Halfing – Wird in Irlach (Gemeinde Halfing) bald Erdgas gefördert? „Noch ist nichts in Stein gemeißelt,“ resümierte Halfings Bürgermeisterin Regina Braun (CSU) bei der Sondersitzung des Gemeinderates in der Mehrzweckhalle.
Gut drei Stunden lang präsentierte Holger Schmidt, regionaler Repräsentant der Wintershall Dea, Gemeinderat und Bürgern das geplante Projekt und stand zusammen mit den live aus Hamburg und Berlin zugeschalteten Kollegen Derek Mösche, Pressesprecher, und Stefan Sonntag, technischer Projektleiter, Rede und Antwort.
Das Bohrprojekt Irlach befände sich derzeit in der Planungs- und noch nicht in der Umsetzungsphase, erklärte Schmidt. Umweltschutz hätte hohe Priorität, so Schmidt weiter. Wintershall Dea habe ein Biomonitoring zwischen Februar und September 2020 von einer unabhängigen österreichischen Firma durchführen lassen.
Lärmemissionen
kaum vermeidbar
Dabei seien keine geschützten oder gefährdeten Arten der Flora und Fauna gefunden worden. „Wir werden dennoch immer ein Auge darauf haben“, versprach Schmidt. Lärmemissionen seien nicht zu vermeiden. Schallmessungen hätten „normale Werte“ ergeben. Wichtig sei auch der aktive Dialog. „Wir wollen niemanden überfahren.“ Mösche ergänzte, dass Erdgas der klimafreundlichste fossile Energieträger sei. Zudem bedeute eine Förderung Erdgas für die Region.
Bei der anschließenden Fragerunde erkundigte sich Gemeinderat Peter Aicher (HWV) nach dem Trinkwasserschutz, Fraktionskollege Johann Landinger nach möglichen Folgen einer Bohrung. Sowohl der Bohrplatz als auch der innere Bereich würden mit Auffangrinnen, Rückhaltebecken und Aufkantung gesichert.
Zum Trinkwasserschutz holte Sonntag weiter aus: Das Bohrziel liege in einer Tiefe von etwa 1900 Metern, wo sich das Erdgas in mikroskopisch kleinen Poren zwischen den Sandkörnern befände. Das Bohrloch würde aus ineinander zementierten Stahlrohren bestehen, die sich in der oberen Sektion überlappen und die grundwasserführende Zone durch mehrere Ebenen aus Stahl und Spezialzement schützen. Die Trinkwasserversorgung werde somit nicht beeinträchtigt. Nach erfolgreicher Bohrung werde alles wieder rückgebaut, da bleibe kein leeres Rohr zurück.
Eine weitere Frage aus den Reihen des Gemeinderates war, wie viel CO2 freigesetzt werde.
Wenn diese Frage sich auf Erdgas beziehe, dann könne man sich das ausrechnen, so Schmidt. Reserven seien in Höhe von 1,34 Milliarden Kubikmetern angenommen. Wenn man jährlich 120 Millionen Kubikmeter fördere, entspräche dies dem jährlichen Gasverbrauch von 80000 Einfamilienhäusern beziehungsweise dem Stromverbrauch von 200000 Einfamilienhäusern. Pressesprecher Mösche fügte noch an, dass man möglichst klimaneutral produzieren wolle. Karoline und Alois Aicher klagten, dass das Ganze eine „Alibi-Veranstaltung“ und alles längst gelaufen sei. Dort herrsche wunderbare Natur. Man sichte Fuchs und Schwarzstorch, da wolle man keinen Bohrturm. Schmidt verwies erneut auf das Biomonitoring über den Zeitraum einer kompletten Vegetationsperiode: „Es wurden keine explizit geschützten Flächen nachgewiesen.“ Zweiter Bürgermeister Konrad Aicher (HWV) hakte bei möglichen Kompensationen nach. Das Ganze sei noch nicht abgeschlossen, so Schmidt: „Wir sind lediglich Antragsteller.“ Man habe keinen Einfluss auf das Betriebsplansystem, das laufe über das Bergamt. Monika Schwaiger fragte nach potenziellen Bohrstellen. Von ursprünglich sechs seien vier verblieben, eine davon (bei Egg) sei favorisiert, so Schmidt. Alois Aicher verkündete, dass sämtliche Anlieger gegen diese Bohrstelle seien: „Wir haben andere Optionen.“
Schmidt erwiderte, dass man gesprächsbereit sei, wenn es andere Lokationen gäbe. Auf Nachfragen von Gemeinderat Tobias Hofer (FW) und Peter Aicher (FW) erklärte Schmidt, dass sich DEA einen Konsens wünsche, die Bohrung sei „ein sinnvoller Beitrag zur Energieversorgung.“
Bei den Standortmöglichkeiten strebe man nach „einer optimalen Lösung für alle.“
Bürgermeisterin hofft weiter auf Dialog
Bürgermeisterin Braun beendete im Hinblick auf die fortgeschrittene Uhrzeit die Versammlung. „Ich verstehe den Unmut. Braucht Halfing das?“ Sie bat darum, keine Hetzjagd auf Verpächter zu starten. Sie selbst habe die Veranstaltung als sehr informativ empfunden, und wünsche sich weiterhin einen Dialog.