Rott – Um die Ecke denken, das kann er. „Ja durchaus“, bestätigt Dr. Richard Kirchlechner schmunzelnd, nachdem er seit Jahren Wörter „quer“ daherbringt und mit ihnen wie ein Wortakrobat jongliert. Kein Buchstabe ist sicher vor dem Mann mit Doktortitel.
Dr. Richard Kirchlechner aus Rott sammelt seit Jahren Wortspiele. Inzwischen sind daraus sechs Bücher mit zusammen 1675 Seiten und 1300 Abbildungen geworden – die umfangreichste Sammlung im deutschen Sprachraum, wie er erklärt.
Kirchlechner ist ein gebürtiger Rotter, hat an der Technischen Universität in München Chemie studiert und promoviert. Er war viele Jahre als Forscher in der pharmazeutischen Industrie tätig. Obwohl er sich bestens mit einem Chemiebaukasten auskennt, braucht er zum Wörtertüfteln kein Labor, nur seinen Humor.
Im Ruhestand hatte er dann endlich Zeit für seine Hobbys: Das Schreiben und seine geliebten Wortspielereien. Er hat außerdem drei Bücher über Rott verfasst und eines über seine Ruhestandsradtouren in Europa.
Kirchlechner erzählt, was Wortspiele überhaupt sind. Es handelt sich um rhetorische Figuren, wie etwa Anagramme, Palindrome, Schüttelreime, Reime generell, Scherzfragen, Buchstabendreher, Zungenbrecher, Sprüche, kuriose Synonyme, Witze mit sprachlicher Pointe.
Man merkt ihm seine Begeisterung an, wenn er davon erzählt. Seine sechs Sprachakrobatik-Werke enthalten auch viele Beispiele aus Sprachen der Nachtbarländer. Auch Dialekte, wie Bairisch, Fränkisch und Schwäbisch kommen nicht zu kurz.
Wie aber geht das nun, mit dem lustigen Anagrammieren? Dr. Richard Kirchlechner erläutert: Schüttelt man ein Wort oder einen Namen, dann erhält man neben vielem Unsinnigen auch etwas Sinnvolles, so ist das ein Anagramm. Beispiel: Mietshaus und Atheismus.
Er selbst ist inzwischen unwahrscheinlich kreativ auf diesem Gebiet und gibt ein paar Kostproben aus seinem aktuellen Buch zum besten: Markus Söder ist ein „Amokdresseur“, steht da drin. Horst Seehofer ist der „froheste Heros“, Sigmar Gabriel wird zu „Laib Griesgram“ und bei Ilse Aigner ist der „Elan riesig“. Und die Kanzlerin? Angela Merkel ist ein „Karamelengel“. Letzterer ist Teil des Buchtitels.
Palindrome mag er auch, der Dr. Kirchlechner. Gemeint sind Wörter oder Sätze, die vor- und rückwärts gelesen gleich sind, wie „Ein Esel lese nie“, oder „Oh Cello voll Echo.“
Und als Beispiel für einen heiteren bayerischen Schüttelreim zitiert der Autor: „Auf Heirat hat die Susi g’spitzt, jetzt hört sie, dass ihr G’spusi sitzt.“ Bittet der Rotter im Bekanntenkreis die Runde, einen Satz zu bilden, in dem als Vokal nur das „e“ vorkommt, so erreicht kaum jemand mehr als zehn „e“.
Kirchlechner aber kennt einen Satz mit 100 „e“, und das Erstaunen ist groß. Er lautet: „Der ehrenwerte Ebersberger Segellehrer Peter Senefelder verzehrte, neben Erdbeerbeeten stehend, mehrere hellgelbe, erlesene, ekelerregende Meereslebewesen, weswegen er bemerkenswert schwere Leberbeschwerden erlebte, welche selbstredend sehr selten entstehen – entgegen lesenswerten Rezepten gegen Rentnersterben.“
Kirchlechner findet, dass Wortspielereien besonders auch für ältere Menschen interessant sind, denen umfangreiche Texte oft zu lang werden, außerdem werden sie so zum Schmunzeln angeregt. Ebenso würden Kinder davon profitieren, wenn sie sich damit befassen. Eine Steigerung um eine halbe Deutschnote sei durchaus möglich, wie ein Lehrer bestätigte. Die sechs Bücher über Wortspiele können über den Buchhandel bezogen werden oder auch direkt portofrei beim Autor. Richard Helm