entwischte das Kalb vom Hof und ging auf Wanderschaft. Bis an den Inn, querte dabei auch die B15. Nachbarn und Polizei machten sich auf die Verfolgungsjagd.

Schechen – Es waren gleich mehrere Autofahrer, die am Dienstag gegen 12.30 Uhr die Polizei alarmierten, dass direkt neben der B15 ein Kalb laufen würde.

Da waren die Nachbarn von den Höfen der Umgebung schon eine Weile als Cowboys und Cowgirls im Einsatz, versuchten, die abenteuerlustige Gretl einzufangen.

Fast erwischt und
dann wieder weg

„Das war anstrengend, das Kalb ist schnell“, erzählt Hansi Zehetmayer, der mit seiner Schwester ausgerückt war, Gretl in Sicherheit zu bringen. „In einem Hölzl hätten wir sie fast gehabt, dann war sie wieder weg.“ Eine Erfahrung, die auch die ausgerückten Polzisten machten. Sie sahen, wie Pressesprecher Robert Maurer mitteilt, das Kalb auf einer Wiese an der Bundesstraße grasend. Als sich die Beamten näherten, lief das Tier in den Wald, kam aber wieder zurück auf die Wiese. Das Ganze ging mehrere Male so.

Da dürften die Polizisten ganz froh um die Verstärkung aus der Nachbarschaft gewesen sein. Elisabeth Grabmaier wohnt direkt an der B15, rückte auch aus. „Die Autofahrer haben super regiert, sind alle vorsichtig gefahren. Und später hat dann ja die Polizei eingegriffen“, sagt sie. Trotzdem hatten alle beteiligten Glück, dass nicht passiert sei.

Franz Vogl, dem Gretl gehört, war nicht zuhause, als das tierische Abenteuer begann, „wir waren einkaufen“.

Vermutungen gehen dahin, dass die Tür der Box, in der Gretl mit drei anderen Kälbern steht, wohl nicht hundertprozentig fest verriegelt war, so dass die neugierigen Kälber ausbüxen konnten. Während ihre drei Artgenossen sich rund um den Hof die Beine vertraten, ging Gretl stiften, über mehrere Kilometer, über die Bahngleise und über die Bundesstraße. „Als sie beim Bahnwärterhäusl in der Au im Garten stand, hat die Nachbarin uns angerufen und gefragt, ob das Kalb uns gehört“, so Zehetmayer. Er habe noch ein paar Nachbarn informiert und sei los.

Bei Grabmaiers war der Hof leer, alle waren auf der Jagd nach Gretl, „mal was ganz anderes“, lacht Elisabeth Grabmaier.

Das „temperamentvolle Kalb“ wollte sich aber von den acht bis zehn Menschen, die ihm auf den Fersen waren, so leicht nicht in seiner gerade entdeckten Freiheit beschneiden lassen, „mir san dem Kaibe lang nachg‘laufen“.

Gemeinschaftlich näherte man sich Gretl, hatte sie irgendwann so umzingelt, dass sie sich „dem Gewahrsam der Fänger nicht mehr entziehen konnte“, wie die Polizei mitteilt. Am Lagerplatz von der Waldbauernvereinigung war es, da hatte Gretl, laut Vogl immerhin an die 120 Kilo schwer, nicht mehr so viel Bewegungsfreiheit. Und irgendwann hatte sie denn den Strick um den Hals, konnte wohlbehalten ihrem Besitzer übergeben werden.

Wohlbehalten auf
dem heimischen Hof

Zwei Stunden, schätzt Vogl, habe es etwa gedauert, bis Gretl wieder auf dem heimischen Hof war. Kein Vergleich zu „Yvonne“, der Simmentaler Fleckviehkuh, die vor zehn Jahren bei Zangberg im Landkreis Mühldorf ausriss und erst nach 100 Tagen wieder eingefangen wurde. Aber Yvonne war damals auch schon sechs Jahre, nicht erst ein paar Monate alt. Robert Maurer räumt ein, dass die Polizei nicht in Erfahrung bringen konnte, ob Gretl nun in die Fußstapfen von Dieter Hallervordens Kuh Elsa oder doch eher in die von Stier Gerhard aus dem Raublinger Baumarkt treten wollte.

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