Rohrdorf/Höhenmoos – Auf dem großen Tisch neben Kathi Schmid liegt eine vergoldete Wachsplatte. Mit schnellen Schnitten und geübten Handgriffen verziert Kathi Schmid eine Osterkerze. Tochter Sylvia Steiner schaut ihr zu und stellt wieder einmal fest: „Das kann sie deutlich besser als ich.“
Bei Kathi Schmid sind die Osterkerzen immer in Rot und Gold. „Rot ist einfach die Osterfarbe, deshalb mache ich sie so. Es gibt sie aber auch in anderen Farben.“ Die Osterkerze, Zeichen der Auferstehung, ist zentraler Bestandteil des Osterkorbes.
Das Grundmotiv ist
immer das Kreuz
Ihr Grundmotiv ist immer das Kreuz. Unbedingt auch auf die Kerze gehören die Jahreszahl sowie die griechischen Buchstaben Alpha und Omega als Zeichen für den Anfang und das Ende. Die weitere Verzierung ist individuell. Das kann das christliche Friedenszeichen sein, eine Ähre, ein Weidenzweig oder einfach eine dekorative Ranke.
Normalerweise, wenn nicht gerade eine Pandemie grassiert, sitzen dienstags abends um halb acht bis zu zehn Frauen im Vereinshaus in Höhenmoos um einen großen Tisch im Dachgeschoss, verzieren Osterkerzen, nähen Salzsäckchen, töpfern oder besticken Fähnchen für die Osterlämmer, verzieren Eier mit Klosterarbeiten – „dafür bereite ich sehr gerne den Schmuck vor, ich mag das fitzelige“, sagt Sylvia Steiner –, sticken oder bedrucken Weihdiachal (für Zugezogene: Weihetüchlein) in einem satten, aber sanften Rotton. „Unser Anspruch ist es, Dinge herzustellen, die man so nicht überall kaufen kann“, sagt Kathi Schmid, „zumindestens nicht so leicht“, fügt Sylvia Steiner an.
Heuer war Heimarbeit angesagt. Und auch der Ostermarkt fiel aus. Glücklicherweise fand sich ein Hofladen, in dem die Höhenmooser Damen ihre Handarbeiten für einen guten Zweck verkaufen konnten. Allein Kathi Schmid stellte knapp 80 Osterkerzen her. „Alles weg“, sagt sie strahlend. „Die Leut‘ suchen doch geradezu nach etwas, an dem sie sich festhalten können“, sagt Tochter Sylvia.
Dazu gehört auch der Osterkorb, der in der Osternacht geweiht wird. In den gehört neben der Osterkerze das Osterlamm als Zeichen für Jesus und das ewige Leben, klassisch mit einem Fähnchen mit dem Monogramm IHS (Iesus Hominum Salvator = Jesus ist der Erlöser der Menschen) geschmückt. Dazu kommt ein grüner Zweig – meist Buchs – als Zeichen der Hoffnung, ein Osterbrot als Zeichen des Lebens, ein G’räucherts als Zeichen für die Fülle der Gaben, in manchen Regionen auch etwa Kren für die Bitternis des Lebens sowie Ostereier, eines für jedes Familienmitglied. „Traditionell nimmt man dafür Speispfinsta-Oa“, sagt Kathi Schmid. Schmunzelt und fügt die Erklärung gleich an: Pfinsta ist der uralte Name für den Donnerstag und die Speispfinsta-Oa sind die am Gründonnerstag gelegten Eier. Ihnen wird nachgesagt, dass sie nicht verderben. Also werden sie gekocht, gefärbt und in den Weihekorb gegeben.
Die Speispfinsta-Oa und alle anderen geweihten Eier hatten früher noch eine weitere Verwendung, längst nachdem sie verspeist waren: Die Schalen wurden bis Ostersonntag gesammelt. „Wir sind dann immer mit meinem Vater zum Osterspaziergang, haben die Schalen der geweihten Eier auf Feld und Acker verstreut, dazu einen geweihten Palmzweig gesteckt – mit der Bitte um Segen und Fruchtbarkeit für den Boden.“
Manche Osterbräuche haben sich erhalten, wie die von Gründonnerstag bis Ostersonntag verstummten Glocken, andere, wie das Grablichtlschauen am Ostersamstag, sind weitgehend in Vergessenheit geraten.
Dazu gehört auch der traditionelle Ostergruß. Heute wünscht man sich „Frohe Ostern“, traditionell hieß es „Christus ist auferstanden“ und die Antwort war „Ja, er ist wahrhaft auferstanden“. In evangelischen Gemeinden hat sich dieser Gruß vielfach zumindest am Ostersonntag noch gehalten. Und in anderen Regionen der Welt.
Alten Ostergruß
erhalten
Kathi Schmid ist seit vielen Jahren engagiert in der Hilfe für die Diözese Ternopil in der Ukraine. Die Ostergrüße, die sie von dort bekommt, „die sind nicht mit Osterhasen verziert. Die zeigen immer den auferstandenen Jesus mit der Botschaft ‚Christus ist auferstanden‘“.
Übrigens: Ins Osternest fürs Patenkind gehören neben den anderen Gaben traditionell drei, fünf oder sieben gefärbte Eier.