Nußdorf – Er ist die erste markantere Erhebung im Inntal Richtung Tirol und der Hausberg von Nußdorf am Inn. Der Heuberg ist beliebtes Ausflugsziel und jetzt auch Ziel einer Rettungsaktion. Weil der 1336 Meter hohe Berg durch den örtlichen Steinbruchbetreiber immer weiter abgetragen wird, hat sich – initiiert durch die drei Nußdorfer Bürger Georg Binder, Uli Kottmann und Sepp Reisinger – das Aktionsbündnis „Rettet den Heuberg“ gegründet.
Renaturierung
ist das Ziel
Mit von der Partie sind die jeweiligen Ortsgruppen von Bund Naturschutz, Bündnis 90/Die Grünen sowie die Parteifreien Nußdorfer. Zudem hat laut dem Aktionsbündnis der Verein zum Schutz der Bergwelt bereits seine Unterstützung erklärt. Ziel des Bündnisses sei, die vom Betreiber beantragte Erweiterung des Steinbruches, vor allem oberhalb der umstrittenen Höhenlinie von 758 Metern über dem Meeresspiegel, zu verhindern sowie eine baldige Renaturierung des Steinbruches zu erreichen.
„Als Aktionsbündnis haben wir selbstverständlich mehr Freiheiten und andere Möglichkeiten als unsere Mandatsträger“, so Sepp Reisinger, der über viele Amtsperioden als führender Vertreter der Parteifreien Nußdorfer im Gemeinderat saß.
Uli Kottmann (Bündnis 90/ Die Grünen) fügt an: „Ich spüre eine großartige Unterstützung durch die Bevölkerung. Die riesige Wunde im Berg hat das Schutzgut Landschaftsbild im Inntal bereits irreparabel beschädigt. Jetzt muss Schluss sein. Der Berg hat seine Schuldigkeit getan.“ Im Jahr 2017 hat auch der Bayerische Verwaltungsgerichtshof bestätigt, dass oberhalb von 758 Metern Seehöhe am Heuberg nichts mehr abgebaut werden darf, das Landratsamt Rosenheim habe den Steinbruch über dieser Linie sofort stillzulegen. Der Betreiber, das in Rohrdorf ansässige Südbayerische Portland Zementwerk Gebrüder Wiesböck GmbH & Co. GmbH, teilt die Auffassung des Gerichtes nicht und stellte im März 2019 den Antrag auf wesentliche Änderung um eine Genehmigung für den weiteren Abbau, auch oberhalb von 758 Metern zu bewirken. Dieser sieht laut Aktionsbündnis vor, in den nächsten 50 Jahren noch knapp zehn Millionen Tonnen Gestein abzubauen. Inzwischen läuft am Landratsamt ein neues Verfahren, das den Abbau für weitere 50 Jahre sichern soll. Nachdem bereits im vergangenen Jahr 722 Einwendungen eingegangen waren, gab es für die Gemeinde, Bürger und Organisationen im Oktober 2020 nochmals die Möglichkeit für Einwendungen. Laut dem Landratsamt Rosenheim ist die Zahl der Einwendungen seit der zweiten Auslegung auf 1241 angestiegen. „Aktuell fehlen noch die Stellungnahme des Betreibers zu den Einwendungen sowie ein TÜV-Gutachten. Erst wenn beides vorliegt, kann eine Entscheidung gefällt und veröffentlicht werden“, so Behördensprecher Michael Fischer gegenüber der Redaktion.
Wie das Landratsamt weiter mitteilt, konnte ein öffentlicher Erörterungstermin wegen der Corona-Pandemie bislang nicht stattfinden. Ein Fakt, der beim Aktionsbündnis auf Kritik stößt: „Bei einem Mehrgenerationen-Projekt dieser Dimension und Auswirkung auf das Schutzgut Landschaftsbild sowie diverser Risiken führt diese Vorgehensweise der Behörden zu vollkommenem Unverständnis und Widerstand innerhalb der Bevölkerung“, so die Initiatoren. Nußdorfs Bürgermeister Sepp Oberauer (CSU) bestätigt gegenüber unserer Redaktion, dass das Landratsamt Rosenheim momentan die vom Antragsteller eingereichten Genehmigungsunterlagen sowie die zahlreichen Einwendungen der Nußdorfer Bürger prüfe. „Eine Entscheidung durch das Landratsamt ist für die erste Jahreshälfte geplant. Leider wird es aufgrund der momentanen Corona-Situation keinen Erörterungstermin geben“, so Oberauer. „Die Gemeinde Nußdorf lehnt diesen Erweiterungsantrag grundsätzlich ab.“
Kein Gesteinsabbau
über 758 Metern
Im Wesentlichen soll die östliche Sichtschutzwand erhalten werden und kein Gesteinsabbau über 758 Metern erfolgen.“ Im Zuge der Öffentlichkeitsbeteiligung habe die Gemeinde eine umfangreiche Stellungnahme zu allen betroffenen Themen beim Landratsamt eingereicht. Mitglieder aus dem Gemeinderat hätten sich in einem Arbeitskreis intensiv mit Antragsunterlagen auseinandergesetzt. Mit Unterstützung einer Rechtsanwältin, Geologen und Biologen hat man laut Bürgermeister fachlich fundierte Einwendungen erstellt und dem Gemeinderat vorgelegt. Der Gemeinderat hat diese Stellungnahme einstimmig beschlossen. Trotz mehrfacher Nachfrage war seitens des Betreibers des Zementwerks keine Stellungnahme zu erhalten.