Eklat um Urnengrab

von Redaktion

Bad Endorfer Verwaltung entfernt versehentlich Inschrift von reservierter Nische einer 85-Jährigen

Bad Endorf – Der eigene Tod. Ein schwieriges Thema, mit dem sich viele spät oder gar nicht auseinandersetzen wollen. Andere wiederum bereiten für ihr Ableben alles vor – sparen Rücklagen für die Beerdigung oder reservieren zum Beispiel eine Grabstelle.

So auch Vesna Szöke (85), die sich vor einigen Jahren in Bad Endorf eine Grabnische reservierte. Während des Friedhofumbaus wurde die Inschrift jedoch versehentlich von der Verwaltung entfernt. Daraufhin entbrannte ein nicht zu schlichtender Streit.

„Wenn ich sterbe, will ich nicht dort sein, auf keinen Fall“, sagt Vesna Szöke. Damit meint sie den Friedhof in Bad Endorf. 15 Jahre hat sie in der Marktgemeinde gelebt, bevor sie vor Kurzem nach Bad Bellingen (Baden-Württemberg) gezogen ist. Beerdigt werden wollte sie aber in Bad Endorf. Der Friedhof sei sehr schön und sie habe sich im Chiemgau immer sehr wohlgefühlt.

Bekannte bemerkten
den Vorfall

Doch nun sei das Vertrauen gebrochen, berichtet die 85-Jährige. „Ein Bekannter hat mich angerufen und gesagt, mein Grab sei weg.“ Den Schriftzug, den sie auf dem Stein der Urnennische anbringen ließ, sei entfernt worden.

Da Ostern war, konnte sie niemanden in der Gemeinde erreichen. Im Anschluss daran habe sie sich an die Verwaltung sowie den Bürgermeister gewandt. „Für mich sind dadurch Unkosten entstanden. Die Gemeinde verweigert mir jedoch eine Entschädigung“, klagt sie.

Auch wenn es eher unüblich ist, ließ Szöke ihren Grabstein bereits beschriften. Das Todesdatum blieb offen. „Mein Sohn ist 2019 verstorben. Ich habe sonst niemanden, der sich darum kümmert.“

Hinzu käme, dass dem Steinmetz laut Szöke ein Fehler unterlaufen sei und er sich beim Geburtsjahr vertan hat – 1925 statt 1935.

„Deswegen habe ich die Rechnung noch nicht bezahlt“, sagt die gebürtige Kroatin. Diese sei nun fällig.

Den neu angefertigten Schriftzug habe sie sich von der Verwaltung zuschicken lassen. Denn nach dem Vorfall wolle sie lieber in Kroatien beerdigt werden. Dort habe sie bereits eine neue Urnennische reserviert.

Das Endorfer Grab sei noch für vier weitere Jahre bezahlt. Für den Fehler und die Mehrkosten für die Beschaffung einer neuen letzten Ruhestätte, forderte sie von der Gemeinde Bad Endorf eine Entschädigung von 200 Euro.

Doch die Gemeinde lehnt das ab. „Es ist uns wirklich peinlich, was da passiert ist. Und wir haben mit allen Mitteln versucht, dieses Missverständnis zu klären“, erklärt Bad Endorfs Bürgermeister Alois Loferer (CSU). Trotz mehrfacher Entschuldigung hätten sich die Fronten verhärtet.

Zu dem Vorfall kam es laut Loferer aufgrund der Umbauarbeiten am Friedhof. Dabei wurden die Urnennischen überprüft. Da die von Szöke leer war – sie lebt ja noch – wurde die Schrift irrtümlicherweise abmontiert.

Für eine anteilige Rückerstattung der Kosten gäbe es keine rechtliche Grundlage, erläutert Katharina Schneider, Leiterin des Standesamtes und der Friedhofsverwaltung. „Frau Szöke hat das Grab für zehn Jahre bezahlt. Laut unserer Satzung ist eine vorzeitige Auflösung möglich, jedoch ohne Kostenerstattung.“ Dies habe die Seniorin unterschrieben.

Daraufhin sei es zu weiteren Auseinandersetzung gekommen. „Wir wurden auch beschimpft, ausländerfeindlich zu sein“, sagt Schneider. Von diesen Vorwürfen distanziere man sich ganz klar. Auch Bürgermeister Loferer bekräftigt: „Es ist natürlich ein sensibles Thema und es steckte wirklich keine böse Absicht dahinter. Durch den Umbau kam es zu diesem Versehen.“

Unklarheiten in
der Vergangenheit

Zudem habe es auch eine Vorgeschichte gegeben: „Bereits im vergangenen Jahr hatte Frau Szöke angefragt, das Grab auflösen zu lassen“, berichtet Schneider. Nachdem man ihr erläutert habe, dass es keine Rückerstattung der Kosten gebe, habe sie sich dazu entschlossen, die Nische doch zu behalten.

Für Vesna Szöke ist dieser Vorfall unentschuldbar und sie bleibt dabei: „Nachdem, was die mir angetan haben, will ich dort nicht ruhen.“

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