Frasdorf – Vor dem Start des Bürgerbegehrens zur weiteren Entwicklung des Sondergebietes an der Aschauer Straße steht nur noch die finale Entscheidung des Gemeinderates am 16. März. Dirk Köberle, Sprecher und Initiator der Bürgerinitiative (BI) „Frasdorfer Anger“ übergab 478 Unterschriften an Bürgermeister Daniel Mair. Damit ist die geforderte Mindestanzahl von 243 mehr als reichlich erfüllt. Für Baubewerber Manfred Miedl und Hans Huber eine weniger erfreuliche Situation.
Gute Resonanz
für BI trotz Corona
„Durch die Corona-Pandemie war es oft nicht einfach, alles zu organisieren. Unsere ‚Treffen‘ fanden über Zoom-Meetings, Whatsapp oder am Telefon statt“, berichtet Köberle. Gegründet hatte sich die Bürgerinitiative am 13. Januar. Doch schon im vergangenen Jahr hatte Köberle mit einer Online-Petition Unterschriften gesammelt. Inzwischen hätte die Bürgerinitiative doppelt so viele Frasdorfer ins Boot holen können als damals. „Die Resonanz ist relativ gut“, so Köberle.
Das freut allerdings nicht jeden. Vor allem Bäcker- und Konditormeister Manfred Miedls Pläne werden durch die Entscheidung der Bürger dureinandergewirbelt. „Grundsätzlich finde ich es gut, dass Bürger politisch diese Möglichkeit haben, selbst zu entscheiden“, sagt er. Weniger gut findet er das Vorgehen der Gegner seines Bauvorhabens: „In den vergangenen sechs Jahren ist niemand von ihnen auf mich zugekommen, um über ihre Zweifel zu sprechen.“
Zudem ärgert er sich, weil das Projekt umweltschonend geplant wurde und kein großes Gewerbegebiet weit außerhalb des Ortskerns entstehen soll. „Zustände wie am Irschenberg“ erlaube die Bauleitplanung gar nicht, meint er.
Ein Investment sei das Projekt für ihn nicht. Im Gegenteil betreibe die Familie den Handwerksbetrieb, der auf Nachhaltigkeit und Regionalität setzt, in fünfter Generation. „Dass ein Bäcker und eine Käserei verhindert werden, das hätte es vor 20 Jahren nicht gegeben“, so Miedl. Sie seien ja kein McDonald’s.
Auch Hans Huber, der seit über 30 Jahren als Direktvermarkter arbeitet, muss um das Vorhaben seiner Markthalle mit Käserei bangen. „Durch den Autobahnbau werde ich abgeschnitten. Mit dem Bau kann ich meine Existenz sichern und Ziegenbauern im Chiemgau eine Chance geben“, sagt er.
Sein jetziger Laden sei zu klein, zudem gehöre ihm das Gebäude nicht. Die Vorwürfe der Bürgerinitiative, der Bau zerstöre die Landschaft, weist er entschieden zurück. Auch auf ihn sei keiner der Gegner zugekommen, um mit ihm zu reden. „Manchmal fühle ich mich, wie der Blitzableiter für den Ärgern mancher über den Autobahnumbau“, so Huber.
„Ich möchte, dass alle Frasdorfer über dieses richtungweisende Vorhaben mitentscheiden und nicht nur ein paar Auserwählte“, so der Bürgermeister. So könne hinterher keiner sagen, dass das Projekt die Idee des Gemeinderates gewesen oder dieser für ein Scheitern verantwortlich gewesen sei. Der Rathauschef erklärte bei dem Termin, dass die Listen an das Einwohnermeldeamt übergeben und dort auf ihre Richtigkeit geprüft würden. Im nächsten Schritt müsse der Gemeinderat über die Zulässigkeit des Begehrens beraten. Innerhalb von drei Monaten müsse dann die Abstimmung erfolgen.
Anschließend sind die Verwaltungsmitarbeiter gefordert: Bereits bei der Sitzung am 23. Februar hatte der Gemeinderat beschlossen, den Bürgerentscheid per Briefwahl vorzunehmen. Lediglich im Rathaus soll ein Wahllokal für alle eingerichtet werden, die ihre Stimme nicht per Briefwahl abgeben wollen oder können.
Weitere Unterstützer
gesucht
Bis dahin will die Initiative weiter Unterschriften sammeln. „Auch wenn diese nicht mehr zählen, sie sprechen doch für sich“, sagt Köberle. Zudem könne die Bürgerinitiative auch weiterhin nur über Medien sowie mit Flyern informieren. „Mehr Möglichkeiten haben wir nicht“, erläutert er.
Köberle betonte zudem nochmals, dass die Bürgerinitiative nicht bewusst Gerüchte über einen Lkw-Parkplatz mit 60 bis 80 Stellplätzen sowie einem Busparkplatz am Sportplatz verbreitet habe. „Beide sind im Emissionsschutzgutachten der Gemeinde aufgeführt und wurden deshalb in den Flyer aufgenommen“, erklärt er.