Bad Endorf – Ein Ort der Sicherheit, Geborgenheit und Kontinuität – dieses Ziel hat sich der Verein „Katharinenheim Endorf“ mit dem Bau des Hauses Sinnesgarten gesetzt. Nach rund einem Jahr Bauzeit wird das dreistöckige Gebäude Anfang Juli eingeweiht. Es bietet für 45 an Demenz erkrankte Menschen ein neues Zuhause.
„Die höchstmögliche Freiheit für unsere Bewohner steht im Vordergrund“, erklärt Anita Read, Geschäftsführerin des Katharinenheims Endorf. Als Orientierung im Haus dienen abgestimmte Farbkonzepte sowie Natur-Motive. „Wir haben herausgefunden, dass sich an Demenz erkrankte Menschen oft an Lichtquellen orientieren“, sagt Read. Die Flure seien als Rundgang gestaltet. „Egal welchen Weg unsere Bewohner nehmen, sie kommen immer wieder an einem Pflegestützpunkt vorbei“, so Read.
Jedes kleine Detail muss geplant werden
Die Bewohner können sich bewegen, ohne sich verloren zu fühlen. „Jedes Detail, von den Elektroanschlüssen über den Sanitärbereich bis zur Küchenausstattung, ebenso die Möblierung und Inneneinrichtung der Bewohnerzimmer und Aufenthaltsräume, war meist schon im Vorfeld zu durchdenken“, erklärt Anita Schuster, die für den hauswirtschaftlichen Bereich zuständig ist. Insgesamt hat das Haus drei Stockwerke. Eine Etage ist eine Wohngemeinschaft (WG) für 15 Senioren. Dabei sind die Bewohner nicht an ein Stockwerk gebunden. Sie können sich frei im Haus bewegen. „Wir haben uns bewusst für kleine WGs entschieden“, sagt Read „damit die Bedürfnisse des Einzelnen nicht untergehen.“ Ein besonderes Augenmerk in dem Heim liegt auf der sogenannten „Biografiearbeit“. Das heißt, die Pfleger schauen gezielt auf die Lebensereignisse des demenziell Erkrankten. „Wir wollen alle Bewohner da abholen, wo sie stehen, damit sie ihr bisheriges Leben bestmöglich fortführen können.“ Je nach Interesse und persönlicher Lebensgeschichte können die an Demenz Erkrankten zum Beispiel in der Küche oder im Garten helfen.
Den Bewohnern steht ebenfalls ein geschützter Außenbereich zur Verfügung. Der sogenannte Sinnesgarten, der noch angelegt werden muss, vermittelt den Erkrankten ein Gefühl von Freiheit. Die Bewohner können sich draußen im Blickfeld der Betreuer bewegen. Der Garten soll dann mit immergrünen Sträuchern, essbare Pflanzen und Sportgeräten ausgestattet werden. „Die Bewohner sollen, trotz aller Einschränkungen, die ihre Erkrankung mit sich bringt, Licht, Luft, Farbe und vor allem Freiheit erleben können“, sagt Karin Stöhr, Leitung der stationären Bereiche. Das Haus Sinnesgarten ist offen für alle Pflegestufen einer Demenzerkrankung. Der Verein handle nach dem Motto „Einen alten Baum verpflanzt man nicht“, sagt Read. Gerade bei Demenzerkrankten sei Kontinuität wichtig. „Ich fände es schlimm, wenn wir mit schwindender Mobilität den Bewohner im Haus umsiedeln würden“, sagt Read.
In gut einem Jahr wurde das Haus in der Marktgemeinde Bad Endorf gebaut. „Wir hatten uns das Bauvorhaben in Zeiten von Corona schwieriger vorgestellt, als es war“, so die Geschäftsführerin. Doch ganz spurlos ging die Pandemie nicht an dem Neubau vorbei. „Einige Materialien konnten bis heute nicht geliefert werden“, erklärt Read.
Darunter fallen unter anderem Steckdosen und Lichtschalter. Sie wurden provisorisch angebracht und werden zu einem späteren Zeitpunkt ausgetauscht, so Read. Die Baukosten belaufen sich auf rund sechs Millionen Euro. Eine finale Summe gebe es aber nicht, da noch einige Ausgaben ausstehen, erklärt Read. Der Bedarf für ein Heim an Demenzerkrankten ist vorhanden. Rund 30 Plätze des Heims sind bisher fest belegt. „Wir haben eine Warteliste, die wir derzeit abtelefonieren, daher kann ich noch gar nicht sagen, wie viele und ob noch Plätze frei sind, allerdings rechnen wir mit einer zügigen Belegung“, sagt Read. Mit dem Haus Sinnesgarten deckt der Verein einen Bedarf ab. „Ich glaube, ich kann mit Recht behaupten, dass der Verein eine wichtige Einrichtung in der Marktgemeinde ist. Wir schauen genau hin, welche Lücken es in der Seniorenarbeit zu füllen gibt“, erklärt Read die Motivation des Katharinenheims Endorf. „Wir wollen Familien unterstützen. Hier blicken wir mit unserer Kindertageseinrichtung bereits auf eine 100-jährige Tradition zurück. Mit dem Demenzhaus ist nun eine weitere Lücke geschlossen worden.“ Am 1. Juli wird das Haus der Sinne offiziell eröffnet. Es wird für die Bewohner die erste Nacht in ihrem neuen Zuhause sein.
Bürgermeister zeigt sich über Bau erfreut
Bad Endorfs Bürgermeister Alois Loferer ist über die Eröffnung des Hauses Sinnesgarten erfreut. „Es ist eine ganz wichtige und konsequente Entscheidung des Vereins „Katharinenheim Endorf“, einen Pflegestandort für Demenz-Erkrankte aufzubauen.“ Loferer lobt die Spezialisierung des Hauses, dass ganz gezielt auf die Bedürfnisse der Bewohner eingehen könne. Der Bedarf in der Marktgemeinde sei vorhanden, so Loferer.