Frasdorf – Seit gut 100 Jahren betreibt die Familie Ramsl die Mühle in Rain bei Wildenwart – und das bereits in fünfter Generation. „Seitdem wird unser Betrieb als anerkannter und registrierter Futtermittelhersteller und Händler geführt und produziert Futtermittel“, berichtet Josef Ramsl.
1937 kam er – er ist der Großvater der heutigen Betreiber – in der Rainer-Mühle zur Welt. Sein Vater, ebenfalls Josef Ramsl, habe 1958 ein extra Mühlengebäude auf der gegenüberliegenden Seite erbaut. „Ich habe dann ab 1960 zu der Mühle einen Landhandel aufgebaut.“
Übernahme zum
100. Jubiläum
2000 übernahm Sohn Michael Ramsl die Mühle mit Landhandel und führte die Firma erfolgreich fort. Dessen Söhne Martin und Michael junior stiegen ebenfalls im Betrieb ein. 2019 wurde aus dem Einzelunternehmen eine GmbH, Martin Ramsl und Michael Ramsl junior wurden damit in der fünften Generation Geschäftsführer neben Michael Ramsl zum 100-jährigen Bestehen des Familienunternehmens.
„Wir beliefern in erster Linie Landwirte der Region im Landkreis Rosenheim und Traunstein und angrenzendem Österreich. Es wird immer noch Weizen und Dinkel vermahlen und sämtliche Mahlerzeugnisse werden im hauseigenen Mühlenladen und einigen Dorf- und Hofläden im Umkreis vermarktet“, erklärt Michael Ramsl.
Die Schlossmühle wurde unterhalb von Schloss Wildenwart etwa um das 15. Jahrhundert erstmals erwähnt. Die zum Schloss gehörende Mühle ging 1785 in privaten Besitz über und hieß dann Rainermühle. Wie Rupert Wörndl, Ortsheimatpfleger, weiß, gehörte sie einst dem Rainermüller, der ebenfalls eine Landwirtschaft betrieb. „Eine Mühle dieser Art gibt es hier in der Umgebung nicht“, so Wörndl.
Es gebe zwar die Daxamühle, die Ober- und Unterprienmühle, jedoch seien diese nicht mehr aktiv oder zum Säge- beziehungsweise E-Werk umfunktioniert.
Laut Höfebuch sei das Wassermühlenrad bereits 1910 durch eine Turbine ersetzt worden. 1919 erfolgte die Übernahme der Wasserkraft durch die Wirtschafts-Genossenschaft Hittenkirchen, die ein E-Werk betrieb.
Zu dieser Zeit übernahm sie die Familie Ramsl – zunächst als Pächter – und baute sie weiter aus. 1958 nach Auflösung der Genossenschaft und der Übernahme des Stromnetzes samt E-Werk von den Isar-Amper-Werken, erwarb Josef Ramls die Wasserkraft samt Gebäude und Grundstück wieder von den Isar-Amper-Werken.
Ab diesem Zeitpunkt wurde die Mühle mit einer Turbine angetrieben und mit einem Generator das Stromnetz der Wirtschaftsgenossenschaft Hittenkirchen mit eigenem Strom versorgt. Vorher gab es nur Wasserräder.
Das erste Wasserrad war für die Getreidemühle da und das zweite diente für das damalige Sägewerk.
Huckepack
mit dem König
Wie sich im Höfebuch ebenfalls nachlesen lässt, hat König Ludwig III., der nach seiner Entmachtung 1919 bis zu seinem Tod 1921 im benachbarten Schloss Wildenwart lebte, die Mühle besucht. Josef Ramsl habe ihm das Innere der Mühle gezeigt, und der König hätte unbedingt eine steile Treppe hinaufsteigen wollen, traute sich dann aber nicht mehr herunter. So musste ihn Josef Ramsl auf dem Rücken heruntertragen.