Gegen Staatsstraße als Lkw-Rennstrecke

von Redaktion

Gemeinderat Prutting und Anwohner fordern Tempolimit und Tonnagebeschränkung

Prutting – Mit Bangen sehen die Orte entlang der Staatsstraße 2359 auf diesen Sommer: Vier Monate, vom 7. Juni bis zum 1. Oktober, wird die B15 teilweise oder ganz gesperrt sein. Und die Staatsstraße ist dann die offizielle Umleitungsroute.

Probleme bereitet den Anliegergemeinden – dies sind Stephanskirchen, Prutting, Vogtareuth und Griesstätt – dabei vor allem der Schwerlastverkehr. Beim letzten Mal, als diese Strecke zur Umleitungsroute wurde, zählten Anwohner an einem Wochentag über 1200 Lastwagen (wir berichteten). Verständlich, dass die Gemeinderatsgremien aller betroffenen Gemeinden nach Möglichkeiten suchen, um die vier Monate wenigstens halbwegs erträglich zu machen.

Wenig Möglichkeiten für die Gemeinde

Für Prutting geht es dabei um den Ortsteil Niedernburg, den die 2359 in engkurviger Straßenführung durchschneidet. Dass die Eingriffsmöglichkeiten beschränkt sind, war bei der letzten Gemeinderatssitzung in Prutting schon von vornherein klar. Innerorts Tempo 30 und die Reduzierung der Lkws über 7,5 Tonnen nur auf den regionalen Verkehr wären seit Langem ein Wunsch der Anlieger. Ihnen sind vor allem die „Mautflüchtlinge“ ein Dorn im Auge, also jene Lastwagen, die versuchen, die B 15 zu meiden, weil diese mautpflichtig ist.

Entsprechende Vorstöße beim Straßenbauamt gab es seitens der Anlieger bereits 2019, die jedoch nicht zum Erfolg führten. Dass mit der Forderung nach einer Temporeduzierung oder einer Tonnagebeschränkung wohl nichts zu erreichen sei, bestätigte auch Klaus Stöttner, Landtagsabgeordneter und ehemaliger Pruttinger Gemeinderat (CSU). Er war bei der Sitzung anwesend und bekam zu dieser Frage ein Rederecht eingeräumt. Es handele sich hier eben um eine Staatsstraße, so erklärte er, bei der derartige Beschränkungen leider kaum durchzusetzen seien.

Dennoch wollen die Pruttinger Gemeinderäte nichts unversucht lassen. Hans Maier (ULP) verwies etwa auf das Beispiel von Grünwald. Dort sei es sehr wohl möglich gewesen, eine Staatsstraße auf Tempo 30 zu reduzieren. Petra Linner (CSU) nannte als Vorbild Österreich:

Da sei es offenbar kein Problem, auch überörtliche Straßen nur für den regionalen Lkw-Verkehr freizugeben, für den Fernverkehr aber zu sperren. Mathias Huber (CSU) meinte, es handele sich gerade bei einer Tonnagebeschränkung um eine Ermessensangelegenheit, von daher sei es wohl einfach erforderlich, dass die betroffenen Gemeinden gemeinsam entsprechenden Druck für ihr Anliegen aufbauten.

Dieser Gedanke fand im Gremium allgemeinen Beifall, die Verwaltung soll, so beschloss man einstimmig, zusammen mit den anderen Gemeinden möglichst schnell einen gemeinsamen Termin beim Straßenbauamt suchen. Das Ziel dabei: Zumindest für den Zeitraum der Umleitungsstrecke Beschränkungen hinsichtlich Tonnage und Geschwindigkeit zu erreichen. Ein Weg, den auch Klaus Stöttner, der einige Jahre selbst direkt an der Staatsstraße wohnte, für das aussichtsreichste Vorgehen hielt.

Mautflüchtlinge
ins Visier nehmen

Der Beschluss ging jedoch über den Zeitraum, in dem die Staatsstraße 2359 als Umleitungsstrecke dient, hinaus. Der Gemeinderat beschloss einstimmig, vom Straßenbauamt eine tragfähige Verkehrszählung zu fordern, also eine, die unbeeinflusst von einer etwaigen Verkehrsreduzierung infolge der Corona-Pandemie sei. Dabei sei der Lkw-Ausweichverkehr als Ergebnis der Bemautung der B15 gesondert zu berücksichtigen.

Bezüglich einer möglichen Verkehrsreduzierung wird beim Landratsamt beantragt, den Schwerverkehr über 7,5 Tonnen durch entsprechende Tonnagebeschränkungen großräumig auf der B15 beziehungsweise den Autobahnen A8, A99 und A94 zu halten. Vor Ort sei in Niedernburg eine Querungshilfe einzurichten.

Die Verkehrsbelastung, so die Meinung des Gemeinderats, hätte auch ohne Umleitung mittlerweile eine Dimension erreicht, die grundsätzliche Maßnahmen unvermeidlich mache.

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