Wenn das Eis unter den Kufen knirscht

von Redaktion

Kein Aufsichtspersonal an den Gewässern – Kommunen und See-Eigentümer übernehmen keine Haftung für Unfälle

Söchtenau – Es ist zu verlockend, das spiegelblanke Eis auf den Seen und Weihern der Region. Es ist ja auch lange her, dass es so kalt war und so perfekte Eisbedingungen – zumindest auf den kleineren Seen – herrschten. Die meisten Vergnügungen sind derzeit nicht möglich, also zieht es die Menschen an und auf die zugefrorenen Seen – zum Teil zu Hunderten, wie Augenzeugen berichten. Auf dem Schlosssee in der Hemhofer Seenplatte und auf dem Rinssee sollen es am Sonntag um die 500 gewesen sein – Blechlawinen und Parkchaos inklusive.

Das Eis ist aber auf den meisten Seen nicht dick genug – und für mehrere Hundert Menschen schon gleich gar nicht. Am Sonntag brach ein Mann am Rinssee ein – allerdings nur bis zu den Knien, weil er nah genug am Ufer war und der See generell sehr flach ist. Dennoch war der Mann, als er am Ufer war, völlig durchnässt. Was ihn, schließt man aus seinen Fotos in sozialen Netzwerken, aber nicht davon abhielt, am Montag wieder auf den Rinssee zu gehen.

Das tat er auf eigene Gefahr. „Daran ändern auch entsprechende Hinweisschilder nichts“, sagt Ina Krug, Sprecherin des Landratsamtes. Das Aufstellen von Hinweisschildern „Betreten auf eigene Gefahr“ könne nur der Sensibilisierung dienen, die Verantwortung gehe damit nicht auf den Eigentümer des Sees über. Beim Rinssee wäre das der Landkreis Rosenheim.

Wer sich auf einen zugefrorenen See begibt, handelt grundsätzlich auf eigene Gefahr. Anders wäre es, so Krug, wenn ein See ausdrücklich zum Eislaufen oder Betreten freigegeben werde. Das allerdings machen Landkreis und Gemeinden im Regelfall aus Haftungsgründen nicht.

Eine Ausnahme gab es: „Am Chiemsee gab es eine Eiskommission, die hier bis vor einigen Jahren bestimmte Bereiche des Sees zum Betreten und Eislaufen freigegeben hat“, sagt Ina Krug. Dies wurde dann öffentlich bekannt gegeben. „Damit geht die Haftung auf den oder die See-Eigentümer über.“ Die Eisstärke musste regelmäßig überprüft und entsprechendes Aufsichtspersonal bereitgestellt werden. Die Eiskommission besteht allerdings nicht mehr.

Aufsichtspersonal gibt es an den Seen der Region nicht. An manchen Gewässern sind Eisrettungsschlitten zu finden. „Ohne Rettungsausbildung sollte man nur vom Ufer aus helfen und andere auf die Notsituation aufmerksam machen. Denn wer nicht als Retter ausgebildet ist, sollte nicht einfach ins Wasser gehen“, warnt Thomas Huber, Vorsitzender der Wasserwacht Bayern. Jetzt, wo steigende Temperaturen angesagt sind und die Eisflächen brüchig werden, sollte sich niemand mehr aufs Eis wagen. Allein schon gar nicht. Und im Notfall erst die Notrufnummer 112 wählen, bevor man versucht, einem Eingebrochenen zu helfen.

Sylvia Hampel

Artikel 8 von 11