Stephanskirchen – Bauernhöfe stellen den Betrieb ein. Vor allem, wenn sie große Flächen zentral in einer teuren Wohngegend verkaufen können. Anders geht es aber auch. Zum Beispiel bei Familie Mittner. Deren Hof liegt mitten in Stephanskirchen, an der Salzburger Straße. Dahinter Nadelbäume und ein Stall für zwölf Kühe. Kaninchen, ein paar Schafe. Ein eher kleiner Betrieb. Der größer wird. Einen Steinwurf weiter, südlich der Salzburger Straße. Da entstehen ein Stall für 40 Färsen und eine Halle. Der Bauausschuss hat schon zugestimmt. Einmütig.
Aus dem Unterstand
wurde ein Stall
Eigentlich hatte Ludwig Mittner nur einen Unterstand für seine Kalbinnen bauen wollen. Die Weide am Wohnhaus ist zu klein, reicht gerade für ein Dutzend Tiere. Und die Nachfrage nach dem Fleisch der Jungkühe ist groß. „Ich habe auch schon Anfragen von Metzgern gehabt“, berichtet Ludwig Mittner, „aber…“ Kurze Pause, Lachfältchen machen sich breit: „Naaaa.“
Amt für Landwirtschaft und Landratsamt schubsten Mittner Richtung Stallbau, aber er mochte sich nicht so recht. Dann aber kam Ludwig junior, 16 Jahre und auf dem Weg zur mittleren Reife, ins Spiel. Der erklärte, den Hof übernehmen zu wollen. Damit stand der Entschluss, an der Geheringer Straße einen Stall für 40 Färsen und einige Schafe zu bauen, dazu Maschinen- und Bergehalle und was sonst dazu gehört. Ein mittlerer sechsstelliger Betrag ist schnell zusammen. „Das große Geld verdienen wir damit nicht, aber wir haben die Klientel und die Qualität, dass es sich rechnet“, so Mittner.
Die Kalbinnen können in der wärmeren Jahreszeit zwischen Stall und Weide wechseln, wie es ihnen gefällt. Und sonst in einen Freilauf. „Man wundert sich, bei welchem Wetter sie draußen stehen“, sagt Hildegard Mittner.
Der Stall wird zuerst gebaut. Denn Mittner führt zwar einen konventionellen Hof, aber das Wohl der Tiere steht bei ihm im Vordergrund. Deswegen hat er auch die Ausbildung gemacht, seine Färsen selber töten zu dürfen, den „Weideschuss“ abzugeben. „Es war uns immer ein Grausen, wenn wir die Tiere verladen mussten“, sagt Mittner. Das müssen sie nun nicht mehr.
Um die Verarbeitung kümmert sich ein Hofmetzger. Irgendwann übernimmt Ludwig junior, denn er macht zunächst eine Ausbildung zum Metzger. Was seine Spezl davon halten? Der 16-Jährige grinst: „Die einen finden‘s richtig gut und die anderen verstehen’s nicht.“
Mit den Kalbinnen ziehen auch einige Schafe mit in den neuen Stall. Die sind bei Mittners als Unkrautvernichter unterwegs, halten die Christbaumanpflanzung frei. Und haben nach dem Umzug der Färsen mehr Fläche zum Abknabbern, denn die Weide nördlich der Salzburger Straße will Mittner zur Christbaumschule machen.
Und südlich der Straße, in der Maschinenhalle an der Geheringer Straße bringt Mittner alles zusammen, was jetzt zum Teil offen auf seinem Gelände steht. Und das Heulager findet dort auch Platz. „Dann müssen wir damit nicht immer die Salzburger Straße queren.“
Natürlich muss Mittner für die beiden Gebäude Ausgleichsflächen schaffen. Mittner will alte Obstsorten rund um Stall und Halle pflanzen, eine Streuobstwiese anlegen. „Es dürfen im Laufe der Zeit auch immer mehr Bäume werden“, sagt Mittner und grinst. „Ich bin ein großer Fan von alten Obstsorten.“
Halle und Stall stehen so weit von der Wohnbebauung weg, wie das in zentraler Lage in Stephanskirchen nur geht. Und der Stall ist zur Miesbacher Straße orientiert, dort wohnt keiner.
Discounter wollten
auf die Weide
Und es hätte ja noch ganz anders kommen können: Die große Fläche mitten in Stephanskirchen lockte immer wieder Interessenten an. „Es hat mehr als ein Discounter oder Supermarkt angefragt“, sagt Mittner. Bei den hohen Grundstückspreisen in der Gemeinde und bei den vielen Quadratmetern käme da eine ordentliche Summe zusammen. Mittner ließ sich nicht in Versuchung führen. Und als Ludwig junior sagte, „Papa, ich übernehme“, da hatten Discounter keine Chance mehr.
Und was sich der Sohn dann für Nischen sucht, ob er auf bio umstellt und ob er einen Hofladen unterhalb des Wohnhauses direkt an die Salzburger Straße baut, da mischt sich der Vater nicht ein. Ideen hätte er . Aber: „Das ist seine Sache.“