Schottische Rinder als Naturschützer

von Redaktion

Beweidung im Ameranger Moos unterstützt die Artenvielfalt

Amerang – Naturschutz und Landwirtschaft gehen Hand in Hand – was künftig auf einer Streuwiese im Ameranger Moos wächst, dafür sind ab sofort Felix, Basti und Olaf mitverantwortlich. Die drei Schottischen Hochlandrinder haben auf der 2,44 Hektar großen Fläche inmitten des Halfinger Freimoos den Sommer über Quartier bezogen und sind damit Teil einer Naturschutzmaßnahme, die die Gemeinde Amerang aktuell in Zusammenarbeit mit einem hiesigen Landwirt, der Unteren Naturschutzbehörde und dem Landschaftspflegeverband Rosenheim umsetzt. „Artenvielfalt durch Beweidung“ lautet das Schlagwort. Und hier kommen Felix, Basti und Olaf ins Spiel, denn die Schottischen Hochlandrinder sind für die Beweidung in unwegsamem Gelände bestens geeignet.

Drei Jungbullen
umgesiedelt

Landwirt Markus Warmedinger hat die drei Jungbullen aus seiner Herde ins Ameranger Moos umgesiedelt. Und die fühlten sich bei wechselhaftem Aprilwetter in ihrer neuen Umgebung sichtlich wohl. Sofort nachdem sie ihr Transportgatter verlassen hatten, machten sie sich auf Erkundungstour. „Highlands sind anspruchslos und robust. Sie sind das ganze Jahr über im Freien, kommen ohne Kraftfutter und saftige Weiden aus und sind in ihrer Futterauswahl wenig wählerisch“, erklärt der Landwirt, der seit sechs Jahren Erfahrung mit Hochlandrindern gesammelt hat. Seine drei Jungbullen grasen nun im Ameranger Moos auch verbuschte oder schwer zugängliche Flächen ab und fungieren dabei als Landschaftspfleger.

Denn die „Highlands“ sind leicht und kommen deshalb auch in Feuchtgebieten gut zurecht, ohne die Grasnarbe zu zerstören. So halten sie den Bewuchs kurz und lassen im Lauf der Zeit eine biodiverse Weidefläche entstehen. Ihre Trittmulden bieten den Nährboden für Wildpflanzen, Kräuter und Insekten.

Die Wissenschaft
ist interessiert

„Durch den Dung der Tiere und den Tritt entstehen kleinteilige Bodenstrukturen, die von bestimmten Insektenarten wie Käfer, Fliegen, Schmetterlinge, Ameisen und so weiter angenommen werden. Dadurch werden wiederum weitere Tierarten – beispielsweise Insekten und zahlreiche Vogelarten – angelockt oder Samen verteilt, sodass sich der Artenreichtum erhöht“, erklärt Gaby Mückenberg vom Landschaftspflegeverband.

Der bisher artenarme und schwer zu mähende Pflanzenbestand könne somit spürbar aufgewertet werden. „Es ist spannend, wie sich die verschiedenen Strukturen verändern werden“, findet Biodiversitätsberater Jonas Garschhammer, der das Projekt wissenschaftlich begleitet. Die Erkenntnisse würden in weitere Programme einfließen.

Eine Streuwiese kann bis zu 100 Pflanzenarten aufweisen

Ein Großteil des Halfinger Freimoos war Anfang des 19. Jahrhunderts noch Allgemeinbesitz (daher: Freimoos). Erst Mitte des 19. Jahrhunderts wurden erste Pläne zur systematischen Entwässerung des Freimooses erstellt, um die Gefahr jährlich wiederkehrender Hochwasser zu bannen und um Kulturland zu gewinnen. Anfang des 20. Jahrhunderts begann mit einem umfangreichen Entwässerungssystem die Absenkung der Seespiegel. Die trockengelegten Flächen wurden teilweise abgetorft, aufgeforstet oder im Niedermoorbereich als Streuwiesen und Weideflächen genutzt.

Um strohiges Material zu erhalten, wurden die Wiesen spät gemäht und nicht gedüngt. Im Gegenzug lieferte die Einstreu aus den Tierställen wertvollen Dünger und Humus für die Äcker. Zudem wurden die nicht allzu feuchten Bereiche auch beweidet. Durch diese sehr extensive Nutzung entstanden äußerst artenreiche Lebensräume, welche einer Vielzahl von Pflanzen- und Tierarten bis zum Herbst genug Zeit ließ, sich zu entwickeln und fortzupflanzen.

Eine Streuwiese kann bis zu 100 Pflanzenarten aufweisen, darunter Orchideen und Enziane, Wiesenbrüter können hier ungestört ihre Jungen großziehen, Vögel und andere Kleintiere profitieren vom Insektenreichtum auf extensiv beweideten Flächen. Durch Änderungen in der Landwirtschaft war Einstreu nicht mehr gefragt, die Flächen wurden nicht mehr genutzt und begannen zu bewalden beziehungsweise wurden entwässert und intensiviert. Heute sind nur noch etwa fünf Prozent der ursprünglichen Moore übrig. Um sie zu erhalten, werden Landschaftspflegemaßnahmen mit staatlichen Fördermitteln in Form von biotopfördernder Beweidung und Mahd in Absprache mit den Eigentümern durchgeführt. Ein weitgehend intakter, nicht abgebauter Hochmoorbereich findet sich heute noch im Bereich des Wölkhamer Sees. Rund um den Zillhamer und Ameranger See finden sich ausgedehnte Streuwiesenlebensräume, die dank umfangreicher Landschaftspflegemaßnahmen noch eine Vielzahl seltener Tier- und Pflanzenarten aufweisen. In den Feuchtgebüschen und Auwäldern fühlt sich der Biber wohl, und mit viel Glück sieht man einen Schwarzstorch seine Kreise ziehen.

Artikel 1 von 11