Schadstoffe im Gully entsorgt

von Redaktion

Gemeinde Eggstätt muss Abwassersystem sanieren – Keine akute Gefahr für Bürger

Eggstätt – Bürgermeister Christian Glas ist – gelinde gesagt – erbost: „Da nimmt jemand offensichtlich Schäden an der Gesundheit seiner Mitmenschen und Schäden an der Natur in Kauf und leitet hoch belastetes Material in ein Filterbecken ein…“

Ein ortsfremder Unternehmer hat illegal eine Flüssigkeit in einen Gully im Gewerbegebiet Natzing abgelassen. Über das geschlossene Regenwasserkanalsystem gelangten so Schadstoffe des Typs PFT, perfluorierte Tenside, in das Rückstau- und Filterbecken des Gewerbegebiets. Eine unmittelbare Gefahr bestehe für die Bevölkerung nicht, versichert Glas. Das Filterbecken gehört zur Abwasserentsorgung, nicht zur Trinkwasserversorgung. Die Gemeinde muss sich nun aber mit einer umfassenden Sanierung des Retentionsfilterbeckens auseinandersetzen.

Verursacher auf
frischer Tat ertappt

Der Verursacher wurde von Beamten der Polizeiinspektion Prien aufgrund eines Tipps auf frischer Tat ertappt. Die zuständige Staatsanwaltschaft Traunstein hat ein Ermittlungsverfahren, unter anderem wegen des Verdachts der Gewässerverunreinigung, eingeleitet.

Unmittelbar nach der Verunreinigung, die der Gemeinde Ostern bekannt wurde, hätten sie die Fachbehörden eingeschaltet und arbeiten seitdem eng mit diesen zusammen, so der Bürgermeister.

Um die Ausbreitung der Schadstoffe so frühzeitig wie möglich zu verhindern, hat die Gemeinde Eggstätt Fachfirmen beauftragt und das Kanalsystem mittels einer Hochdruckreinigungsanlage spülen lassen. Die gebrauchten 14 Kubikmeter Spülwasser, die ein durchschnittliches deutsches Badezimmer bis knapp unter die Decke füllen würden, wurden aufgefangen und fachgerecht gelagert. Zudem wurde in einem zweiten Schritt der Boden des Rückhaltebeckens lagenweise abgetragen. Insgesamt 500 Kubikmeter Erdreich werden seitdem verpackt in einer Lagerhalle zwischengelagert. „Alles Sondermüll, den wir irgendwann entsorgen müssen“, so Glas.

Um die Auswirkungen auf die Umwelt, insbesondere auf das Grundwasser, sicher bewerten zu können, haben das Wasserwirtschaftsamt (WWA) Rosenheim sowie die zur Sanierung des Beckens beauftragte Fachfirma fortlaufend Boden- und Wasserproben entnommen und tun das noch. Eine unmittelbare Gefährdung der Bevölkerung, darauf legen auch die Fachleute Wert, liege nicht vor. Je nach Ergebnislage werden die weiteren Schritte veranlasst.

Trinkwasserversorger sind informiert

Da das betroffene Retentionsfilterbecken direkt an die Wasserschutzzone drei des Wasserwerks Bad Endorf anschließt, hat die Gemeindeverwaltung Eggstätt sofort die Trinkwasserversorger aus Bad Endorf, Breitbrunn und Eggstätt über die eingeleiteten Maßnahmen informiert.

Die gesamten Sanierungsarbeiten haben die Gemeinde bisher laut Glas bereits rund 100000 Euro gekostet – „und nach oben ist noch sehr viel Luft“. Es könnte im ungünstigsten Fall siebenstellig werden. Die Gemeinde muss in Vorleistung gehen. Und falls der Verursacher keine entsprechende Versicherung habe, befürchtet Glas, sehe die Gemeinde vermutlich keinen Cent wieder.

Alle Maßnahmen erfolgen in enger Absprache mit dem Wasserwirtschaftsamt und dem Landratsamt Rosenheim, Sachgebiet Wasserrecht und Wasserwirtschaft. Neben dem Gewässerunterhaltungszweckverband Rosenheim (GUZV) wurde mit der R & H Umwelt GmbH eine erfahrene Fachfirma mit der Durchführung der Sanierungsarbeiten betraut.

Was sind perfluorierte Tenside (PFT)?

PFT-Verbindungen werden hauptsächlich in der Textilindustrie zur Herstellung atmungsaktiver Jacken, in der Papierindustrie zur Herstellung von schmutz-, fett- und wasserabweisenden Papieren sowie zur Herstellung von Feuerlöschmitteln verwendet. Weitere Einsatzgebiete sind die Fotoindustrie, die Luftfahrt und die Verchromung. Sie können auch Bestandteil von Schmier- und Imprägniermitteln sein.

Perfluorierte Tenside sind für Menschen und Tiere toxisch und stehen im Verdacht, Krebs zu verursachen und sich auf die Fortpflanzungsfähigkeit auszuwirken. Im Körper reichern sich PFT im Blut und im Organgewebe an und werden nur langsam abgebaut – in 4,5 Jahren etwa um die Hälfte. PFT gelten als in der Natur nicht abbaubar. Mittlerweile sind die Chemikalien dieser Gruppe weltweit verbreitet und wurden zum Beispiel in Leberproben von Eisbären nachgewiesen.

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