Aschau – Der Maibaum am Hans-Clarin-Platz vor dem Bahnhof wird noch ein weiteres Jahr fehlen. Die Verantwortlichen aus der Gemeindeverwaltung und den beiden Trachtenvereinen „D’Edelweißer Niederaschau“ und „D’Griabinga Hohenaschau“ entschieden, die Traditionsveranstaltung am 1. Mai abzusagen.
Alle vier bis fünf Jahre stellen die Aschauer ihren Maibaum auf, jetzt ist alles anders. „Uns fällt diese Entscheidung sehr schwer“, so Heinz Scheck, der Fachbereichsleiter Tiefbau im Rathaus und Vorsitzende des Trachtenvereins „D’Edelweißer Niederaschau“. „Für uns Aschauer und unsere Gäste ist das Maibaumaufstellen seit Jahrzehnten ein beliebter Brauch, auf den wir uns immer freuen“, fährt er fort.
Geschlagen wird der Baum mit einer Länge von über 30 Metern in der Thomasnacht, wenn der Saft aus den Bäumen ist. Bald nach dem Fällen stiehlt jemand aus der Nachbarschaft den Baum und versteckt und bewacht seinen Raub ein Vierteljahr lang. Ein paar Wochen vor dem Aufstellen schmücken die Räuber und die Beraubten den Baum.
Am 1. Mai wird es ernst für beide Parteien: Die Festlichkeiten beginnen an der Aschauer Ortsgrenze mit Verhandlungen – die „Maibaumdiebe“ feilschen um die Auslöse ihrer Beute. Der Bürgermeister und die Vorsitzenden der beiden Trachtenvereine führen dabei das Wort auf Aschauer Seite, für die Diebe verhandelt deren Vorsitzender. Bei einem zu geringen Lösegeld kann es zu Drohungen und dem Abschneiden eines Stücks vom Gipfel mit der Kettensäge kommen. In der Regel einigt man sich auf eine Entschädigung in Form von Bier, Brotzeit, Kaffee und Kuchen. Anschließend erfolgt der Einzug. Dabei wird der geschmückte Maibaum mit einem Rossgespann an die Halterung herangefahren.
Aufgestellt wird der über 30 Meter hohe Baum unter dem Kommando eines Zimmermannes. Die Vereinsmitglieder bringen ihn mit Stangen, sogenannten „Schweiberln“, in die Senkrechte. Wenn der Baum dann steht, werden die Zunft- und Handwerkszeichen angebracht.
Sobald das Gemeinschaftswerk vollendet ist, wird zusammen mit den Zuschauern bei Musik und Tanz, Speis und Trank gefeiert. „Das alles wäre in diesem Jahr nicht möglich“, erklärt Scheck. „Wir können in diesem Jahr bei der Arbeit an den ‚Schweiberln‘ nicht die geforderten Corona-Abstände einhalten, der ganze Aufstellungsablauf verstieße in hohem Masse gegen alle geltenden Vorschriften. Vor allem aber können wir uns danach nicht zusammensetzen und beim Tanz in den Mai miteinander das Ende des Winters und den Beginn der schöneren Jahreszeit feiern. Es war daher nur logisch, das Maibaumaufstellen abzusagen, auch wenn es furchtbar wehtut“, bedauert der Vorsitzender des Trachtenvereins. Den nächsten Maibaum wird es in Aschau somit erst 2022 geben. reh