Zahlen aus dem Landkreis Rosenheim 2020

Jungrinder im Weide-Glück

von Redaktion

Landwirt Hans Mayerhofer fördert mit spezieller Haltung das Wohl seiner Kühe

Unterwindering/Vogtareuth – Noch liegen die jungen Rinder entspannt im Stall und kauen auf ihrem Heu. Sie ahnen nicht, welcher Spaß sie gleich erwartet. Auf dem landwirtschaftlichen Betrieb von Hans Mayerhofer in Unterwindering bei Vogtareuth ist heute etwas Besonderes geplant: Das Jungvieh darf zum ersten Mal in diesem Jahr auf die Weide.

Früher in
Stallhaltung investiert

Das ist alles andere als selbstverständlich. Obwohl man in der Werbung für Milch, Käse und Co. stets Kühe auf der Weide sieht, werden auch in Bayern nur sehr wenige Rinder auf der Weide gehalten.

„In den 50er-Jahren haben wir in der Landwirtschaft aufgehört, uns wissenschaftlich mit der Weidehaltung zu beschäftigen“, berichtet Siegfried Steinberger von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL). Denn in Anbetracht der Kosten und des Erlöses sei es damals günstiger geworden, in die Stallhaltung zu investieren. Der Anteil der Weidehaltung in Bayern ist damit auf etwa 15 Prozent gesunken, so Steinberger.

Doch inzwischen habe sich die Situation geändert. Denn bei einem stabilen Milchpreis – auch aufgrund der Milchquote – seien die Produktionskosten der Betriebe, etwa für Löhne oder Energie, immer weiter gestiegen. Daher sei es an der Zeit, die Haltungsform zu überdenken. Denn eine Weidehaltung zur Aufzucht des Jungviehs rechne sich nicht nur wirtschaftlich.

„Es tut einfach gut, wenn man sieht, wie es dem Vieh taugt“, sagt Landwirt Mayerhofer, der in Unterwindering einen Hof mit 65 Hektar, 70 Kühen und 60 Stück Jungvieh bewirtschaftet. Der konventionelle Bauernhof ist einer der Pilotbetriebe der LfL, um die Weidehaltung für Jungvieh wieder bekannter zu machen.

Mayerhofer steht am Weidetor zwischen Stall und einer fünf Hektar großen Wiese, die er eingezäunt und mit Frischwassertränken ausgestattet hat. 15 junge Rinder von etwa zwei Jahren stehen schon ungeduldig bereit. Sie sind die ersten, die in diesem Jahr auf die Weide dürfen. Als Mayerhofer das Tor öffnet, geht die lustige Sause los: die Tiere rennen los, bocken, buckeln und werfen alle Viere in die Luft. Einige fangen direkt zum Rangeln an, andere galoppieren einfach drauf los. Es ist eine wahre Freude, ihnen zuzusehen.

„Wir haben das auch für uns gemacht“, erklärt Landwirtin Monika Mayerhofer. Denn es sei gut für die Seele, wenn sich das Vieh wohlfühle. Außerdem ist den Landwirten daran gelegen, das Image der Branche zu verbessern. „Wir hören oft die Kritik, dass man das Vieh draußen nicht mehr sieht, dass die Landwirtschaft so anonym geworden ist“, sagt sie. Die Weidehaltung sei dagegen das, was der Verbraucher mit dem Begriff „Tierwohl“ verbinde. Dass es den Tieren besser gehe, das können die Landwirte nur bestätigen. Die Kühe geben demnach mehr Milch und werden gesünder älter. Rund 1000 Euro haben die Mayerhofers pro Weide-Hektar investiert. Dafür sparen sie Zeit und Geld bei der Fütterung. Denn die Wiese muss nicht erst gemäht und das Gras verfüttert werden – es geht sozusagen automatisch.

Steinberger, der bei der LfL am Institut für Tierernährung und Futterwirtschaft im Arbeitsbereich „Weidehaltung“ tätig ist, ist überzeugt: „So ziemlich jeder Betrieb kann Weidehaltung für das Jungvieh umsetzen.“ Denn im Gegensatz zu den Milchkühen, die wegen der regelmäßigen Melkung arrondierte Flächen brauchen, kann das Jungvieh den ganzen Sommer über draußen bleiben.

Der Trick dabei ist das ausgeklügelte System der Kurzrasenweide. Dabei stehen immer so viele Rinder auf der Wiese, wie das Gras an einem Tag nachwächst. Auf dem Betrieb Mayerhofer sind das bis zu 60 Stück Jungvieh im Sommer. Die 15 Kühe, die die Weidesaison eröffnen durften, grasen inzwischen friedlich. „Diese Tiere waren auch im vergangenen Jahr schon draußen und kennen das inzwischen“, erklärt Hans Mayerhofer.

An Wind und
Regen gewöhnen

Denn Rinder, die im Stall aufgezogen wurden, müssen erst an die Weide gewöhnt werden. Wind, Regen, selbst das Rupfen des Grases sei neu für sie. Je nach der Höhe des Grases werden in den nächsten Wochen und Monaten auch die anderen Jungtiere auf die Weide getrieben.

Bis in den Oktober hinein bleiben sie dort an der frischen Luft. „Wir sind froh, dass wir diesen Schritt gemacht haben“, so Mayerhofer. Sein Ziel: In Zukunft soll noch mehr Fläche eingezäunt und die Weidehaltung ausgeweitet werden.

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