„Ein Lob an meine Mitarbeiter“

von Redaktion

Interview Bürgermeister Christian Glas zieht eine erste Bilanz seiner Amtszeit

Eggstätt Christian Glas (Freie Bürger) erstes Jahr als Bürgermeister war alles andere als einfach. Die Verwaltung musste aufgestockt werden, die Corona-Pandemie brach aus, und nun kämpft die Gemeinde gegen eine mutwillig herbeigeführte Umweltverschmutzung. In einem Interview mit den OVB-Heimatzeitungen spricht Glas über seine bisherige Amtszeit.

Wie haben Sie das erste Jahr als Bürgermeister empfunden?

Der Start war schwierig. Es hat vor allem Personal gefehlt. Deswegen war meine erste wichtige Aufgabe, einen Bauamtsleiter und eine Geschäftsleitung einzustellen. Seit Dezember haben wir keinen Kämmerer mehr. Deswegen konnten wir unseren Haushalt erst jetzt verabschieden. Am ersten August fängt die neue Kämmerin an. Wir haben auch den Fuhrpark auf den neuesten Stand gebracht. Aktuell suchen wir eine Kinderpflegerin für die Krippe.

Sie haben Ihren Vorgänger bereits vertreten und waren Zweiter und Dritter Bürgermeister. Wie ist es, das Amt selbst innezuhaben?

Wenn man die Vertretung macht, dann ist das eine andere Liga, als wenn man bis in die Nacht im Rathaus ist. Als Bürgermeister bekomme ich die Belange der Mitarbeiter ganz anders mit. Während der Vertretung war der Kontakt eher oberflächlich und nicht so intensiv. In meiner Verwaltung kann mich jeder ansprechen und seine Probleme und Ideen teilen. Wir haben tolles Fachpersonal.

Derzeit beschäftigt Eggstätt die Frage, an welchem Standort die neue Kinderkrippe gebaut werden soll.

Die Freien Bürger, die ÜWG und die CSU bevorzugen den Standort an der Obinger Straße. An diesem Standort wäre die Nähe zur Schule, dem Sportplatz, der Hartseehalle und dem Hartsee selber gegeben. Hier könnten ein dringend benötigter Sitzungssaal und Büroräume für die gemeindliche Verwaltung entstehen. Ein Neubau im Mühlenweg ist aber auch möglich. Die Bürgerbefragung läuft bis zum 13. Juli, und wir hoffen auf rege Beteiligung der Bevölkerung.

Welche Projekte haben Sie in Ihrem ersten Jahr umgesetzt?

Seit März hat die Gemeinde Eggstätt eine neue Rettungswache. Das ist ein Projekt, das wir bereits 2016 angestoßen hatten, und heuer hat es geklappt. Die bisherigen Einsatzzahlen belegen die Notwendigkeit der Rettungswache. Sie ist derzeit im Erdgeschoss des Vereinsheims des ASV an der Seeoner Straße. Im Juli zieht die Wache an ihren endgültigen Standort an der Obinger Straße um.

Die energetische Sanierung der Grundschule ist mit rund zwei Millionen Euro abgeschlossen. Wir haben auch ein Sicherheitskonzept für die Badestelle am Hartsee entwickelt. Die Hangsicherung am Sportplatz ist fertiggestellt. Das hat uns 40 Euro pro Einwohner gekostet. Bei dem Radweg nach Weisham stecken wir in den letzten Zügen. Wir müssen noch ein Grundstück erwerben, aber wir sind hier auf einem guten Weg.

Inwieweit hat die Pandemie Ihr erstes Amtsjahr bestimmt?

Wir haben bei der Digitalisierung der Verwaltung riesen Schritte in Sachen Homeoffice gemacht. Auch der Rechnungseingang funktioniert bei uns jetzt digital. Das war eine große Umstellung. Es fehlt aber der Kontakt zum Bürger. Ich gehe im Moment gerne freiwillig einkaufen, denn jedes Mal ergibt sich ein Gespräch zu einem wichtigen Thema. Die Gemeinde hat ihr Bestes getan, alle Informationen weiterzugeben und die Gastronomen und die Firmen zu unterstützen. Ich muss hier ein ganz dickes Lob an die Mitarbeiter und die Verwaltung aussprechen. Da hat sich jeder richtig reingehängt.

Jemand hat Anfang April in einem Gully bei Natzing PFC-Stoffe eingeleitet. Wie ist hier der Sachstand?

Das Problem ist, dass wir nicht wissen, wie lange der Täter hier Schadstoffe eingeleitet hat. Deswegen müssen wir durch Bohrungen den Grad der Verschmutzung feststellen. Die Frage ist, ob das Wasserschutzgebiet betroffen ist. Dann könnten Bad Endorf oder Breitbrunn ebenfalls betroffen sein. Die Sicherheit der Menschen steht hier an oberster Stelle. Derzeit besteht für die Bevölkerung keine Gefahr. Wir stehen deswegen im engen Kontakt mit dem Wasserwirtschaftsamt. Wir haben einen Kohlefilter für rund 100000 Euro zur Reinigung des immer noch belasteten Oberflächenwassers aufstellen lassen. Die Unterhaltung kostet pro Monat 10000 Euro. Derzeit muss die Gemeinde Eggstätt für die anfallenden Reinigungs- und Sanierungskosten aufkommen. Wir haben das Gefühl, von der Obrigkeit alleine gelassen zu werden. Die gesamten Maßnahmen könnten auf einen siebenstelligen Betrag rauslaufen. Wer hilft mir, wenn unser Haushalt zusammenbricht? Das gefährdet andere Projekte der Gemeinde.

Worauf freuen Sie sich heuer noch?

Ich freue mich auf die Herausforderungen. Ich habe ein gutes Team. Ich freue mich darauf, dass das Dorfleben wieder aufblüht. Ich bin lieber draußen bei den Menschen. Mir fehlt der Umgang mit den Bürgern. Nur hinter dem Schreibtisch sitzen, das bin nicht ich.

Interview: Katharina Koppetsch

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