Als Fußballtrainer am Viktoriasee

von Redaktion

Tobias Grillmeier (19) aus Kiefersfelden macht nach dem Abitur prägende Erfahrung

Kiefersfelden – Kaum das Abi in der Tasche, beschritt Tobias Grillmeier (19) aus Kiefersfelden eine neue, ihm unbekannte Welt. „Ich wollte immer schon mal in ein Entwicklungsland, um dort helfen zu können“, erinnert sich der 19-Jährige im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen. Seine Wahl fiel letzten Endes auf Afrika, in einem kleinen Dorf namens Ngeri. Dort lebte und arbeite er drei Monate lang – als Fußballtrainer und Mathematiklehrer. Eine Erfahrung, die ihn prägte.

Zuletzt mit dem
Wassertaxi ans Ziel

Gefunden hat der junge Mann die Stelle im Internet, auf einer Online-Vermittlerseite: Gesucht wurde ein Lehrer in Mathematik und Fußball in Theorie und Praxis. „Das war wie auf mich zugeschnitten, denn neben meinem Interesse an Mathematik, spiele ich ja auch beim heimischen ASV Fußball und bin Jugendtrainer“, so Grillmeier. Also bewarb er sich Ende November auf die Stelle, kurz darauf folgte persönlicher Kontakt. Und dann stand für ihn fest: „Das mache ich jetzt.“

Grillmeier fing gleich darauf an, Bälle, Trikots und sonstiges Equipment zu sammeln – mit Unterstützung des ASV. Anfang Januar trat er dann die Flugreise nach Nairobi, Kenias Hauptstadt, an, wo er bereits am Flughafen erwartet wurde. „Das war für mich zuerst schon mal ein Kulturschock, raus aus dem heimischen Wohlfühlambiente, rein in ein anderes Land, in dem gänzlich andere Lebensverhältnisse vorherrschten.“

Schon am nächsten Tag fuhr er neun Stunden lang in einem Fernreisebus und noch eine Stunde mit einem vollbesetzten Wassertaxi. „Dann war ich da, in meinem Dorf Ngeri. Es direkt liegt am Viktoriasee und hat rund 1500 Einwohner“, schildert Grillmeier. Von da an war eine einfache Lehmhütte für drei Monate sein Zuhause. Ohne fließendes Wasser. Auch Strom war nur begrenzt verfügbar.

Sein Alltag begann direkt am nächsten Tag: Ganztags-Unterricht in Mathematik an sechs Tagen pro Woche, mit bis zu 40 Schülern im Alter von fünf bis 18 Jahren. „Umgerechnet kostete er etwa 80 Euro pro Monat, was für kenianische Verhältnisse viel Geld ist.“

Abends stand dann Fußballtraining auf dem Programm. Gleich am ersten Abend verteilte er das Fußball-Equipment. Der 19-Jährige arbeitet als Assistenztrainer, der mit praktischen Übungen, taktischer Unterweisung und Ballspielen die Arbeit des „Head Coaches“ unterstützte: „Unser Trainings- und Spielplatz war der Schulhof, neben grasenden Ziegen, gespickt mit Löchern und Steinen.“

Tobias Grillmeier lebte sich schnell ein in seinem kleinen Dorf Ngeri: Hausbau, Fischen und Früchte ernten gehörten zu seiner Routine. Aber es gab auch beklemmende Momente: So erkrankte er beispielsweise an Malaria und auf einer Fernreise durch Kenia wurde ihm sein Geld gestohlen.

Doch dafür konnte er auch Geld überreichen: Zum Ende seines Praktikums übergab er an den Fußballverein und die Dorfschule 1000 Euro. Durch eine von ihm initiierte Online-Spendenaktion, die von seinem Heimatverein ASV Kiefersfelden unterstützt wurde, kamen insgesamt 4000 Euro zusammen. Die Dorfschule kaufte von dem Geld neue Stühle und Tische für Schüler. Auch Krankenhausbehandlungen oder die Übernahme des Schulgeldes wurden mit den Geldern bezahlt.

Weitere 2500 Euro wurden zum Kauf eines Transporttaxis verwendet, das jetzt dem Fußballverein und dem Dorf ständige Einnahmen durch den Fahrbetrieb beschert“. „Wir haben uns alle im Verein gefreut, wie sich unser junger ASV-Fußballer da in der Fremde eingebracht hat“, sagt Johannes Mayerl, ASV-Vorsitzender, über den jungen Kiefersfeldener.

Zuspruch
von der Familie

Während der drei Monate habe Grillmeier alles selbst bezahlt. Aber er ist froh, dass er etwas bewegen konnte. Ob er die Reise wieder machen würde? „Ja“, so der 19-Jährige. Für ihn war Afrika eine außergewöhnliche Erfahrung.

Dabei habe ihn auch seine Familie unterstützt: „Mach das, haben wir gesagt, als Tobias uns von seinen Plänen erzählt hat“, schildert Tobias‘ Vater Thomas Grillmeier. Jetzt will sich der junge Mann auf seine Zukunft konzentrieren: Seit Mitte März studiert er in Regensburg Maschinenbau.

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