Eggstätt – Wohin geht es mit Eggstätt? Eine Antwort auf diese Frage wurde jüngst bei einer außerordentlichen Gemeinderatssitzung gesucht. Der Geschäftsführende Gesellschafter des Münchner Planungsbüros Dragomir Martin Birgel informierte über Möglichkeiten und Ablauf des Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzeptes (ISEK) und der Städtebauförderung.
Denn im Gemeinderat war der Wunsch nach einem Leitbild für Eggstätt 2040 laut geworden.
Einführend merkten Bauamtsleiter Bernd Ruth und auch Bürgermeister Christian Glas (FB) an, dass es fünf „Hotspots“ gebe, die unter den Nägeln brennen, darunter das Hartseefreizeitgelände, die leer stehende Gaststätte, die Parkplatzproblematik, die Ortsmitte mit Kita und Rathaus sowie das ASV- Sportheim.
Viele Wünsche von
den Gemeinderäten
Auch die Gemeinderäte konnten ihre Vorstellungen erläutern: Jakob Illi (Grüne) erklärte, ihm fehle ein Dorfzentrum, und Helmut Hundhammer (CSU) regte an, die Punkte Baugebiete für Einheimische samt grünen Brachen und Trittsteinen sowie Gewerbegebiete miteinzubeziehen.
Petra Güra (FB) forderte einen sanften Tourismus. Gerhard Eder (ÜWG) hingegen meinte, es seien zu viele Ortsfremde am Wochenende im Ort. Katharina Weinberger (Grüne) befand, es fehle „ein großes Konzept für und mit allen Bürgern“. Deswegen sehe sie ISEK als Chance.
Stadtplaner Birgel hakte an der Stelle ein. Alle angeführten Punkte seien Einzelmaßnahmen, die städtebaulich gefördert werden könnten. Für ISEK aber „müssen Sie konkreter werden. Sie brauchen eine übergreifende Planung“. Denn das Konzept habe das Ziel, die räumlichen und thematischen Aufgaben der Ortsentwicklung zu ordnen, Zusammenhänge und Abhängigkeiten herauszufiltern und Lösungen zu erarbeiten. Jede Kommune, die Fördermittel in Anspruch nehmen will, müsse ein ISEK erstellen. Dieses sei ein wichtiges Mittel für die Planungshoheit einer Gemeinde und eine hilfreiche Entscheidungsgrundlage für die Politik.
Wichtig sei dabei die Mitnahme der Bürger: Jung und Alt würden in den Planungsprozess miteingebunden. Dieser dauere – von der thematischen Bestandsaufnahme bis zum Abschlussbericht – mindestens zwölf Monate, so Birgel. Erst danach könne der Gemeinderat mit einem Satzungsbeschluss eine Sanierung angehen. ISEK sei die Basis für die nächsten 15 bis 20 Jahre in Eggstätt.
Die Gemeinde müsse dann das Konzept mit jährlicher Evaluierung, Bedarfsanmeldung und Fördermittel-Anträgen vorantreiben. Seit 2020 würden die Programme in die drei Bereiche „Lebendige Zentren“, „Sozialer Zusammenschluss“ sowie „Wachstum und nachhaltige Erneuerung“ gegliedert. Zudem gebe es das bayerische Städtebauförderprogramm sowohl für Gesamtmaßnahmen oder Einzelvorhaben.
Auf Nachfragen von Helmut Hundhammer (CSU) erklärte Birgel, dass Baugebiete nicht gefördert werden. Die Förderung eines Sportheims sei aber möglich, sofern dieses im Sanierungsgebiet liege. Gerhard Eder (ÜWG) befand, die Frage sei nicht, „wo können, sondern wo dürfen wir wachsen?“ Ein Einwand, den Bürgermeister Glas bestätigte: „Wir haben FFH, wir haben Natura 2000.“ Dem gegenüber stünden viele Einzelmaßnahmen wie der Hartsee oder die Ortsmitte.
Bauamtsleiter Bernd Ruth wiederum betrachtete einzelne Punkte „als Außenstehender“: „Warum nicht Tennis- und Sportplatz, die mitten im Ort liegen, zugunsten von Wohnungsbau verlagern?“ Außerdem, so Ruth, fehle ein kommunales Gebäude als Bürgersaal.
Ansprechende
Dorfmitte ist wichtig
Petra Güra (FB) wollte beim Stichwort sanfter Tourismus Einheimische und Gäste in Einklang bringen. Birgel merkte hierzu an: „Sie brauchen Tourismus, aber es braucht auch eine Dorfmitte, Betriebe, ansprechende Unterkünfte, um Geld vor Ort zu lassen.“
Marianne Schönhuber (ÜWG) folgerte, dass man nichts übers Knie brechen dürfe. Man müsse also erst ein Grundgerüst erstellen oder in Klausur gehen.
Ein Stichwort, das auch Bürgermeister Glas aufgriff und die Gemeinderäte darum bat, „in sich zu gehen“, aber auch Alteingesessenen und Neubürgern zuzuhören. Im Herbst wolle er eine erneute Sitzung für konkretere Ideen anberaumen.