Abschied von einem Visionär

von Redaktion

Nachruf Bewegende Trauerfeier für Obinger Ehrenbürger Walter Mayer

Obing – Familie und enge Weggefährten nahmen in einer bewegenden Trauerfeier Abschied von Walter Mayer aus Roitham, der kürzlich im Alter von 88 Jahren verstorben ist.

Walter Mayer wurde am 18. August 1932 als einziges Kind von Maria Mayer und August Binghammer geboren und wuchs auf dem „Moier“-Sacherl in Roitham auf. Im Alter von fünf Jahren verlor er seinen Vater, der als Soldat in der französischen Fremdenlegion diente. Die Kindheit war geprägt vom Widerstand seiner Familie gegen den Nationalsozialismus.

Landwirtschaft
statt Priesterweihe

Der sehr gute Schüler hätte nach dem Krieg das Gymnasium in Gars besuchen können, um nach dem Theologiestudium die Priesterweihe empfangen zu dürfen. Doch Mayer beendete die Volksschule sowie die landwirtschaftliche Berufsschule in Obing und entschied sich, das im Verfall befindliche Sacherl in Roitham zu übernehmen. Neben der Landwirtschaft arbeitete er erst als Holzmacher in Akkordarbeit und später beim Forst Seeon. Von seinem ersten Verdienst kaufte Mayer sich ein Rennrad, mit dem er in den Jahren vor seiner Heirat ausgedehnte Radtouren bis ins Werdenfelser Land unternahm.

Ab 1963 arbeitete er zusätzlich zur eigenen Milchviehhaltung in Vollzeit als Lagerist bei der BayWa in Obing. 1955 heiratete er Anni Oberlechner aus Hainham. Mit der Heirat in die „Bauernschneider-Familie“ fand Mayer auch jene familiäre Geborgenheit, die er stets vermisst hatte. Auch wirtschaftlich ging es in
Roitham bergauf. Aus drei Kühen wurden durch Zupachtungen schließlich 20. Eine Betriebsgröße, mit der man in der damaligen Zeit noch sehr gut leben konnte. Die Kinder Walter, Hans, Max und Angelika wurden geboren. Sobald es ging, unternahm er mit seiner Familie Reisen.

Anfang der 60er-Jahre begann er sich auch politisch zu engagieren. Er war Weggefährte des einstigen Landtagspräsidenten Alois Glück. 21 Jahre lang, von 1969 bis zum Jahr 1990, war Mayer Mitglied des Gemeinderats in Obing, von 1984 bis 1996 auch Mitglied des Kreistags. Im Jahr 1990 wurde er zum ehrenamtlichen Ersten Bürgermeister der Gemeinde gewählt.

Der Ausbau der Schulen lag ihm besonders am Herzen. Zu seiner Zeit als Bürgermeister war die Grund- und Hauptschule Obing die größte Einrichtung ihrer Art im Landkreis Traunstein. „Walter Mayer war zeitlebens nicht nur auf lokalpolitischer Ebene ein engagierter Mitbürger“, findet Bürgermeister Sepp Huber. Er hebt die Verdienste des Verstorbenen hervor, die er sich als Ortsheimatpfleger und Verfasser der Obinger Chronik erworbenen habe. „Oft wurde er in seinem Leben als Fantast belächelt. Mit der Zeit kamen jedoch immer mehr Mitbürger zu der Einsicht, dass er oft eher doch ein Visionär war“, erinnert sich sein Sohn Walter.

Mayers große Liebe, neben der Familie, waren die Heimatforschung, der Erhalt der bayerischen Sprache und die Erhaltung der Bahnstrecke von Obing nach Bad Endorf.

Seit 1973 bis zu seinem Tod war Walter Mayer Ortsheimatpfleger der Gemeinde Obing. Im Jahr 1994 wurde die von ihm erstellte Obinger Ortschronik „De Obinga im Laufe der Zeit“ veröffentlicht.

Nach dem Ende seiner politischen Laufbahn im Jahr 1996 verbrachte er viele Tage in der Bayerischen Staatsbibliothek in München. Ab 1974 war Mayer die initial treibende Kraft bei der Erhaltung der Lokalbahn von Obing nach Bad Endorf.

Es war für ihn einer der größten Glückstage als am 1. Juli 2006 die Museumsbahn ihre erste Fahrt zwischen Obing und Bad Endorf aufnahm. Als Anerkennung für seinen Einsatz für die Gemeinde Obing wurde ihm die Ehrenbürgerwürde verliehen. Schwer getroffen hat Walter Mayer der Tod seiner Ehefrau Anni, die er aufopferungsvoll gepflegt hatte. Mit Maria Erb, einer Cousine seiner verstorbenen Frau, fand er jedoch noch einmal sein großes Glück.

Forscher und Familienmensch

Im Juni 2017 veröffentlichte er sein zweites Buch „De Boarn – Quellenkritische Bearbeitung der altbaierischen Frühgeschichte aus autochthoner bäuerlicher Sicht“. Als Sprachforscher für „Boarisch“ hatte er dieses Buch auf „Boarisch“ und Hochdeutsch geschrieben. Auch in den letzten Lebensjahren war sein Tag noch genau getaktet.

Der Vormittag war für die Forschung da, der Nachmittag für seine Maria und seine Urenkel, mit denen er in der Großfamilie zusammenwohnte. Insgesamt konnte er sich zu seinem Lebensende über 16 Enkelkinder und 17 Urenkel freuen und von Marias Seite kamen noch weitere Enkel und Urenkel hinzu.

Artikel 3 von 11