Halfing – 30 Jahre ohne Streit, ohne Neid, ohne Eifersüchteleien. Das schaffen viele Paare nicht, die Pfarreien des Pfarrverbandes Halfing schon. Am 1. März 1991 wurde der Pfarrverband gegründet. Pfarrer Manfred Werner übernahm die Leitung. Heute umfasst der Pfarrverband 3657 Katholiken, die Hälfte aus Halfing, je ein Viertel aus Höslwang und Söchtenau.
Keine Erinnerungen
an Widerstand
Widerstände? Probleme? Nein, davon weiß Georg Distler, damals Pfarrgemeinderatsvorsitzender in Halfing, nichts zu berichten. Es sei alles reibungslos gegangen. Und das tut es, so der aktuelle Pfarrer Pater Paul, bis heute, „ich habe das Gefühl, die Menschen fühlen sich gut aufgehoben.“ Was Sepp Aschbacher, Pfarrgemeinderatsvorsitzender in Söchtenau, bestätigt.
Woran liegt es? Weil dem Pfarrverband der Spagat gelingt, das Gewachsene weiter zu pflegen und verbindendes Neues einzuführen, meint Pater Paul und Georg Liegl, Mitglied im Pfarrverbandsrat, bestätigt das. So feiert Höslwang einen Vereinsjahrtag, Halfing und Söchtenau nicht. In Halfing und Söchtenau tragen die Kinder bei der Kommunion Alben, in Höslwang nicht. In Söchtenau beginnt der Palmsonntag traditionell am Stettner Kreuz, es folgt eine Prozession zur Kirche – vergleichbares gibt es in Halfing und Höslwang nicht. Dafür unternehmen die Halfinger seit Jahrzehnten eine Fußwallfahrt nach St. Salvator in Prien.
Eingeführt wurden im Laufe der letzten drei Jahrzehnte eine gemeinsame Fußwallfahrt nach Altötting, eine Bergmesse und alle zwei Jahre ein dreitägiger Pfarrverbandsausflug. „Der hat eine besonders gute verbindende Wirkung“, so Liebl. Der Pfarrverbandsrat arbeitet reibungslos zusammen, tagt reihum in einer der drei Mitgliedsgemeinden und wird sich meistens einig – wie bei den Alben für die Wortgottesdienstleiter. Die werden in allen drei Kirchen getragen. Und die Pfarrgemeinderäte, die besuchen nicht nur die Feste in den anderen Teilen des Pfarrverbandes, die helfen auch aus, wenn Not am Manne ist, so Aschbacher.
Pfarrer und Ehrenamtliche sind sich einig über ein weiteres sehr verbindendes Element: Pfarrsekretärin Irmgard Binder. „Die weiß nicht nur alles und hat alles – inklusive Gemeinwohl – im Blick, bei ihr laufen auch alle Fäden zusammen. Dazu ist sie kompetent, nett und ansprechbar“, schwärmen Pfarrer, Pfarrverbandsrat und Pfarrgemeinderatsvorsitzender. Und als Buchhalterin hat sie auch die Finanzen im Griff. Seit einem Jahr im Haushaltsverbund, den der Pfarrverband deswegen schneller umgesetzt hatte, als das Ordinariat fassen konnte. Seitdem werden zum Beispiel Hostien, Messwein, Kerzen oder Gesangbücher gemeinsam bestellt, für die Gebäude und Friedhöfe sind die einzelnen Pfarreien zuständig.
Franziskaner-Orden besetzt Pfarrstelle
Anfang der 2000er-Jahre übernahmen die Franziskaner-Minoriten die Leitung des Pfarrverbandes. Die Padres leben zwar in Höslwang, Sitz des Pfarrverbandes ist und bleibt aber Halfing. „Hier ist der Sitz des Konzerns, hier werden die Arbeitsverträge geschlossen“, erklärt Pater Paul schmunzelnd. Weiterer Vorteil: Der Orden regelt die Besetzung der Pfarrstelle autark.
Nach den Plänen des Ordinariats wird sich an dem erfolgreichen Dreierbündnis bis 2030 nichts ändern. Danach ist in einer Nachbarpfarrei nur noch eine halbe Pfarrstelle vorgesehen. Und dann könnte der Pfarrverband wachsen. Und das dann möglichst so reibungslos, wie vor 30 Jahren.