Samerberg – Seit gut 110 Jahren gibt es auf dem Samerberg Theateraufführungen. Besonders viel Theaterblut in ihren Adern haben die Mitglieder der Theatergruppe vom Grainbacher Trachtenverein Hochries-Samerberg. Doch seit einem guten Jahr ist es aus mit der Theaterspielerei, Corona hat die Vorhänge und Saal-Eingangstüren geschlossen. Was bleibt, sind Erinnerungen und die Hoffnung, dass sich bald wieder Aufführungen vorbereiten lassen.
Anfangs, um die vorletzte Jahrhundertwende, wurden in Grainbach vor allem Einakter zur Weihnachtszeit oder bei Christbaumversteigerungen gespielt. Später kamen dann Dreiakter dazu. Einen regen Aufschwung nahm das Theaterspiel nach dem Zweiten Weltkrieg. So lässt sich in der Chronik des Vereins (120 Jahre von 1896 bis 2016 – erhältlich bei dem Vorstand) ein Eintrag finden, demzufolge im Jahr 1948 beim Stück „Der Gankerl von Berchtesgaden“ rund 500 Besucher gezählt werden konnten. Dieser Erfolg beflügelte, und es folgte im darauffolgenden Jahr das Stück „Jennerweins Ende“ mit Zusatzaufführungen sogar in Frasdorf, Aschau und München. In den 50er-Jahren wurde es wieder etwas ruhiger um das Theater. Dieser Zeit schlossen sich wieder wackere Auftritte an. Der Neubau der Bühne im 1986 sorgte erneut für einen Aufschwung, und noch mehr florierte der Zuspruch ab 1992, als Peter Wiesholzer die Theaterleitung für 25 Jahre übernahm. Fünf Stücke, unter anderem „Der Aufschwung“, die „Meereskrise“ oder „Die Energieblende“, schrieb Wiesholzer als Regisseur und Hauptdarsteller selbst. Ihm folgte für zwei Jahre Georg Brandmaier als Theaterleiter, zuletzt war Robert Dörper um eine Stückauswahl bemüht – wegen Corona jedoch bislang vergeblich. Trachtenvorsitzender Peter Sattlberger hofft natürlich, dass sich der Theatervorhang bald wieder öffnet, wenn er sagt: „Bei Standard-Stücken sind rund 20 Leute vor, auf und hinter der Bühne ehrenamtlich tätig, bei größeren Stücken sind es bis zu 40 Frauen und Männer – ihnen und uns wünschen wir, dass die Theaterfreude über die theaterfreien Zeiten hinaus anhält.“
Ein Fiasko ist es seit dem Ausbruch des Coronavirus mit der bairischen Sprache. Weltweit beherrschen Begriffe in Zusammenhang mit der Pandemie die Medien, Nachrichten und Schlagzeilen: Hotspots überall, Homeoffice, Homeschooling, Lock- und Shutdown, „to go“, „drive-in“, Superspreader oder Online-Meeting – das ist nur eine Auswahl von Wörtern, die auf dem Samerberg zum Nachdenken angeregt haben. „Ein Theater ist es, dass wir fast nur noch englische Begriffe hören, so als ob man dafür keine deutsche oder bairische Bezeichnung mehr finden könnte“, so Landwirt Konrad Estermann, der als langjähriger Theaterspieler beim Trachtenverein Hochries-Samerberg in Grainbach wegen Corona auf Theaterstück-Studien und gar Auftritte verzichten muss.hoe