Riedering – Der Diplomat und Publizist Hans Arnold verstarb vor wenigen Tagen im Alter von 97 Jahren in Riedering.
Hans Arnold wurde 1923 in München geboren. Sein Vater war der Simplicissimus-Karikaturist Karl Arnold, seine Mutter Anne-Dora war Kunstmalerin und Porträtistin. Nach dem Studium der Volkskunde und der Psychologie sowie der Promotion folgten Studienaufenthalte in Paris und Washington D.C. Im Jahr 1951 trat er in den Auswärtigen Dienst ein: So war er Büroleiter von Willi Brandt, Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Den Haag und Rom sowie ständiger Vertreter Deutschlands bei der UN in Genf. Nach vielen berufsbedingten Umzügen mit Ehefrau Karin und den drei Töchtern genoss er es, nach seiner Pensionierung im Weiler Heft – fast genau auf der Gemeindegrenze zu Rohrdorf – heimisch zu werden. Fortan spielte sich sein Leben im Chiemgau und in seiner Geburtsstadt ab.
Hans Arnold beschäftigte sich fortan mit Dingen, die ihm wichtig waren. Er war Autor – unter anderem für die taz – beteiligte sich am Zeitzeugenprogramm Münchener Schulen, engagierte sich für die Münchener Stolpersteine, hielt Vorträge – auch in den USA – und beendete im Oktober sein Buch „Aufgewachsen im Nationalsozialismus“. Dass Auszüge daraus in den „Neuhauser Werkstattnachrichten“ der Geschichtswerkstatt Neuhausen erschienen, freute Hans Arnold besonders, wuchs er doch in diesem Münchener Stadtteil auf.
Er ging aber nicht nur seinen intellektuellen Interessen nach, sondern genoss auch die Berge. Ob vor der Haustür oder in der Schweiz. „Im Pensionsalter hat unser Vater das Berggehen wieder neu entdeckt, und er war bis vor drei Jahren noch viel in den Bergen unterwegs“, so Tochter Stephanie Forster.
Hans Arnold war deutlich über fünf Jahrzehnte SPD-Mitglied, trat aber vor wenigen Jahren aus der Partei aus. Die Ortsverbände Stephanskirchen und Riedering lud Arnold bis zum Tod seiner Frau vor drei Jahren über lange Zeit hinweg ein, in Heft gemeinsames Sommerfest zu feiern. Natürlich sei er als Ehrengast dabei gewesen und er habe den Trubel durchaus genossen, erzählt Irmgard Wagner, Mitglied der Riederinger SPD. „Er war ein ganz toller, belesener, netter und humorvoller Mann“, sagt sie.
„Mit Hans Arnold ist ein feiner Mensch, ein Sozialdemokrat und Diplomat durch und durch verstorben. Ich werde ihn und seine Klugheit vermissen, Gespräche mit ihm waren immer bereichernd, nie belehrend“, so die SPD-Europa-Parlamentarierin Maria Noichl.
„Bei aller Ernsthaftigkeit war er sehr humorvoll und gesellig. Das haben einige von uns auf der Terrasse seines Hauses in Riedering-Heft erleben können“, sagt die ehemalige Rosenheimer Bundestagsabgeordnete Angelika Graf, die sich ebenfalls gerne an gute Gespräche mit Hans Arnold erinnert. Sylvia Hampel