Söchtenau – Sie waren hin- und hergerissen, die Mitglieder des Gemeinderates: Ihnen lag der Antrag einer siebenköpfigen Familie vor, die die Tenne ihres Hauses abreißen und mit Quergiebel und Gaube neu aufbauen will. Weil sie Platz brauchen. Das Problem: Das Ganze spielt im Landschaftsschutzgebiet Simsseeufer in Krottenmühl. Das zweite Problem: Es ist nicht der erste Antrag dort, sondern der dritte in kurzer Zeit. Das dritte Problem: Die Tenne sollte eigentlich schon längst nicht mehr stehen, der Ersatzbau nebenan wurde vor Jahrzehnten unter der Auflage genehmigt, dass sie abgerissen wird.
Menschlichkeit
gegen Baurecht
Sie würden einer ortsansässigen Familie ja gerne mehr Platz ermöglichen, waren sich die Mitglieder des Gemeinderates einig. Aber baurechtlich sei es halt schwierig. Aber Bauamtsleiter Anton Wenisch und sein Bürgermeister Bernhard Summerer (WSK) waren sich ebenso einig, dass dieser Antrag im Landratsamt vermutlich nicht durchgeht. Summerer, der bei einer Bürgermeisterdienstbesprechung den neuen Baujuristen des Landratsamtes kennengelernt hatte, berichtete, dass dieser die Bürgermeister gebeten habe, Anträge, die von seiner Abteilung mit hoher Wahrscheinlichkeit abgelehnt werden, in der Gemeinde erst gar nicht zu befürworten.
Bei Landschaftsschutzgebieten haben zwar Land- und Forstwirtschaft im Regelfall keine allzu gravierenden Auflagen – wenn sie nicht den Charakter des geschützten Gebietes verändern. Bei Gebäuden im Landschaftsschutzgebiet sind die Auflagen deutlich strenger, oft muss nicht nur die Bauabteilung, sondern auch die Untere Naturschutzbehörde im Landratsamt zustimmen.
Deswegen einigten sich die Mitglieder des Gemeinderates auch relativ schnell auf den Vorschlag des Zweiten Bürgermeisters Marco Binder (FWS), dass Summerer sich im Landratsamt mal kundig machen möge, was denkbar ist und was nicht. Summerer war dazu gerne bereit.
Bürgermeister sucht
den Kompromiss
Er werde auch versuchen, im aktuell vorliegenden Fall einen Kompromiss zu erreichen, so der Bürgermeister, denn die Familie brauche sicherlich mehr Platz als derzeit vorhanden. Der Gemeinderat lehnte den Bauantrag mit Bedauern einstimmig ab. Vorerst. Nach dem Gespräch des Bürgermeisters mit den Vertretern des Landratsamtes könnte sich das ändern, ließen Gemeinderat und -verwaltung durchblicken.