Schechen – Wie soll sich die Personalsituation in den Schechener Kindergärten in Zukunft entwickeln und darf der Elternbeirat im Gemeinderat zum Thema Kinderbetreuung ein Wörtchen mitreden? Diese Fragen sorgten in der jüngsten Sitzung des Schechener Gemeinderates für Diskussion.
Dem vorausgegangen waren entsprechende Anträge von Ratsmitglied Dr. Florian Zeller (CSU). „Wir können die Spirale der Kostensteigerungen nicht immer so weiterlaufen lassen“, sagte er. Das sei auf Dauer nicht finanzierbar. Er bezog sich auf das Vorhaben in der Gemeinde, eine Gruppe in der kommunalen Kindertagesstätte „Sonnenschein“ in Hochstätt zu streichen, die drei Mitarbeiter aber zu behalten und eventuell auch noch einen zusätzlichen „Springer“ einzustellen. „Das ist für mich schwer nachzuvollziehen“, so Dr. Zeller.
Steigerung
um 145 Prozent
Er betonte, dass eine Elternbefragung von 2020 gezeigt habe, wie zufrieden Eltern und Kinder mit der Einrichtung seien. Die Qualität und die Arbeit der Fachkräfte seien dabei als „gut“ bewertet worden. Das Betreuungsangebot sei stetig ausgebaut worden. Doch in den vergangenen zehn Jahren habe es auch eine Personalkostensteigerung von über 145 Prozent gegeben, von gut 434000 Euro in 2012 auf knapp 1,1 Millionen Euro in 2022.
Gleichzeitig seien die Elternanteile stetig zurückgegangen. Die Weiterbeschäftigung des Personals plus die Einstellung eines „Springers“ würde für die kommenden Jahre laut aktuellem Finanzplan zu einer Erhöhung des Zuschussbedarfs von jährlich rund 140000 Euro führen. Das Gemeinderatsmitglied forderte, dass die Personalkosten auf dem Niveau vom Jahr 2020 bleiben sollen.
Daraufhin entbrannte eine Diskussion über den Betreuungsschlüssel, die geplante Stelle des „Springers“ und die Verteilung des Personals auch hinsichtlich des neuen Kindergartens in Schechen.
„Müssten drei Betreuer pro Gruppe nicht ausreichen?“, fragte etwa Sabine Altendorfer (CSU). Und brauche es da noch einen „Springer?“ „Könne man die Stelle des ,Springers’ nicht auf beide Einrichtungen aufteilen?“, schlug Volker Schmid (SPD) vor. Eine andere Idee: Die drei Betreuer-Stellen der gestrichenen „Marienkäfer“-Gruppe in der neuen Kita in Hochstätt einsetzen. Dann hätte man in der chronisch überfüllten Kita in Hochstätt mit derzeit sieben Gruppen aber keine Qualitätsverbesserung. „Doch, hätte man schon“, meinte etwa Andreas Rausch (CSU). Alleine schon, weil man Platz und Verwaltungsaufwand einspare.
Und wie sieht es mit dem Betreuungsschlüssel aus? Also wie viele Kinder rein rechnerisch von einer Arbeitskraft betreut werden? Hier gilt: Je geringer die Zahl, desto besser. Der liegt laut Verwaltung aktuell bei einem theoretischen Maximum von 8,20 in Hochstätt. Der tatsächliche Wert liegt aber bei 7,43. Der bayernweite Durchschnitt liegt etwa bei acht. Könne man sich vielleicht bei einem Kompromiss-Wert von etwa 7,7 oder 7,8 treffen? Nicht immer nur von Kosten reden, das war die Bitte von Maria Ganslmaier-Hainzl (Parteifreie): „Immerhin geht es um eine Investition in unsere Zukunft!“
Derzeit verzeichnet man im Kindergarten Sonnenschein sieben Gruppen und 661 Personal-Wochenstunden. Das entspricht rechnerisch 16,95 Mitarbeitern. Ohne Marienkäfergruppe und ohne das entsprechende Personal wären es 585 Personal-Wochenstunden, was 15 Mitarbeitern entspricht. Die Kindergartenleitung hat vorgeschlagen, das Personal um einen Springer aufzustocken und die Stelle einer Berufspraktikantin durch eine Erzieherin zu ersetzen. Damit lägen die Personal-Wochenstunden bei 618, der Betreuungsschlüssel bei 7,5.
Gedeckelt auf
600 Wochenstunden
Der Gemeinderat einigte sich schließlich auf einen Kompromiss: Der Springer soll mit weniger Stunden eingesetzt werden, sodass man sich ungefähr an 600 Personal-Wochenstunden annähere. Ausgestellt oder versetzt werden soll niemand. In der neuen Gruppe im neuen Kindergarten sowie in einer zweiten Gruppe des Naturkindergartens würden immer Kräfte gebraucht, so Bürgermeister Stefan Adam. Mit elf zu neun Stimmen beschloss das Gremium schließlich, die Mitarbeiterstärke auf 600 Personal-Wochenstunden zu deckeln.
Den Elternbeirat in den Gemeinderat einzuladen, um die zukünftige Entwicklung der Kitas zu diskutieren, lehnte der Rat dagegen mit 18 zu zwei Stimmen ab. Das sei nicht der richtige Rahmen dafür – anstatt diese Themen in der großen Runde zu diskutieren, sollten sie lieber in einem kleineren Kreis besprochen werden. Der Vorschlag von Bürgermeister Adam, einen Arbeitskreis aus Elternbeirat- und Gemeinderatsvertretern bei Bedarf einzuberufen, wurde dafür einstimmig angenommen.