Eggstätt – Ab Mitte des 18. Jahrhunderts wurden Moore durch Torfabbau ausgebeutet und für den Gewinn von Siedlungs- und landwirtschaftlichen Nutzflächen kultiviert. Erst im 20. Jahrhundert erkannte man wieder die Bedeutung eines intakten Moores und stellte sie unter Naturschutz. So auch das Moor der Eggstätt-Hemhofer Seenplatte und Seeoner Seen.
Lebensraum für
Tiere und Pflanzen
„Und das aus gutem Grund,“ erklärt Patrick Guderitz, Gebietsbetreuer des Naturschutzgebiets, bei einer Begehung des Hochmoores in Weitmoos östlich von Eggstätt. Denn Moore bieten nicht nur seltenen Pflanzen und Tieren einen geschützten Lebensraum, ein Hektar gesundes Moor speichert circa 15 Tonnen CO2, erklärt er. Aber: Das Moorwachstum vollzieht sich nur sehr langsam. „Das liegt im Hochmoor bei etwa einem Millimeter pro Jahr.“
In dem Hochmoor bei Eggstätt sind derzeit die beiden Brüder Hans und Sepp Mayr, Landschaftspfleger und Landwirtschaftsmeister, aus Pullach bei Seebruck auf einer gut drei Hektar großen Fläche mit der sogenannten Nachentbuschung beschäftigt. So bezeichnet man Folgelandschaftspflegemaßnahmen, die dem Heranwachsen von Gehölzen entgegenwirken und damit den bestehenden Lebensraum für Pflanzen und Tiere erhalten, erklärt der Fachmann.
Zur Renaturierung erklärt Guderitz, dass Teilbereiche dieses Hochmoores im Rahmen von drei Planungsabschnitten in den Jahren 2001, 2006 und 2011 beispielhaft renaturiert wurden, also wiederhergestellt. Durch Dämme an den Entwässerungsgräben staute man das Wasser, hob den Moorwasserspiegel an und ermöglichte so den Torfmooren zu wachsen.
Das Hochmoor ist Teil der Eggstätt-Hemhofer Seenplatte, die mit rund 1000 Hektar das zweitgrößte Naturschutzgebiet des Landkreises und das älteste in ganz Bayern ist. Ein Titel, der auch zum Erhalt und zur Pflegen verpflichtet, meint Guderitz. Schließlich gehörten die Übergangsmoore der Seenplatte zu den ökologisch bedeutendsten Kostbarkeiten des Voralpengebiets, die sich im Laufe von rund 10000 Jahren an der Nahtstelle des Chiemsee- und Inntalgletschers gebildet haben.
Während des Hauptvorstoßes der Gletscher hätten sich dort Eisblöcke abgesetzt, die später durch Schmelzwasserablagerungen überschüttet wurden. Zum Ende der Würmeiszeit bildete sich rund um dieses Gebiet eine Eiszerfallslandschaft mit Moränenhügeln, Toteislöchern und Seen gebildet – bis heute ein einzigartiges Refugium für seltene und vom Aussterben bedrohte Pflanzen und Tiere. Sei es die Libellenart Zierliche Moosjungfer, der Goldene Scheckenfalter, die Sumpfschrecke, das Breitblättrige Knabenkraut, der Langblättrige Sonnentau oder der Lungenenzian, sei es die charakteristische Hochmoor-Flora wie die Rosmarinheide, die Moosbeere und das Wollgras oder die Moorbirkenwäldchen und einzelne Kiefern.
Wie der Fachmann weiter erklärt, sorgen die verschlossenen Entwässerungsgräben dafür, dass das Regenwasser im Moorkörper verbleibt und sich dort staut. Das schafft wiederum Lebensräume für Schlangen wie die Ringelnatter, verschiedene Amphibien und seltene Moorlibellen. Neben Baumfalken könne man auch Schwarzkehlchen und Baumpieper in den offenen Moorbereichen beobachten oder dem Ruf der scheuen Krickente aus dem Moortümpel lauschen.
Faules Holz kommt
ebenfalls weg
Landschaftspfleger und Landwirtschaftsmeister Hans Mayr unterbricht einige Meter weiter die Mäharbeit, um Guderitz einen Faulbaum zu zeigen. Der müsse weg, „der zieht Wasser“, die Latschenkiefer hingegen sei geschützt und bleibe stehen. Die abgeschnittenen Zweige bleiben in Haufen liegen. So bilden sie einen Unterschlupf beziehungsweise einen „guten Sonnenplatz für Kreuzottern.“
Eggstätts Bürgermeister Christian Glas, der ebenfalls bei der Begehung dabei ist, erinnert sich noch an die Zeiten, als er als Kind beim Torfstechen dabei war. „Mein Vater war der Dorfschmied“, berichtet der Rathauschef. Er begrüße die Renaturierung. Gelebter Naturschutz, bei dem die Gemeinde Hand in Hand mit allen Beteiligten zusammen arbeite, verursache zwar Kosten. Gleichwohl sei die Landschaftspflege aber wichtig: „Das ist gut angelegtes Geld“, resümiert der Bürgermeister.