Rott – Als einmalig gilt die hohe Gastronomiedichte in Rott. Die meisten Gastwirtschaften liegen zentral im Ortskern. Alle konnten bisher leben, kein Wirtshaus nahm dem anderen etwas weg. Doch wie lange noch?
Seit November sind die Gastwirtschaften geschlossen und leben seitdem vom Straßenverkauf. Auch das Bräustüberl. Es liegt zentral am Marktplatz, hat einen Biergarten mit altem Baumbestand und ist bekannt für seine gutbürgerliche bayerische Küche. Großer Beliebtheit erfreut sich das Schnitzel mit Kartoffel-Gurken-Salat.
Karin Heine (62) ist hier seit 29 Jahren Wirtin. Doch seit dem Lockdown sitzt sie allein im Gastraum. Ab und zu kommen ihre alten Gäste und holen sich ein Gericht ab. Wie es der Wirtin im Lockdown geht und was ihr besonders fehlt, darüber berichtet sie im Interview mit der Wasserburger Zeitung.
Frau Heine, wie geht es Ihnen so im Lockdown?
An Allerheiligen hatten wir noch geöffnet, aber da waren es schon weniger Gäste, denn nur wenige durften ihre Gräber besuchen. Seit November ist nun die Gastwirtschaft zu. Ich kann nur noch Speisen zum Mitnehmen anbieten. Zum Glück habe ich liebe alte und treue Kunden, die mich unterstützen. Nächstes Jahr bin ich seit 30 Jahren Wirtin des Bräustüberls – mit Leib und Seele. Ich habe mit den Gästen gute Beziehungen aufgebaut. Sie kommen immer gerne zu mir.
Wie ist nach der langen Schließung Ihre finanzielle Situation?
Vom Straßenverkauf alleine kann ich kaum leben. Die Fixkosten wie Pacht, Versicherungen, Energiekosten und dergleichen laufen weiter. Hilfreich waren die Staatshilfen vom November und Dezember. Ob für die folgenden Monate Unterstützungen gezahlt werden, ist noch nicht bekannt. Mein Personal war als Aushilfe beschäftigt. Sie helfen mir jetzt beim Telefondienst. Ich zahle ihnen noch einen Bonus, damit ihr Verlust nicht ganz so groß ist. Doch das Servicepersonal verliert das Trinkgeld. Ich kann auch nicht abschätzen, wie lange der Lockdown noch gehen soll.
Wie verbringen Sie jetzt während des Lockdowns Ihre Zeit?
Ich muss ehrlich sagen; Ich habe noch nie so wenig gearbeitet wie jetzt. Ich biete von Samstag bis Dienstag von 11 bis 20 Uhr Speisen zum Mitnehmen an. Ansonsten sitze ich hier in der Gaststube. Ich wohne zwar im ersten Stock, aber die Gaststube ist mein Wohnzimmer. Ich habe viele Bilder aufgehängt, sogar auf der Damentoilette. Bereits während des ersten Lockdowns im April hatte ich Zeit für den Garten und wie es jetzt aussieht, kann ich auch dieses Jahr in aller Ruhe garteln.Interview: Richard Helm