Leserforum

Umdenken beim Umgang mit Grünflächen dringend vonnöten

von Redaktion

Zum Artikel „Möglichkeiten konsequent nutzen“ (Lokalteil):

Wie dringend es ist, gegen die zunehmende Bedrohung durch Starkregenereignisse und Überschwemmungen etwas zu unternehmen, zeigt die im Artikel vorgestellte Broschüre „Wassersensible Siedlungsentwicklung“. Als Maßnahmen werden genannt: schattenspendende Bäume, Dach- und Fassadenbegrünung, Verzicht auf Versiegelung und Sickermulden.

In meinem persönlichen Umfeld kann ich von solchen Bemühungen leider nichts feststellen, im Gegenteil: Seit Jahrzehnten nehmen in Bad Endorf Bäume und Grünflächen immer schneller ab. Eine zunehmend verdichtete Bauweise mit weitestgehender Versiegelung der Flächen wird nicht nur im privaten Bereich genehmigt. Man sieht sich auch getäuscht, wenn man annimmt, die Gemeinde könnte bei eigenen Projekten vorbildlich planen. Nur ein Beispiel: Das Areal „neue Kindertagesstätte am Katharinenheim“: Weder eine Fassaden- noch eine Dachbegrünung ist dem Plan zu entnehmen, auch keine Solarenergienutzung. Die vielen Bäume und Sträucher mussten alle weichen, was auch mit den auf dem Gelände vorgefundenen Altlasten begründet wurde. Ob es wirklich zwingend notwendig war, wage ich auf- grund meiner früheren beruflichen Erfahrungen zu bezweifeln. Besonders unverhältnismäßig wirkt die Rodungsaktion auf der gegenüberliegenden Straßenseite wegen nur fünf Parkplätzen, ja letztlich nur drei neuen. Dass als Ausgleich einige Neupflanzungen vorgesehen sind, ändert nichts daran, dass die neu gepflanzten Bäume viele Jahre benötigen, bis sie als Klimaverbesserer, Schattenspender oder Wasserspeicher fungieren können.

Ob die Gemeinde künftig bei ihren Planungen anders handeln wird? Ich fürchte nein, doch man soll die Hoffnung nie aufgeben. Ein Umdenkprozess wäre jedenfalls nicht nur wünschenswert, sondern absolut vonnöten!

Dr. Erwin Rupprecht

Bad Endorf

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