Frasdorf/Bernau – Einst aufwendig gestaltet, heute nur noch eine Erinnerung. Die Rede ist vom „Haltepunkt Umrathshausen Bahnhof“ (Gemeinde Frasdorf) – genannt „d’Halt“. Denn wenn die Chiemgau-Bahn von Prien nach Aschau fährt, kommt sie auch dort entlang. Derzeit kann man sehen, dass das hohe Bahnhofsgebäude renoviert wird. Ortsheimatpfleger Rupert Wörndl weiß über diese geschichtsträchtige Örtlichkeit einiges zu berichten.
Der Haltepunkt „Umrathshausen Bahnhof“ beim Weiler Giebing wurde zum Fahrplanwechsel im Dezember 2016 geschlossen. Ein wenig weiter, am „Haltepunkt Umrathshausen Ort“ macht die Bahn auch weiterhin einen Stopp.
Haltestelle für
Schlossbewohner
Das Bahnhofsgebäude am aufgelösten „Haltepunkt Umrathshausen Bahnhof“ sei wegen der hohen Herrschaften im nahe gelegenen Schloss Wildenwart sehr aufwendig gestaltet worden, berichtet Wörndl. 1877/78 sei die Haltestelle im Zusammenhang mit dem Bahnbau von Prien nach Aschau errichtet worden.
In den Karten aus der damaligen Zeit liest man noch „Haltestelle Wildenwart“. Diese ursprünglich einzige Haltestelle zwischen Prien und Aschau sei auf Wunsch von König Ludwig II. geschaffen worden, „um eine günstige Haltestelle für das Sommerschloss Wildenwart herzustellen“.
Das Gebäude war zweistöckig mit einem Dachgeschoss mit Wohnungen für den Stationsvorsteher und einen Bahnbediensteten angelegt.
Wie auf der Bauskizze zu sehen ist, musste man das Treppenhaus entgegen der ursprünglichen Planung nach außen verlegen, um im Inneren genügend Platz für ein „reserviertes Zimmer“ und einen Wartesaal zweiter Klasse „mit Rücksicht auf die Benützung der Station durch Mitglieder des königlichen Hauses und zahlreicher allerhöchster und höchster Besuche“ zu erhalten. Für die gewöhnlichen Bahnfahrer gab es einen Wartesaal dritter Klasse.
Zu den Gleisen führten seiner Zeit drei hohe Flügeltüren, geschützt durch ein weitausladendes Vordach, das auf kunstvoll verzapftem Balkenwerk aufgestützt war. Beachtenswert seien laut Wörndl auch die besonders gestaltete Dachgaube und die mit Sägearbeiten verzierte Holzblende des Dachgeschosses.
Ursprünglich waren neben dem Hauptgleis noch ein „Hausgleis“ sowie ein separates Ladegleis vorhanden. „Die beiden Letztgenannten wurden 1959 abgebaut“, so der Ortsheimatpfleger. Nach dem Verkauf des Gebäudes und Umbau im Jahr 1956 stand es nunmehr längere Zeit leer.
Bahnstation hat heute
keine Funktion mehr
Als Haltepunkt hat der Bahnhof Umrathshausen heute keine Funktion mehr. Haltestellen in der Nachbarschaft sind noch „Umrathshausen Ort“ (errichtet 1930) sowie „Vachendorf“ (errichtet 1978).
Eine besondere Rolle habe das Bahnhofsgebäude während der NS-Zeit gespielt: Im Jahre 1934 diente es als „Arbeitsdank-Lager Umrathshausen“. Arbeitsdank war eine alternative Bezeichnung für den „Reichsarbeitsdienst“. In den letzten Kriegsmonaten 1945 sei offenbar das Oberkommando der Luftwaffe hierher verlegt worden.