Vogtareuth – Großprojekte, mehr Schulden, weniger Rücklagen: Der Vogtareuther Gemeinderat hat in seiner jüngsten Sitzung den Haushaltsplan für 2021 und den Finanzplan für die Jahre 2022 bis 2024 einstimmig verabschiedet. Diskussionen gab es keine.
Der Haushalt ist in Gemeinderatssitzungen normalerweise ein großer Brocken. Lange Debatten, viele Fragen. In Vogtareuth aber haben die Gemeinderäte den Haushalt anstandslos durchgewinkt. Das lag unter anderem daran, dass in der vorigen Haupt- und Finanzausschusssitzung schon lange darüber beraten wurde. Und vielleicht hat auch der ausführliche Vorbericht von Kämmerer Josef Furtner an die Gemeinderäte dazu beigetragen, dass es keinen Redebedarf mehr gab.
Einkommenssteuer
wichtigste Quelle
Die wichtigsten Zahlen im Überblick: Der Kämmerer hat rund 13,7 Millionen Euro im Haushalt 2021 (Verwaltungs- und Vermögenshaushalt) verplant. Das ist beinahe eine halbe Million weniger als im Vorjahr.
Der Verwaltungshaushalt deckt alle Ausgaben und Einnahmen ab, die die Kommune im laufenden Betrieb hat. In Vogtareuth beträgt er für 2021 rund 8,3 Millionen Euro, mehr als im letzten Jahr. Durch die Einkommenssteuerbeteiligung werden 2021 1,9 Millionen Euro in die Kasse der Gemeinde gespült. Laut Furtner ist das die bedeutendste Einnahmequelle.
Die Gewerbesteuer ist ebenfalls rückläufig. Der Kämmerer veranschlagt, dass das Niveau im Vergleich zum Vorjahr um 30000 Euro auf 550000 Euro fallen wird. Größere Ausfälle wird es wohl nicht geben, da es vor allem die vielen Handwerksbetriebe seien, die Gewerbesteuer zahlen – und die florierten.
Weniger positiv blickt er auf die Schlüsselzuweisungen vom Staat, also Ausgleichszahlungen für fehlende eigene Steuerkraft. Diese betrugen 2020 noch rund 1,1 Millionen Euro. 2021 sind es nur noch 836000 Euro. Dem Kämmerer zufolge sind die Schlüsselzuweisungen die zweitwichtigste Einnahmequelle. „Das beeinträchtigt die dauerhafte Leistungsfähigkeit der Gemeinde.“
Bei all den Einnahmen im Verwaltungshaushalt bleiben der Gemeinde viele Ausgaben. Für Personal zum Beispiel. Die gute Nachricht: Die Kosten werden 2021 geringer. Furtner hat 1,9 Millionen Euro veranschlagt (Vorjahr: 2,1 Millionen). Dass sie sinken, liegt vor allem daran, dass die Arbeiterwohlfahrt den Vogtareuther Kindergarten im September übernimmt. Bis dahin stellt die Gemeinde das Personal.
Außerdem muss die Gemeinde an den Landkreis Gelder abgeben, die sogenannte Kreisumlage. 1,5 Millionen Euro sind es, fast genau so viel wie im vergangenen Jahr. Laut dem Kämmerer stellt das eine „starke Belastung“ für die Gemeinde dar. Vom Verwaltungshaushalt kann heuer vermutlich nur die gesetzlich geforderte Minimalsumme in den Vermögenshaushalt der Gemeinde überführt werden, sagte Furtner weiter.
Die Investitionen finden sich im Vermögenshaushalt wieder. Für 2021 ist dieser auf 5,4 Millionen Euro veranschlagt. Das ist beinahe eine Million Euro weniger als noch im Vorjahr. Der Grund: Die Gemeinde will in diesem und den kommenden drei Jahren in große Projekte investieren.
Zum einen soll heuer das Feuerwehrgerätehaus in Zaisering errichtet werden. 700000 Euro werden in diesem Jahr dafür investiert. Zum anderen ist für 2021/2022 der Neubau des Baubetriebshofes geplant. 110000 Euro gehen dafür heuer vom Konto der Gemeinde.
Neue
Wasserversorgung
Außerdem sollen die Vogtareuther eine neue Wasserversorgung inklusive Brunnenhaus bekommen. Dafür gibt die Gemeinde 2021 mehr als eine halbe Million Euro aus. Zudem kosten zwei neue Einsatzfahrzeuge für die Feuerwehren Vogtareuth und Zaisering insgesamt 670000 Euro.
Wegen all der Investitionen wird die Gemeinde signifikant mehr Schulden machen müssen als noch 2020. Damals waren es am Jahresende 924500 Euro. Heuer sind 3,1 Millionen Euro veranschlagt. Außerdem plant der Kämmerer, Kredite in Höhe von 1,5 Millionen Euro aufzunehmen. Und es wird aufs Sparbuch zugegriffen: Waren am Jahresbeginn noch 1,1 Millionen Euro in der Rücklage, plant Furtner nur noch mit 600000 Euro am Jahresende. Alexandra Schöne