„Eiserner Corona-Vorhang“

von Redaktion

Oberaudorfer startet Online-Petition gegen Grenzschließung zwischen Tirol und Bayern

Oberaudorf Berufspendler müssen sich alle zwei Tage auf das Coronavirus testen lassen, Kinder kamen anfangs nicht auf die andere Seite der Grenze, um in die Schule zu gehen, Familien und Liebespaare sind voneinander getrennt. Für Betroffene im Grenzgebiet zwischen dem Inntal und Tirol wird die Schließung der Grenze zunehmend zur Belastungsprobe. Dr. Ludwig Englmeier aus Oberaudorf hat deswegen eine Online-Petition gestartet. Diese will er an die Bayerische Staatsregierung schicken.

„Ich wollte den Leuten ein Ventil für ihren Unmut geben“, berichtet der 53-jährige gebürtige Bad Aiblinger, der seit 2007 in Oberaudorf wohnt. Auslöser für den Start der Petition mit dem Titel „Kein Eiserner Corona-Vorhang zwischen Bayern und Tirol“ seien die frustrierten Beiträge in der Oberaudorfer Facebook-Gruppe, in der Betroffene ihre haarsträubenden Geschichten erzählten.

Erfahrungen der Menschen bewegen

So habe ein junger Mann berichtet, dass er an der Grenze abgewiesen worden sei, als er zu seinen Eltern wollte. „Die Grenzbeamtin muss wohl zu ihm gesagt haben: ‚Da müssen ihre Eltern schon gestorben sein‘“, erinnert sich Englmeier. So etwas sorge seiner Ansicht nach für böses Blut.

Auch seine Frau hätte die Situation an der Grenze hautnah miterlebt, sagt er. Sie arbeite in Tirol. Im Februar sei die Situation immer absurder geworden. „Die Bayern wollten jeden Tag einen Test, die Österreicher jeden zweiten.

Irgendwann haben sie diese nicht anerkannt und umgekehrt.“ Man hätte deutlich gemerkt, dass es keine Abstimmung zwischen Bayern und den Österreichern gegeben hätte, findet der Oberaudorfer. Gestartet hat Englmeier die Petition am 15. Februar. Inzwischen haben 1385 Menschen online unterschrieben – größtenteils von Inntalern zwischen Flintsbach und Wörgl. In den Kommentaren äußern die Unterzeichnenden ihre Zustimmung.

„Wir sind Grenzgänger! Arbeit, Schule (Gymnasium Kufstein) und Familie! Es schränkt uns drastisch ein. Kind kann nicht mal zur Schule, berufliche Termine können nicht wahrgenommen werden, unsere Familie kann sich nicht besuchen. Wir pendeln ständig zwischen Oberaudorf und Region Kufstein!

Wie soll das weitergehen!???“, schreibt eine Oberaudorferin.

Einer Reichertshausenerin (Landkreis Pfaffenhofen) geht es ähnlich. Vor allem die Belastung für die Familie sei groß: „Weil ich selbst betroffen bin. Meine Eltern und Schwiegereltern wohnen beide in Österreich und wir haben meine Mama seit September und meine Schwiegereltern seit November nicht mehr gesehen. Meine Kinder vermissen ihre Großeltern und die Großeltern ihre Enkel!“, schreibt sie.

Aber auch zahlreiche Paare vermissen ihre Partner. „Weil ich meine Lebenspartnerin nicht mehr sehen kann und mir das auf das Gemüt schlägt“, schreibt eine Wörglerin. Auch ein Kommunalpolitiker befindet sich unter den Unterschreibenden: „Als Erster Bürgermeister der Gemeinde Reit im Winkl bekomme ich die derzeitige Situation aus nächster Nähe mit und ich danke Dr. Englmaier für diese Initiative“, schreibt Matthias Schlechter, Bürgermeister in Reit im Winkl.

Ludwig Englmeier hofft, dass er mit seiner Petition auch die Menschen über die Grenzen des Inntals hinaus erreichen kann. „Die meisten, die bislang unterschrieben haben, sind Menschen aus den Grenzgemeinden wie Oberaudorf, Kiefersfelden. In Brannenburg hört es schon auf.“ Dabei seien weit mehr Menschen betroffen – so auch aus dem Allgäu, dem Münchner Raum oder dem Berchtesgadener und Salzburger Land.

Eigentlich soll sie bis Mitte März gehen, aber da die Grenzöffnung für den 18. März geplant ist, werde ich sie eventuell – nach Absprache mit den Unterzeichnern – schon früher übergeben.

Situation soll sich nicht wiederholen

„Langfristig will ich mit der Petition erreichen, dass die Menschen dies- und jenseits der Grenze nie wieder darunter leiden müssen, dass der bayerische Ministerpräsident anscheinend die Telefonnummer des tiroler Landeshauptmanns nicht kennt oder keine Lust hat, mit ihm zu telefonieren und umgekehrt“, resümiert Englmeier.