Aschau/Samerberg – Er gilt als König der Lüfte: der Steinadler. Auch im Priental lebt seit einigen Jahren ein Pärchen in den Bergen rund um den Geigelstein. Da sie im 20. Jahrhundert bejagt worden sind, ist die Population stark zurückgegangen. Deswegen haben es sich der Drachen- und Gleitschirmflieger Club Aschau-Kampenwand und der Gleitschirmclub Hochries zur Aufgabe gemacht, die Greifvögel zu schützen. Aber auch Freiwillige können helfen.
„Wäre die Natur nicht so schön, wäre auch das Fliegen nur halb so schön“, sagt Till Gottbrath, Sprecher der Aschauer Gleitschirmflieger. Er selbst ist seit 1986 in der Luft unterwegs. In dieser Zeit habe er ein besonderes Erlebnis gehabt: „Ich hatte das Privileg, einem Steinadler in der Luft zu begegnen und mit ihm zu fliegen.“
Brutzeit geht von
März bis Ende Juli
Deswegen machen sich die Piloten mit dem Steinadler-Projekt Geigelstein für den Schutz der Tiere stark. Um sie nicht zu stören, meiden die Flieger bestimmte Gebiete. Denn ab März beginnt die Brut- und Aufzuchtzeit der Greifvögel. Sie dauert bis Ende Juli.
„Wenn sich beim Monitoring zeigt, dass die Adler brüten, wird eine Schutzzone errichtet“, erklärt Nora Kühnhausen von den Gleitschirmfliegern Hochries, die sich seit über zwei Jahren für das Projekt engagiert. Dafür werde zwei- bis dreimal pro Woche vom Mühlhörndl aus beobachtet, ob die Steinadler einen Horst beziehen und wenn ja, welchen. „Von dort aus hat man einen sehr guten Blick auf das Gebiet“, so Kühnhausen.
Die Daten werden dann dokumentiert. „Im vergangenen Jahr haben die Adler nicht gebrütet. Für heuer haben wir die Hoffnung, dass sie es tun“, berichtet Kühnhausen. Sollte es zur Brut kommen, informieren die Vereine weitere Clubs. Die Schutzzone soll dann in einem Umkreis von 500 Metern umflogen werden, damit die Vögel nicht gestört werden – Gleiches gilt für Kleinflugzeuge, Rettungs- und Polizeihubschrauber.
Wie Kühnhausen berichtet, entstand das Steinadler-Projekt Geigelstein in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Gleitschirm- und Drachenflugverband (DHV). Weitere Unterstützung kommt von der Süddeutschen Gleitschirmschule, den bayerischen Forstbetrieben und dem Nationalpark Berchtesgaden. Wie Uli Brendel, stellvertretender Leiter des Nationalparks und Leiter des Steinadler- und Bartgeier-Projekts berichtet, ist das Adler-Pärchen im Priental eines von insgesamt 45 Paaren in Bayern. „Diese leben überwiegend am nördlichen Alpenrand“, erklärt er.
Der Nationalpark Berchtesgaden ist zuständig für 17 Reviere zwischen Inntal und Salzachtal. Der Schwerpunkt liege auf dem Monitoring, was dazu diene, das Brüteverhalten und somit die Entwicklung der Population zu beobachten. „So können Verbesserungen und Verschlechterungen bemerkt werden“, sagt Brendel. Während in den 1980ern nicht einmal jedes fünfte Pärchen erfolgreich gebrütet habe, soll sich die Zahl bis heute fast verdoppelt haben. Ein Erfolg für den Tierschützer.
Seit Jahren gebe es, so der stellvertretende Nationalpark-Leiter, bereits Kooperationen mit Gleitschirm- und Drachenfliegern. Was jedoch neu sei, ist, dass sich Piloten selbst ausbilden lassen, um die Tiere zu schützen. „Die Initiative der beiden Vereine aus dem Priental ist schon etwas Besonderes.“
Aktuell suchen der Drachen- und Gleitschirmflieger Club Aschau-Kampenwand und der Gleitschirmclub Hochries Unterstützung beim Beobachten der Greifvögel. „Weil viele von uns dann fliegen, suchen wir Verstärkung“, sagt Till Gottbrath.
Die Natur nutzen
und erhalten
Einer, der bereits mitmacht, ist Johannes Almer aus Prien. Der Gymnasiallehrer ist Hobby-Ornithologe und leidenschaftlich gerne in der Natur unterwegs. „Es ist wichtig, den Ausgleich zwischen Naturnutzung und deren Schutz zu unterstützen“, sagt er. Als er im vergangenen September südlich der Kampenwand zur Hofbaueralm unterwegs war, habe er die Adler von einem Forstweg aus beobachten und fotografieren können. „Aus sicherer Deckung am Rande des Forstwegs konnte ich dem Treiben einige Zeit zusehen, bevor die beiden Adler weit oberhalb der Prientals davonsegelten.“