Ein Leben voller Blasmusik

von Redaktion

Alois Schlemer (92) spielt in zahlreichen Musikkapellen und wirkt als Dirigent

Aschau – 92 Jahre ist Alois Schlemer geworden. Vor Kurzem hat er mit seiner Frau Christl nach 65 Ehe-Jahren die eiserne Hochzeit gefeiert. Und nach all den Jahren schlägt sein Herz noch immer für die Blasmusik. Beim Besuch in seiner Heimat am Fellerer, hoch über dem Aschauer Priental, lässt er sein Musikantenleben Revue passieren.

Erste Proben
in der Schreinerei

Begonnen hat dieses 1950 in Prien. Die Familie von Vater und Baumeister Balthasar Schlemer wohnte in Oed bei Greimharting und später in einem Zuhäusl in Rimsting. Aufgrund von Wohnungswechseln kam es auch zu aktiven Blasmusikeinsätzen in Bad Endorf, in Bernau, Flintsbach, Aising und Aschau. „Die ersten Proben in Prien waren mit dem Musikmeister Hans Scherbaum, einem Flüchtling von der Eger. Wir trafen uns in der Schreinerei Möderl, da haben wir uns notdürftig hinsetzen können, wo es gerade ging.“

Sein erster Einsatz: die Priener Fronleichnams-Prozession. „An Fronleichnam gab es damals den ,kleinen‘ Umgang zum Friedhof und zum Neugarten. Später wurde dann der ,große‘ Umgang zum Krankenhaus Richtung Bernau über die Bahnunterführung zurück zur Kirche genommen“, erzählt Schlemer, und erinnert sich, dass zu seiner Anfangszeit eine blasmusikalische Extra-Vorbereitungszeit für die Primiz des Priener Neupriesters Engelbert Wallner nötig war. „Nach dem Krieg war in Prien Toni Mayer (Wagner-Toni) Musikmeister, dann kam für etwa 20 Jahre Ludwig Strohmayer als Dirigent“, erinnert er sich weiter. In dieser Zeit war viel los für die Blasmusikanten aus Prien: Im „Bayerischen Hof“ habe es viele bayerische Heimat- und Begrüßungsabende gegeben. Einige Male rückte man auch nach Gstadt aus – unter anderem einmal im Fasching mit Bulldog und Schlitten.

Spannend war außerdem das Ochsenrennen auf der sogenannten Pfarrwiese, (heute die Franziska-Hager-Schule), das vom Rimstinger Wirt Heuberger organisiert wurde. Einmal in der Woche wurde geprobt, von der Schreinerei wurde in den damaligen Saal des Gasthofes St. Salvator gewechselt. Für Schlemer, der damals als Maurer unterwegs war, war all das nicht leicht unter einen Hut zu bringen.

Die Musikanten in Prien spielten viel. Ob für den örtlichen Trachtenverein, bei Hochzeiten oder in den Nachbarorten. An den Saal des Gasthofes Bufler in Hittenkirchen erinnert sich Schlemer besonders gerne: Der Boden gab nach und schwang mit.

„Es gab Zeiten in Prien, da zogen wir vom Garten des Bayerischen Hofs zur Seestraße und zum Marktplatz und gaben dort jeden Sonntag ein Standkonzert. Auch mit der Chiemsee-Schifffahrt und mit den Veteranen waren wir unterwegs“, erzählt Schlemer. Aber als die kleinen Kapellen aufkamen – in Prien unter anderem die Hefter-Buam –, da sei die große Musikkapelle in die Krise gekommen. „Erst als unter anderem Hans Sewald, Hermann Deiss und Peter Huber dazu kamen, ging es wieder aufwärts.“ Da Schlemer beruflich zur Eisenbahn und wohnungsmäßig nach Fischbach wechselte, endete auch für ihn die Priener Zeit: „Anfangs blieb ich noch bei der Priener Kapelle, aber zwischenzeitlich gründeten wir in Aschau eine kleine Schrammelmusik. So kam es, dass ich zeitgleich auch für Flintsbach und Aschau spielte, denn in der Musikkapelle Aschau übernahm Hans Mielenz die Dirigenten-Aufgabe und dessen Stil gefiel mir sehr gut.“

Bis zum 90.
Lebensjahr im Einsatz

Als in Bad Endorf und Bernau Musikanten ausfielen, sprang Schlemer als Aushilfe ein. „Mit Aschau erreichten wir einmal in Brünn einen zweiten Platz bei einem Musik-Wettbewerb und mit Bernau waren wir bei den Olympiaden 1972 in München und Kiel.“ In der Blaskapelle Bad Endorf spielte Schlemer bis zu seinem 90. Lebensjahr, ebenso in der Kapelle „Bachecker Blech“ in Hirnsberg. In dieser fing er noch mit 75 Jahren an und entwickelte sie als Dirigent zu einer original bayerischen Blasmusik.

Nach seinem 90. Geburtstag 2019 übergab Schlemer den Dirigentenstab an Hannes Lang. Ehrungen und Auszeichnungen folgten bei einem fast 70 Jahre andauernden Musikanteneinsatz. So zum Beispiel auch vom Musikbund Ober- und Niederbayern und dessen Bezirk Inn-Chiemgau.

Sein Musikantenleben sei nicht einfach zu bewerkstelligen gewesen: Familie mit Ehefrau und vier Kindern, Landwirtschaft sowie Beruf galt es in Einklang zu bringen. „Ich habe alles gerne gemacht, deswegen ist es gegangen“, so Schlemer. „Blasmusik war und ist sein Leben“, sagt auch Ehefrau Christl über ihren Ehemann.

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