„Wer still ist, wird nicht gehört“

von Redaktion

Neubeurerin fordert Aufhebung des Beherbergungsverbots in Ferienwohnungen

Neubeuern – Abschalten, sich eine Auszeit gönnen, raus in die Natur gehen – wer will in der aktuellen Situation nicht den Kopf frei kriegen? Genau diese Abwechslung könnten ländliche Ferienwohnungen im Landkreis Rosenheim bieten – wenn sie denn endlich wieder aufsperren dürften, moniert Petra Reischl-Zehentbauer. Um die Politik auf die Situation der Vermieter von Ferienhäusern und -wohnungen aufmerksam zu machen, hat die Neubeurerin Anfang März eine Petition gestartet, die sich an den Bayerischen Landtag sowie an die Bundesregierung richtet. Ihr Appell: „Öffnet so schnell wie möglich die Ferienhäuer und -wohnungen in unserem Land!“

Die erforderlichen 50 Unterschriften, um sich Gehör im Landtag zu verschaffen, habe sie mit 66 Unterzeichnungen schon erreicht. 50000 brauche sie, um bundesweit auf die Lage aufmerksam zu machen.

Kontaktloser Ablauf
sei gewährleistet

Die Situation sei ernst, macht Petra Reischl-Zehentbauer deutlich. Dass Menschenansammlungen während der Pandemie vermieden werden sollen, um die Infektionszahlen zu senken, leuchte ihr ein: „Diese politisch verordnete Maßnahme ist nachvollziehbar.“ Was ihr allerdings nicht in den Kopf gehe, sei der Umstand, dass die Ferienwohnungen verriegelt wurden. Denn in ihren Augen gehe von diesen Beherbergungsmodellen „keinerlei Gefahr“ aus. „Das kann alles vollkommen kontaktlos ablaufen.“ Der Schlüssel stecke in der Haustür, die Gäste beziehen die Wohnung und reisen auch kontaktlos wieder ab, indem sie den Schlüssel in den Briefkasten legen oder wieder in die Haustür stecken. Im Grunde seien die Gäste „komplett unter sich“.

In manchen Gegenden, so glaubt Reischl-Zehentbauer, könne die Entriegelung der Ferienhäuser sogar zu einer „Entzerrung“ beitragen. Denn das Wohnen in einem Wohnblock in der Stadt berge die Gefahr, sich bei jedem Zutritt im Haus zu infizieren – sei es beim Drücken der Haustürklinke oder des Aufzugknopfes oder durch unvermeidliche Treffen in den engen Hausfluren. Zudem stünde Ostern vor der Tür. Die Leute wollten raus. Durch das Aufheben des Beherbergungsverbots, welches seit November gelte, könnten laut Reischl-Zehentbauer unkontrollierte, nicht nachvollziehbare Kontakte eingedämmt werden. „Ich finde es schlimm, wenn die Politik nicht differenziert. Die müssten mehr unterscheiden, wo eine Ansteckungsgefahr ist, und wo nicht.“ Zudem gebe es ja überall Hygienekonzepte und ausreichend Desinfektionsspray. Seit November stehe die Ferienwohnung ihrer Tochter in Neubeuern leer. Keine Einnahmen, aber laufende Nebenkosten. Heizungskosten, Internetkosten, Fernsehgebühren – „und Hilfe vom Staat ist nicht zu erwarten für Privatvermieter.“ Die 62-Jährige will Gehör. „Und wer still ist, wird nicht gehört“, so ihre klaren Worte.

Privatvermieter
gehen leer aus

Klaus Stöttner, Tourismuspolitischer Sprecher der CSU-Landtagsfraktion und Präsident des Tourismusverbandes Oberbayern und München, hat Verständnis für die Lage der Privatvermieter: „Der Kleinvermieter hat zu wenig gewichtige Stimme, die müssten sich bündeln.“ Für die Gastronomien gebe es eine Verbandsstimme, auch für die Marke „Urlaub auf dem Bauernhof“. Aber nicht für Privatvermieter für ganz Bayern. Und das sei das Problem. Denn in finanzieller Hinsicht gehen sie leer aus. „Privatvermieter ohne Gewerbeschein kriegen nichts vom Staat.“ Das sei nicht verständlich, findet Stöttner. In Bayern gebe es 35000 Privatvermieter. Das mache schon einen erheblichen Anteil im Tourismusbereich aus. In seinen Augen sei das Aufheben des Beherbergungsverbots bei Wohnungen aber auch Hotels mit kontaktlosen Schlüsselübergaben ein „erster richtiger Schritt“. Denn die Leute „hungern nach Treffen.“ Und bevor das privat passiere, sollte man den Vermietern die Chance geben, wieder auf die „exzellenten Hygienekonzepte“ zu setzen und ihre Ferienwohnungen zu entriegeln.

Stöttners Ziel sei es, den Kleinvermietern mehr Gewicht zu verleihen. „Mein Tourismusverband „TOM“ arbeitet gerade an einem Konzept.“ Der österreichische Verein „Alpine Gastgeber“ als oberbayerische Marke wäre die ideale Plattform für Privatvermieter, sagt er. Versprechen könne er allerdings nichts, da die Privatvermieter mitmachen müssten.

Dass sich in dieser Richtung etwas tut, befürwortet auch Christina Pfaffinger, Geschäftsführerin des Chiemsee-Alpenland-Tourismusverbands: „Der Tourismus liegt am Boden. Und unsere Betriebe wollen ja arbeiten, die wollen nicht vom Staat abhängig sein. Die Gastfreundlichkeit wollen die Tourismusleute leben.“ Im Chiemsee-Alpenland gebe es 1715 Übernachtungsbetriebe. „Wir sind eine gewachsene Tourismusregion. Da sind schon Oma und Opa hingefahren.“ Aber Pfaffinger sieht derzeit keine Perspektive: „Der Tourismus scheint das Letzte zu sein, was wieder öffnen wird“, befürchtet sie.

Artikel 10 von 11