Bad Endorf/Prien/Rimsting – Herz, Hirn und Humor soll er besitzen, der neue Pfarrer am Westlichen Chiemseeufer. Herz, Hirn und Humor haben die katholischen Gläubigen der beiden Pfarrverbände Westliches Chiemseeufer und Bad Endorf bereits unter Beweis gestellt. Weil sie zum 1. September ihren Pfarrer Klaus Hofstetter und ihren Kaplan Pater Joshy George Vadakkekara verlieren, haben sie sich etwas ganz Besonderes einfallen lassen: Sie werben auf einer eigens angelegten Internetseite um einen Nachfolger. „Pfarrer, kimmst zu uns?“, fragen sie.
Harter Schlag
für Kirchengemeinde
In Zeiten des Priestermangels seinen Seelsorger zu verlieren, ist für Kirchengemeinden heutzutage ein harter Schlag. Bekommt man einen neuen Pfarrer – und wenn ja, wie lange wird man darauf warten müssen? Fragen, die die über 16000 Katholiken der beiden Pfarrverbände umtreiben, seit sie im März die bittere Nachricht bekommen hatten. Sieben Jahre lang war Hofstetter, der zuvor auch viele Jahre Diözesanjugendseelsorger im Erzbistum München und Freising gewesen ist, Pfarrer am Chiemsee.
Zum 1. September wird er nun auf Wunsch von Kardinal Reinhard Marx im Ressort Personal des Erzbischöflichen Ordinariats den Bereich Berufungspastoral übernehmen.
In der offiziellen Stellenausschreibung der Diözese hätten sich die Pfarrverbände mit ihren fünf politischen Gemeinden gemeinsam in einem kleinen Kurzprofil mit wenigen Sätzen vorstellen dürfen. „Das ist für unseren Bereich viel zu wenig, haben wir festgestellt“, sagt Birgitt Schiebel, Schriftführerin im Pfarrgemeinderat Bad Endorf und Mitglied im Pfarrverbandsrat. Schnell war klar: „Wir müssen selber etwas machen und zeigen, wie schön es bei uns ist. „Und so wurde die Homepage www. kimmst.de zur digitalen Bewerbungsmappe für Pfarrer. Alle Pfarrgemeinderäte und die Pfarrverbandsräte waren begeistert. Innerhalb von drei Wochen wurden in allen Orten Videos erstellt, in denen die Ehrenamtlichen über ihre Aktivitäten berichten, die wunderschöne Landschaft präsentiert oder Fotos von Aktionen, kirchlichen Feiern und traditionellen Festen gezeigt werden.
Interessierte Pfarrer erfahren, dass es viele engagierte Ehrenamtliche gibt, dass Haupt- und Ehrenamtliche gut zusammenarbeiten – und die Pfarrverbände in den vergangenen Jahren gut zusammengewachsen sind. Vor einer Woche nun wurde die Stelle im Bereich des Erzbistums München und Freising offiziell ausgeschrieben – interessierte Pfarrer, die wechseln möchten, können sich derzeit bewerben. Die ambitionierte Internetseite der Pfarrverbände hat im Erzbischöflichen Ordinariat in München einen solchen Eindruck hinterlassen, dass man sie bei der Stellenausschreibung verlinkt hat.
„Wir hoffen, dass das viele Priester anklicken, sich anschauen, Lust bekommen, sich zu bewerben – und wir ab Herbst einen neuen Pfarrer bekommen“, wünscht sich Birgitt Schiebel.
„Nehmen Sie unsere Bewerbung an, kommen Sie zu uns und lassen Sie uns gemeinsam beginnen und wachsen“, schreiben die Katholiken vom Chiemsee. „Wenn Sie Herz, Hirn und Humor mitbringen, dann bekommen Sie hier nicht nur angemessene Entlohnung für Ihr sinnvolles Tun und eine einladende Wohnung, sondern vor allem Hoamat, wie wir sie Ihnen und uns wünschen.“ Alles Weitere liegt nun bei den interessierten Seelsorgern – und voraussichtlich Ende Juni wird die Priester-Personalkommission unter der Leitung von Kardinal Marx über die Personalie entscheiden.
Vertrauen in
die Ehrenamtlichen
Die Gläubigen wünschen sich laut Birgitt Schiebel einen Pfarrer, der teamfähig ist, die Menschen mag, den Ehrenamtlichen mehr zutraut und auch neue Wege einschlagen mag. So, wie die Pfarrverbände mit ihrem Bewerbungsaufruf. Auf www.kimmst.de können sich nun Priester schlaumachen, was sie am Chiemsee erwarten würde.