Sachrang – Mit 92 Jahren blickt Hans Pumpfer aus Innerwald bei Sachrang (Gemeinde Aschau i. Chiemgau) auf ein bewegtes und ausgefülltes Leben zurück. Doch er lehnt sich noch nicht zurück, im Gegenteil: Er ist auch im hohen und vitalen Alter noch für den Nächsten da.
Hans Pumpfer musste 1945 mit 16 Jahren in den Krieg, zuvor war er ab 1942 bereits zu Schulungen eingeladen.
In den Kriegsjahren
Kurierfahrer in Berlin
Der Sachranger erinnert sich: „Wir waren alle mit großer Begeisterung dabei. Die NS-Führungsschichten verstanden es in unglaublicher Weise, die Jugend für ihre Machenschaften heranzuziehen und zu missbrauchen.“
In den Kriegsmonaten war Hans Pumpfer als Kurierfahrer eingeteilt, mit viel Glück und nach reichlich Abenteuern kehrte er von seiner letzten Fahrt aus Berlin in sein Heimatdorf zurück. Seine 1943 begonnene Zimmererlehre bei der Firma Johann Baptist Huber in Aschau wurde mit der Einberufung 1945 unterbrochen, erst im Jahr 1946 konnte sie fortgesetzt und im Frühjahr 1947 mit der Gesellenprüfung erfolgreich abgeschlossen werden. Nach dem Kriegsende widmete sich Hans Pumpfer wieder seinem Beruf, er gründete 1959 eine eigene, bis heute bestehende Baufirma, er setzte sich für Soziales und Kommunales ein, war 30 Jahre Gemeinderat und (Erster und stellvertretender) Bürgermeister der Gemeinden Sachrang und Aschau sowie zwölf Jahre Kreisrat im Landkreis Rosenheim. 17 Jahre war er Schöffe und Hauptschöffe an Rosenheimer und Traunsteiner Gericht, 29 Jahre war er ehrenamtlicher Richter beim Bayerischen Verwaltungsgericht München und 30 Jahre Bau- und Selbstschutzberater beim Bundesverband für Selbstschutz. Doch damit nicht genug: 19 Jahre war Hans Pumpfer Aufsichtsrat und zum Teil dessen Vorsitzender bei der Raiffeisenbank Aschau, 20 Jahre stellvertretender Ortswaisenrat und Betreuungshelfer, 24 Jahre Erster Pfarrgemeinderatsvorsitzender von Sachrang, ebenfalls 24 Jahre Dekanatsrat, Delegierter zum Kreiskatholikenrat und Zweiter Vorsitzender des Dekanatsrates sowie 20 Jahre Beirat im Ökumenischen Sozialdienst Priental.
Am 24. März 1952 übernahm Hans Pumpfer das Amt des Gründungsvorstandes beim WSV Sachrang, 52 Jahre war er im Vorstand. In diese Zeit fielen der Neubau der Sprungschanze sowie ungezählte sportliche Wettbewerbe.
Im gleichen Jahr wurde von Hans Pumpfer ein Bergrettungsdienst gegründet, der ab 1953 als Bergwachtgruppe der Bereitschaft Rosenheim eingegliedert wurde.
Als Bürgermeister von Sachrang war er 1973 dabei, als der Freundeskreis Müllner-Peter gegründet wurde, 30 Jahre war er Erster und Zweiter Vorsitzender. Weitere langjährige und aktive Zugehörigkeiten von ihm galten dem Trachtenverein „D´Geigelstoana“ Sachrang (zehn Jahre Vorplattler, elf Jahre Fähnrich, 37 Jahre Vereinsausschuss), dem Fremdenverkehrsverein Sachrang (46 Jahre Ausschuss, davon 22 Jahre Zweiter Vorsitzender), der Krieger- und Soldatenkameradschaft Sachrang (68 Jahre Mitglied, jetzt Ehrenvorstand), dem Verein Gartenbau und Blumenfreunde (25 Jahre in der Vorstandschaft) und dem SPD-Ortsverein Sachrang-Aschau (28 Jahre Vorsitzender seit der Gründung 1965).
Mit 56 Jahren
geheiratet
Im Alter von 56 Jahren heiratete er seine Frau Hannelore, mit ihr verbringt er den Lebensabend in seinem Haus in Innerwald und liebevoll umsorgt er seit vielen Jahren seine durch einen Verkehrsunfall erblindete Frau.
In ihrem ganz persönlichen Rückblick erklärt sich Hannelore Pumpfer die enorme außerberufliche Leistungsbilanz ihres Mannes mit den Worten: „Das war nur möglich, weil er bis ins Alter von 56 Jahren ledig blieb.“ Eine von vielen Auszeichnungen erhielt Hans Pumpfer im Jahr 1990 durch die Bayerische Kommunale Verdienstmedaille in Bronze durch Landrat Dr. Max Gimple und Aschaus Bürgermeister Kaspar Öttl.
Am 2. August 2018 wurde im Preysingsaal auf Schloss Hohenaschau auf Anregung des Bayernbundes und mit Unterstützung der Gemeinde Aschau bei einem Festakt an Hans Pumpfer das Bundesverdienstkreuz von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier verliehen.