Prien – Bei bestem Wetter startete die Priener Hütte am Wochenende in die neue Saison. Beim Online-Sektionsabend des Deutschen Alpenvereins (DAV) vor wenigen Tagen stellte sich das neue Pächter-Ehepaar Rosa und Sebastian Lohrmann aus Prien vor. Vorsitzender Josef Buchner freute sich besonders, dass zum ersten Mal Mitglieder aus der Sektion als Pächter auftreten. Künftig sollen der Berghüttencharakter, das Bergsteigen und das Thema Nachhaltigkeit wieder im Vordergrund stehen. Auch soll der Bezug der Sektion zu ihrer Hütte wieder gestärkt werden.
Die Vorstellungen passen zusammen
Rosa Lohrmann ist die Tochter des Schriftführers. Trotz der verwandtschaftlichen Bande war sie überrascht, dass sie und ihr Mann als Gastronomie-Neulinge den Zuschlag erhielten, sagte sie im Gespräch mit der OVB-Heimatzeitung. „Unsere Vorstellungen haben offenbar zu dem gepasst, was sich die Sektion an Veränderungen wünscht“, so ihre Erklärung. „Das ist genau das, was wir uns erträumt haben.“
Sie selbst sei gefühlt in den Bergen aufgewachsen, erzählt sie weiter. Sie habe in den Bergen laufen gelernt und sei als Jugendliche viel geklettert. Seit ihrer Kindheit ist sie DAV-Mitglied und in der Heimat verwurzelt.
Josef Buchner erklärte beim Sektionsabend, dass dem DAV Prien daran gelegen sei, in der Hütte wieder das Bergsteigen in den Mittelpunkt zu rücken. So solle es verstärkte Informationen geben zum Naturschutz, Touren und über Klettermöglichkeiten. Energie soll nachhaltig erzeugt und Abfall so weit wie möglich vermieden werden. Vor dem letzten Winter sei ein neues Blockheizkraftwerk eingebaut worden. Ziel sei der Mittelweg zwischen Gastronomiebetrieb und ideeller Funktion der Hütte am Rande des Naturschutzgebiets am Geigelstein. Als wichtige Aufgabe bezeichnete Buchner, dass die Sektion den ideellen Wert der Hütte erhalte.
Rosa und ihr Mann Sebastian Lohrmann erzählten an dem Abend von der Aufgeregtheit und dem Umzug nach der Übergabe Ende April auf die Hütte. Die Familie wohne aber weiterhin auch auf ihrem Hof im Tal an der Prien. „Wir freuen uns total auf die Aufgabe“, so Rosa Lohrmann. Auch das Klavier soll noch mit umziehen: „Wir wollen, dass wieder musiziert und gesungen wird.“
Sebastian Lohrmann verglich seine Zeit als Skipper mit Schulklassen und Jugendgruppen auf See mit der neuen Herausforderung am Berg so: „Der Natureindruck ist der gleiche, man spürt als Mensch, wie klein man eigentlich ist.“ Die Hütte verglich er mit der Koje an Bord: „Da gibt es viele Ähnlichkeiten.“
Das Bergsteigen
steht im Vordergrund
Von den rund 100 Betten auf der Priener Hütte – davon 36 in Mehrbettzimmern und 35 im Matratzenlager – würden immer welche als „Puffer“ für die Sektion oder für Jugendgruppen freigehalten. Grundsätzlich meinte Buchner: „Man soll wieder zum Bergsteigen auf die Hütte kommen und nicht in erster Linie zum Feiern.“
Die Lohrmanns beziehen ihre Produkte für die Speisenkarte regional, wie sie erklärten. Ihr Ziel ist es, künftig wieder mehr Familien, Jugendliche, Musik und Sektionsleben auf die Hütte zu bringen. Als Beispiele nennen sie Ferienangebote für Klettern und Bergwandern, sanften Wintersport oder Waldkunde und Grillabende mit Stockbrot für Kinder. Die Corona-Einschränkungen lassen derzeit nur Kioskbetrieb zu. Für die neuen Gastronomen eine gute Möglichkeit, um in die Aufgabe hineinzuwachsen. Die Tage vorher waren ausgefüllt mit Putzen, handwerklichen Arbeiten und natürlich mit Planung und Einkauf. Nach dem geglückten Start freut sich das Ehepaar auf die Öffnung der Außengastronomie, sobald dies erlaubt ist: „Wir wollen die Hütte mit unseren Gästen teilen und dass sich die Menschen von früher wieder hier zu Hause fühlen.“