Eggstätt – „Ab sofort ist der Rettungswagen Eggstätt 71/1 einsatzbereit.“ Mit diesem Funkspruch meldete Bürgermeister Christian Glas die neue Rettungswache in Eggstätt offiziell bei der Integrierten Leitstelle in Rosenheim an. „Sie ist eine wichtige Anlaufstation für medizinische Notfälle“, waren sich Bürgermeister Glas und Gabriel Mayer, Geschäftsführer und Leiter Rettungsdienst der Ambulanz Rosenheim, einig. Sie betreibt die Rettungswache, die zur Münchner MKT-Gruppe gehört. Denn: Patienten im Nordosten des Landkreises und darüber hinaus mussten bislang oftmals zu lang auf Hilfe warten.
Ein Gutachten des Instituts für Notfallmedizin und Medizinmanagement hatte ergeben, dass der nördliche Bereich rund um Eggstätt, Höslwang und Halfing sowie Gstadt nicht optimal versorgt ist. Beim bodengebundenen Rettungsdienst ist nämlich in Bayern eine Hilfsfrist von zwölf Minuten vom Anruf bis zum Eintreffen der Helfer gesetzlich vorgeschrieben.
Täglich zwölf
Stunden besetzt
Die neue Rettungswache in Eggstätt ist einsatzbereit, und das täglich von 9 bis 21 Uhr. Mit zwei Mann, beziehungsweise Frau, die zu Notfall- und Rettungssanitäter ausgebildet sind, ist die Wache jeweils für zwölf Stunden jeden Tag besetzt. An manchen Tagen kommt noch eine Auszubildende oder ein Praktikant hinzu. Mayer zieht im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen eine positive Bilanz nach der ersten Einsatzwoche. „Schon am ersten Tag mussten wir viermal ausrücken“, berichtet Notfallsanitäterin und Wachleiterin Sophia Reichthalhammer. „Und bei dem schweren Verkehrsunfall mit Motorrad in Obing waren wir auch binnen weniger Minuten als Erste am Unfallort.“ Der Einsatzwagen steht immer abfahrbereit da, es könnte ja jeden Moment losgehen. Ein zweiter steht als Reserveauto auf Stand-by-Modus bereit, „komplett eigenfinanziert“, betont Mayer, und hofft dennoch, dass das Zweitauto möglichst wenig zum Einsatz kommen muss. Noch residiert die Wache im Erdgeschoss des Vereinsheims des ASV an der Seeoner Straße, das derzeit coronabedingt nicht genutzt werden darf. Dann steht der Umzug in einen ehemaligen Getränkemarkt in der Obinger Straße 30 an. Im vergangenen Jahr hatte die Ambulanz Rosenheim vom Zweckverband für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung Rosenheim den Zuschlag für zehn Jahre Betrieb des Standorts Eggstätt erhalten.
Die Ambulanz Rosenheim, die mit gut 170 Angestellten neben dem BRK, den Maltesern und den Johannitern für den Rettungsdienst in den Landkreisen Rosenheim und Miesbach zuständig ist, erfülle vielfältige Aufgaben, so Mayer weiter. Er selbst sei seit über 50 Jahren im Rettungswesen tätig und habe 1992 die Leitung der Ambulanz Rosenheim übernommen. Ein Lob wehrt er bescheiden ab. Rettungsdienst – das sei sein Beruf und seine Berufung. Im Rettungswesen habe sich in den vergangenen Jahrzehnten viel gewandelt, sei es das Berufsbild, die Ausbildung (seit 1975 gibt es die Ausbildung zum Rettungssanitäter, seit über 30 Jahren die zum Rettungsassistenten und seit 2014 kann man sich zum Notfallsanitäter ausbilden lassen), die Aufgabenfelder oder auch die Einsätze.
Dankbarkeit
herrscht vor
Da gebe es schon mal Betrunkene, die pöbeln, oder Aggressive. Prinzipiell seien die Leute auf dem Land nett und dankbar, so Notfallsanitäter Manuel Huber, der zusammen mit Kollegin Andrea Hochreiter und Praktikantin Stefanie Heiderscheid während des Gesprächstermins mit den OVB-Heimatzeitungen Dienst schiebt. Die Bürokratie werde immer mehr, klagen die Retter, aber auch das gehöre eben zum Berufsbild dazu, meint Mayer. Alles gehört dokumentiert, damit es überprüft werden kann, auch wenn „wir Gott sei Dank noch keine amerikanischen Verhältnisse haben.“ Das bedeutet bei jedem Einsatz dennoch, alles aufzulisten. Angefangen von der ersten Alarmierung, über das Ausrücken bis zur Ankunft am Einsatzort, Krankheitsbild, Medikamente und Rückkehr zur Wache.
Der Aufwand lohne sich, denn schon in der ersten Woche Dienst habe sich die Wichtigkeit des Standortes Eggstätt gezeigt.