„Es war doch immer irgendwas los“

von Redaktion

Trachtenverein „D’Griabinga“ Hohenaschau blickt auf schwieriges Vereinsjahr zurück

Aschau – „Wir Trachtler machen, was den Menschen Freude bringt: singen, tanzen, platteln, Musik und Theater spielen, ein schönes Gewand anziehen, unter netten Menschen sein, alles ein Grund dafür, dass die Menschen gerne zu uns kommen und mitmachen wollen, auch wenn sie nicht hier geboren sind.“ Claus Reiter, der Vorsitzende des Gebirgstrachtenerhaltungsvereins „D’Griabinga“ Hohenaschau bringt alles, was einen Trachtenverein ausmacht, in einem Satz unter. 1884 wurde der Hohenaschauer Trachtenverein gegründet, er ist der drittälteste Verein in Bayern.

137-jährige
Geschichte

„Unser Verein ‚D’Griabinga‘ Hohenaschau hat in seiner mehr als 137-jährigen Geschichte sicherlich schon viele Herausforderungen durchlebt und immer waren es engagierte Vereinsmitglieder und Entscheidungsträger, die das Vereinsleben auch nach schweren Zeiten wieder zum Leben erweckten.“ Zusammen mit den Vorsitzenden der umliegenden Vereinen war Claus Reiter aber dann doch überrascht, wie schnell und schlagartig sich in Corona-Zeiten das Geschehen in der Welt, im Dorf und im Verein änderte. „Alles was uns selbstverständlich und vertraut war, war von heute auf morgen plötzlich ganz anders.“

Vereinstermine mussten kurzfristig abgesagt werden, lediglich mit Rundschreiben und E-Mails wurde der Kontakt zu den Vereinsmitgliedern gehalten. Alle Gruppierungen der Vereine, Kinder und Jugendliche sowie die Theatergruppen konnten bereits zu Ostern den Probenbetrieb nicht wie geplant aufnehmen, im gesamten Jahresverlauf war kein einziger Auftritt möglich. Besonders traf hart das die Kindergruppen: Ein ganzer Jahrgang konnte nicht mit den Grundlagen des Plattelns und des Tanzens anfangen. „Wir hoffen, dass diese Kinder noch den Weg zu uns finden. Unsere Aktiven durften sich nicht einmal treffen, sei es zu Plattlerproben, zu Festbesuchen oder zu geselligen Veranstaltungen. Notdürftig übten die Buam im Sommer das Platteln noch alleine daheim auf der Terrasse oder im Hausgang, um nicht ganz aus der Übung zu kommen, bei den Dirndln waren weder Drahn noch Einfangen richtig möglich.“ Einen besonderen Stellenwert nimmt bei allen Vereinen der Vereinsjahrtag zum Gedenken an die verstorbenen Vereinsmitglieder ein. Die „Griabinga“ gehen seit Jahren „aufs Schloss“ in die Schlosskapelle. In diesem Corona-Jahr ging der Vorsitzende Claus Reiter alleine zur Kapelle und läutete als Gruß an alle die Glocken. Die Mitglieder entzündeten zu Hause eine Kerze. Die Frasdorfer führten in der veranstaltungsfreien Zeit mit Unterstützung durch die Gemeinde die Generalsanierung der Lamstoahalle weiter. Nach 36 Jahren ist die Halle trotz ständiger Anpassung an die Moderne in die Jahre gekommen. Die anfallenden Arbeiten sollen dabei, soweit möglich, von den Vereinsmitgliedern geleistet werden. „Obwohl nix los war, war dauernd irgendetwas los“, fasste Claus Reiter das vergangene Jahr zusammen. „13 Vereinsmitglieder sind verstorben, da wir keine neuen Mitglieder aufnehmen konnten, haben wir nur noch 505 Mitglieder, die Zahl nähert sich bedenklich der ominösen 500er-Marke.“ Der Vorsitzende hatte lediglich 35 Termine im Kalender, gegenüber etwa 100 in „normalen Jahren.“

Start aus dem Stand möglich

Wie soll das Trachtenjahr 2021 nun weitergehen? „Nach den aktuell gültigen Regeln fallen auch in diesem Jahr alle Termine aus. Wir könnten die traditionellen Veranstaltungen der Vereine jedoch ziemlich „aus dem Stand heraus“ durchführen, seien es Preisplatteln, Vereinsfeste oder Sängertreffen.“ Das Gaufest 2021 des Chiemgau-Alpenverbands ist in Reit im Winkl geplant, das Gaufest des Gauverbands I soll beim Trachtenverein Bergen stattfinden. „Hoffen wir, dass sich die derzeitige Situation entspannt und die Durchführung möglich ist.“ Eine Aussicht hat Reiter noch parat: „Der Trachtenverein „D’Griabinga“ Hohenaschau will sich anlässlich des 140-jährigen Gründungsjubiläums um die Ausrichtung des Gaufestes 2024 in Hohenaschau bewerben.

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