„Macht es wie Österreich!“

von Redaktion

Rohrdorfer Elternbeiratsvorsitzende fordert inzidenzunabhängigen Grundschulbetrieb

Rohrdorf – Eine Grundschule, in der alle Kinder im Unterricht sitzen, jeden Tag, ausnahmslos. Was sich in Deutschland anhört wie 2019, ist im Nachbarland Österreich aktuell Realität. Eine Realität, nach der sich auch Bernadette Hollinger (36) sehnt.

Sie ist Elternbeiratsvorsitzende der Grundschule Rohrdorf. Die Mutter zweier Kinder fordert, auch hier die Grundschüler inzidenzunabhängig in die Klassen zu lassen. „Die Situation jetzt gerade ist unglaublich frustrierend“, sagt sie.

Jungen und Mädchen
bei Apotheke testen

Denn seit dieser Woche müssen alle Grundschüler, mit Ausnahme der Viertklässler, wieder von zuhause aus lernen. Das ist genau das, was Bernadette Hollinger vermeiden wollte. Und weil sie eine Frau ist, die nicht nur reden, sondern auch handeln will, hat sie sich auch dafür eingesetzt.

Gemeinsam mit der Apotheke in Thansau, dem Sozialwerk und Rohrdorfs Bürgermeister hatte sie erwirkt, dass die außerschulischen Testkapazitäten ausgeweitet werden. Heißt: Seit dieser Woche können alle Grundschüler nachmittags in dem Container neben der Apotheke einen Selbsttest machen. Dieses Angebot sei für alle Eltern, die ihre Jüngsten in der Schule nicht allein dem Wattestäbchen überlassen wollen, erklärt die Elternbeiratsvorsitzende. Wer am Präsenz- beziehungsweise Wechselunterricht teilnehmen will, braucht zwei negative Schnelltests pro Woche.

Doch seit Montag ist wegen der Inzidenz über 100 die Schule wieder zu, die meisten Kinder sind daheim. Eine Sache, die Bernadette Hollinger so nicht auf sich sitzen lassen will. Vor allem nicht, da Bayerns Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) verkündet hatte, dass Selbsttests „die Perspektive für mehr Präsenzunterricht“ eröffnen würden. Darüber kann Bernadette Hollinger nur lachen. Man schaffe die Infrastruktur zum Testen, die Kinder würden seit Langem Masken tragen und dann? „Wir tun alles für mehr Präsenz und bekommen nichts“, sagt sie.

Sie appelliert an die Politiker Piazolo, Rosenheims Landtagsabgeordneten Klaus Stöttner und zahlreiche weitere, auch hier die Grundschüler inzidenzunabhängig in die Klassen zu lassen – wie in Österreich eben. Nicht nur, um den Mädchen und Jungen den Ort zurückzugeben, der ihnen laut Hollinger offenbar sehr fehlt. Ihr Sohn ist acht Jahre alt und geht in die zweite Klasse. „Er hat auch schon mal geweint, weil er einfach wieder in die Schule wollte“, erzählt sie. Sondern auch, um die Eltern zu entlasten, von denen viele „auf dem Zahnfleisch gehen“ würden.

Das Kultusministerium verweist auf die Frage, ob das Österreich-Modell auch hier möglich wäre, vage auf die Infektionsschutzmaßnahmenverordnung und die Sieben-Tage-Inzidenz im jeweiligen Landkreis. Davon hingen entsprechende Öffnungsschritte ab. Dafür sei aber auch nicht das Kultusministerium zuständig, sondern die Gesundheitsbehörden.

„Wir können sehr gut verstehen, dass man sich insbesondere in den von hohen Inzidenzwerten betroffenen Regionen nach mehr Präsenzunterricht sehnt“, sagt Sprecher Lukas Strehle. Wieder allen Schülern Präsenzunterricht zu ermöglichen, bleibe neben dem Gesundheitsschutz das „vorrangige Ziel“.

Stöttner: Wert
für Schulen wichtig

Dasselbe sagt auch CSU-Politiker Klaus Stöttner auf Anfrage: „Bildung ist für die persönliche Entwicklung der Kinder und Jugendlichen unersetzbar.“ Aber die Inzidenz müsse auch in Bezug auf Schulen weiterhin miteinbezogen werden, da sie „eine gute Prognose für den weiteren Verlauf der Infektionszahlen“ bildeten.

In den vergangenen Monaten seien in Bereichen wie Impfen, Testen und dem Arbeiten mit Luftreinigungsgeräten oder CO²-Messern „erhebliche Fortschritte“ erzielt worden. Deshalb ist Stöttner überzeugt: „Die Schulen werden sich schon bald wieder im Regelbetrieb befinden.“ Ob das so kommt, wird sich zeigen.

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