Der Schatzsucher vom Höhenberg

von Redaktion

Ein Besuch im Privatmuseum des Aschauer Sondengehers Sebastian Aringer

Aschau – „Erst war es nur ein Hobby, mittlerweile ist es eine echte Passion“, sagt Sebastian Aringer aus Aschau über seine Tätigkeit als Sondengeher. Er hat es sich zur Aufgabe gemacht, seine Funde aus der frühen Geschichte seiner Heimat den Besuchern nahezubringen. Dazu hat er im Anbau seines Bauernhauses das „Fundmuseum Höhenberg“ eingerichtet, das er nach Terminvereinbarung für Interessierte öffnet.

Vor 15 Jahren hat Aringer mit der Suche mittels Metalldetektor begonnen. Zunächst auf den eigenen Wiesen rund um den Bauernhof. Nach den ersten kleinen Funden mit einer ausgeliehenen Sonde hat ihn das Fieber gepackt. Ein eigenes Gerät musste her, mit dem er seitdem oft nach Feierabend noch bis zu fünf Stunden unterwegs war. „Ein Wahnsinn“, sagt er, „dass meine Frau das immer so geduldig mitgemacht hat“.

Im Laufe der Zeit hat er unzählige Knöpfe, Gemmen, Fibeln, Spangen, Münzen, Beile und andere Gegenstände aus der Erde geholt. „Es braucht ein gutes Auge und ein bisschen Erfahrung, um einschätzen zu können, was man in Händen hält“, so Aringer. Zum Beispiel ein rund 6000 Jahre altes Beil aus der Kupferzeit, sein bisher ältester Fund.

Sensationeller Fund
2011 im Priental

2011 macht Aringer am „Eingang des Prientales“, näheres gibt er nicht preis, eine besondere Entdeckung: Auf Anraten seines alten Schulkameraden, Dr. Werner Zanier, Archäologe an der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, meldet Aringer den Fund und lässt ihn von Archäologen ausgraben. Die Sensation: Es handelt sich um zwei 3000 Jahre alte Urnengräber aus der Bronzezeit.

„Wichtig ist der Fundzusammenhang“, so Aringer. Werden zum Beispiel aus einer Grabstätte Teile entnommen, gehen wichtige historische Informationen verloren. Die Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Denkmalpflege (BLfD), bei dem alle Funde gemeldet werden müssen, ist für ihn selbstverständlich. „Der Wast ist ein echter Glücksfall für die Region“, sagt Werner Zanier.

Einige Jahre später hatte er erneut großes Finderglück. Diesmal in den Aschauer Bergen: Ein goldener Brustschmuck aus der Bronzezeit. Die feinen Teile zeugten von der damals hoch entwickelten Handwerkskunst.

Aringer sucht am selben Berg weiter und findet wenig später die „Fluchthöhlen“. Diese hätten über Jahrzehnte hinweg römischen Familien als Versteck vor germanischen Angreifern gedient, die die Höfe im Priental überfielen und plünderten.

„Ein seltener Beweis für die schwierige Situation der römischen Bewohner, die zwar in ihren Höfen einen hohen Lebensstandard hatten, aber aufgrund der Gefahren monatelang in Höhlen hausen mussten“, erklärt Annette Marquard-Mois, Historikerin und Mitinitiatorin des Projektes „Römerregion Chiemsee“.

Die Ausgrabungen des Brustschmuckes und der Fluchthöhlen übernahmen Experten. Zur Bergung transportieren Soldaten der Bundeswehr mit Mulis das Ausgrabungsgerät die Berghänge hinauf. Aringer opferte seinen Urlaub, um dabei sein und mithelfen zu können, erinnert er sich.

„Wenn ich das damals schon gewusst hätte, hätte ich mich in der Schule richtig angestrengt, um Archäologie studieren zu können“, berichtet Aringer. Ausgrabungsleiter Dr. Marcus Zagermann lobt die Zusammenarbeit: „Herr Aringer hat uns mit seinen handwerklichen Fähigkeiten sehr unterstützt und alle Arbeiten gemacht, die ein Archäologiestudent machen würde.“

Auch ohne Studium hat sich der Aschauer einiges an Wissen und Fertigkeiten auf diesem Gebiet angeeignet. Er verfügt über eine 60 Laufmeter große Bibliothek mit Fachliteratur, in der er bei neuen Funden recherchiert. Auch die Säuberung von Fundstücken unter dem Mikroskop übernimmt er selbst. Er hat sogar einen Restaurationskurs absolviert und in ein teures Sandstrahlgerät investiert.

Öffentlichkeit soll
Schätze sehen können

Den goldenen Brustschmuck hat Aringer an ein Museum abgegeben. Alle anderen Stücke sind aber in seinem Besitz und können in seinem kleinen Museum besichtigt werden. Er hält nichts davon, dass manche Sondengänger ihre Entdeckungen nur privat aufbewahren und sie nicht der Öffentlichkeit zugänglich machen oder sie sogar im Internet verkaufen. Sein Fundmuseum ist, wie auch die „Fluchthöhlen“, Station der „Römerregion Chiemsee“.

Historische Entdeckungen melden

Der Umgang mit sogenannten Bodendenkmälern ist im Bayerischen Denkmalschutz-Gesetz (BayDSchG) geregelt. So ist jeder historische Fund beim Landesamt für Denkmalpflege (BLfD) zu melden, damit die Funde wissenschaftlich fundiert geborgen und ausgewertet werden können. Der jeweilige Fund gehört dabei je zur Hälfte dem Finder und dem Grundeigentümer. Bodendenkmäler werden vom BLfD im Bayerischen Denkmal-Atlas, einer öffentlich zugänglichen Online-Karte, gekennzeichnet. Diese ist adressiert an Grundstückseigentümer, Gemeinden und Planer. Leider wird sie oft von Grabräubern missbraucht. Der BLfD beklagt das Verhalten vieler Sondengeher, die ihrer Meldepflicht nicht nachkommen und illegale Ausgrabungen durchführen.

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