Zementwerk bezieht Öffentlichkeit ein

von Redaktion

Streit um Steinbruch am Heuberg in Nußdorf – Betreiber bezieht Stellung

Nußdorf – Aktuell läuft ein neues Genehmigungsverfahren für den Kalkabbau am Heuberg in Nußdorf. Es hat sich bereits ein Aktionsbündnis gebildet, um den Abbau zu stoppen (wir berichteten). Im Gespräch mit der Redaktion erklärt der Betreiber des Steinbruchs sein Vorhaben und geht auf Kritik aus der Bürgerschaft ein.

„Gegenstand der ganzen Diskussion ist die Genehmigung von 1980. Die hat einen gewissen Umfang und in diesem Umfang haben wir uns bewegt“, sagt Anton Bartinger, Technischer Leiter des Südbayerischen Portland-Zementwerks Gebr. Wiesböck & Co. GmbH, die den Steinbruch am Heuberg in Nußdorf betreiben. In diesem Umfang habe sich auch die Abholzung bewegt.

Genehmigung von
1980 sei „rechtens“

Über fünf Instanzen bis zum Bayerischen Verwaltungsgericht hat das Zementwerk jedes Mal Recht bekommen, dass die Genehmigung von 1980 rechtens ist, so Bartinger. Es geht darum, dass die Betreiber ihren Steinbruch vor allem oberhalb der umstrittenen Höhenlinie von 758 Meter über dem Meeresspiegel erweitern wollen.

Und das will das Aktionsbündnis „Rettet den Heuberg“ verhindern. Außerdem versuchen die Naturschützer, eine baldige Renaturierung des Steinbruches zu erreichen. Aktuell läuft am Landratsamt das neue Verfahren, das den Abbau für weitere 50 Jahre sichern soll. „Wir haben uns freiwillig für das öffentliche Verfahren entschieden, weil wir genau wissen, dass da großes Interesse herrscht“, erklärt Bartinger.

„Die Grenze sind zehn Hektar für ein Genehmigungsverfahren bei einem Steinbruch und da sind wir leicht drunter. Damit es aber nachher nicht heißt, wir haben wieder gemauschelt, haben wir von Anfang an gesagt, wir fahren freiwillig ein Verfahren mit Öffentlichkeitsbeteiligung.“ Ein öffentlicher Erörterungstermin konnte aber wegen der Corona-Pandemie nicht stattfinden, das habe das Landratsamt Rosenheim so beschlossen.

„Das Entscheidende dabei ist, dass der Öffentlichkeitscharakter trotzdem gewahrt ist. Es kann jeder, der interessiert ist, die ganzen Unterlagen einsehen, kann Einwendungen machen und wenn dann ein Bescheid erstellt wird dagegen einsprechen“, erklärt der Technische Leiter. Nachdem bereits im vergangenen Jahr 722 Einwendungen im Verfahren eingegangen waren, stieg die Zahl nach der zweiten Auslegung laut Landratsamt auf 1241 an.

„Aktuell fehlen noch die Stellungnahme des Betreibers zu den Einwendungen sowie ein TÜV-Gutachten. Erst wenn beides vorliegt, kann eine Entscheidung gefällt und veröffentlicht werden“, so Pressesprecher Michael Fischer. Dass der Abbau 50 Jahre dauern werde, stimmt, sagt Bartinger, „allerdings fangen wir den Abbau von oben nach unten an. Also werde ich auch oben früher fertig. Und die Planungen zeigen bei derzeitigen Verbräuchen, dass wir nach 18 Jahren spätestens die Rekultivierung oben in dem Bereich über 758 Meter abgeschlossen haben werden.“

Er betont in dem Zusammenhang aber, dass nach 18 Jahren natürlich noch keine 30 Meter hohen Bäume stehen. Diese werden nach den besagten 18 Jahren neu gepflanzt und müssen dann erst wachsen. „Wie die Rekultivierung dann letztendlich aussieht, findet in Abstimmung mit den Behörden statt.“

CO2-Verminderung
beim Kalkbrennen

Der ursprüngliche Familienbetrieb Rohrdorfer Zement ist mittlerweile eine Unternehmensgruppe mit 2000 Mitarbeitern und 140 Standorten, vor allem in Deutschland und Österreich, geworden. Zu 24 Prozent gehört sie dem Branchenriesen Heidelberger Zement. Rohrdorfer Zement verfügt im Inntal bis hinein nach Tirol über eine ganze Reihe von Steinbrüchen.

Der Kalkstein aus Nußdorf eignet sich laut Bartinger besonders für die Zementherstellung, weil durch seinen geringen Magnesiumgehalt beim Brennen weniger CO2 frei werde. Bei einem geplanten Abbau von 200000 Tonnen pro Jahr würden so jährlich rund 10000 Tonnen CO2 eingespart. Spätestens 2030 wolle man rein rechnerisch CO2-frei produzieren. In Nußdorf wurden seit 1961 acht Millionen Tonnen Kalkstein abgebaut, bis 2070 sollen es weitere 9,6 Millionen Tonnen werden.

Der aktuelle Antrag umfasse nicht mehr als das, was bereits genehmigt sei, schildert der Unternehmer seine Sicht.

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