Wassermelonen aus dem Inntal

von Redaktion

Marinus Niederthanner (20) pflanzt Mitte Mai 5000 Setzlinge – Ernte im August

Nußdorf – Rund, saftig und erfrischend: Die Wassermelone ist die Sommerfrucht schlechthin. Angebaut wird sie normalerweise in wärmeren Gefilden. Doch Obstbauer Marinus Niederthanner (20) zieht seit 2020 in der Nähe von Nußdorf seine eigenen Pflänzchen groß. Auch heuer setzt er auf die Wassermelone. Und hofft, dass ihm weder Hagel noch Frost die Ernte vermasseln.

Harte
Handarbeit

Das Kürbisgewächs hat es dem 20-Jährigen angetan. Weil sein Experiment im vergangenen Jahr weitgehend geglückt ist, versucht er es heuer gleich noch einmal mit der exotischen Frucht. Der angehende Obstbauer ist quer durch Bayern unterwegs. Fünf Tage die Woche lebt er am Bodensee in Kressbronn. Dort lernte er einen Obstbauern kennen, der ihm von der Wassermelonen-Ernte erzählte. Und der junge Nußdorfer war sofort Feuer und Flamme gewesen: „Das hat mich einfach nicht mehr losgelassen.“ Denn regionale Wassermelonen, das gab es im Inntal noch nicht.

Sobald die Eisheiligen vorüber sind, will Niederthanner loslegen und auf einem Hektar Acker etwa 5000 Pflänzchen einsetzen. Zuerst werden schwarze Folien ausgelegt, dann Löcher eingestanzt und zu guter Letzt die Pflänzchen gesteckt. All das geschieht von Hand: „Das ist schon harte Arbeit, weil man ständig am Boden herumkriechen muss“, sagt Niederthanner. Aber die fertige Frucht in seinen Händen zu halten und positive Rückmeldungen von seinen Kunden zu bekommen, machen den 20-Jährigen glücklich. Dann habe sich die Arbeit bezahlt gemacht.

Und positive Rückmeldungen, die gab es: „Zuerst dachten die Leute, ich bin bissl verrückt“, erzählt der 20-Jährige lachend. Doch als er im September die ersten Wassermelonen geerntet und verkauft hatte, habe sich gezeigt: Die Leute lieben das regionale Obst. Heimische Produkte ziehen mehr, als wenn sie irgendwo aus dem Ausland importiert würden, so Niederthanners Eindruck. Deshalb versucht er auch heuer wieder sein Glück mit der Melone. „Auch, wenn es mit Risiko verbunden ist.“ Denn sobald es hagle oder Bodenfrost gebe, seien die Pflänzchen hinüber. Im vergangenen Jahr sei es mit dem Starkregen im Juni schon etwas kritisch geworden. Aber die Wassermelonen blieben glücklicherweise unbeschadet.

Drei bis vier Kilo schwer werden die Inntaler Früchte. Um zu prüfen, ob sie reif sind, muss Niederthanner einige der Exemplare zuvor aufschneiden. „Man sieht halt nicht rein. Das ist das Problem.“ Und viele Melonen seien im vergangenen Jahr noch unreif gewesen. Erfahrungen, die den 20-Jährigen in diesem Jahr weiterhelfen sollen, um seine Ernte zu optimieren.

Einer, der mittlerweile Experte im Wassermelonen-Anbau ist, ist Rainer Steidle (57) aus Wasserburg. Der Gemüsebaumeister erntet seit über zehn Jahren Wassermelonen. Und er sagt: „Die Pflanzen brauchen einen stressfreien Start.“ Gebe es zu viele kalte Phasen, sei die Ernte hinüber. „Das ist ein Glücksspiel.“ Beim Anbau schwört er auf einen Mix aus Wassermelone, Zuckermais und Stangenbohnen. Diese Zusammensetzung würde sich ergänzen und sich im Wachstum unterstützen.

Normalerweise brauchen die Wassermelonen ein trockenes und warmes Klima. Aber durch die Klimaerwärmung würde der Anbau auch in Bayern glücken.

Der schwingende
Ton ist entscheidend

Im September will Steidle zusammen mit seinen Enkelkindern die runden Früchte abklopfen. Erst wenn die Melone ein bestimmtes Geräusch abgibt, sei sie reif. „Das ist schwer zu beschreiben, der Klang schwingt dann durch die ganze Frucht.“ Für ihn sei der Melonenanbau eine unglaublich spannende Sache.

So sieht das auch Marinus Niederthanner. Wenn es nach ihm ginge, würde er gerne mehr Obstsorten anbauen. Dann gebe es neben Melonen und Erdbeeren, die seine Eltern anpflanzen, noch mehr regionale Auswahl für die Kunden.

Aber zunächst gilt seine Aufmerksamkeit der Melone: In den nächsten Tagen will er die Pflänzchen setzen. Wenn alles gut gehe, hofft er auf eine ertragsreiche Ernte Ende August.

Artikel 1 von 11